Bei der Versammlung des Zweckverbands „Heuberg-Wasserversorgung rechts der Donau“ ist mit Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick ein neuer Vorsitzender gewählt worden. Er folgt damit Leibertingens aus dem Bürgermeisteramt scheidenden Armin Reitze nach, der auch das Amt beim Zweckverband als Verbandsvorsitzender und Mitglied des Verwaltungsrats nach 16,5 Jahren abgibt. Auch dessen Stellvertreter Hans-Jürgen Osswald, Bürgermeister a. D. von Neuhausen ob Eck, ist nicht mehr zur Wahl angetreten. Dieses Amt und die damit verbundene Mitgliedschaft im Verwaltungsrat hat seine Nachfolgerin auf dem Rathaussessel, Marina Jung, folgerichtig übernommen. Auch Leibertingens kürzlich neu gewählter Bürgermeister Stephan Frickinger haben die Anwesenden der jüngsten Verbandsversammlung zum 1. Mai, dem Tag seines Amtsantritts, in den Verwaltungsrat des Zweckverbandes gewählt.

Mit Charme und Humor wirbt Armin Reitze für „bestes Wasser aus unseren Leitungen!“. Dem Zweckverband wird er nach seinem Ausscheiden als Vorsitzender als „Teilzeit-Geschäftsführer“ erhalten bleiben.
Mit Charme und Humor wirbt Armin Reitze für „bestes Wasser aus unseren Leitungen!“. Dem Zweckverband wird er nach seinem Ausscheiden als Vorsitzender als „Teilzeit-Geschäftsführer“ erhalten bleiben. | Bild: Susanne Grimm

Obwohl in den Jahren von Reitzes Vorsitz viel getan worden ist, um die Wasserinfrastruktur der sieben Mitgliedskommunen Buchheim, Emmingen, Inzigkofen, Leibertingen, Meßkirch, Neuhausen und Sigmaringens Ortsteil Gutenstein in Schuss zu halten, beziehungsweise zu erneuern, steht vor dem Verband und den Gemeinden ein Berg von Aufgaben. Das machte Matthias Dreher, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft Dreher und Stetter aus Empfingen, deutlich.

Verbesserungsbedarf der Anlagen

Er stellte das Ergebnis des Strukturgutachtens über die Anlagen des Verbands und die Sicherstellung der gemeinsamen Trinkwasserversorgung in der Region vor. Das Gutachten listete die Wasserbilanzierung und die Bestandsaufnahme der Anlagen auf, stellte Bedarfsprognosen und untersuchte die Versorgungsstruktur. Mit welchen Maßnahmen die Strukturen verbessert werden können und welche Auswirkungen dies auf die Investitions- und Betriebskosten hat, ließ sicher bei manchem der Bürgermeister die Ohren klingeln. Denn zum Zweckverband gehören neben drei Eigenwasservorkommen 14 Hochbehälter, ein Hochbehälter mit Pumpwerk sowie ein Wasserwerk, eine Verteilstation und diverse Druckminderschächte. Die Bestandsaufnahme der Eigenwasservorkommen ergab beispielsweise, dass beim Tiefbrunnen Vilsingen die Elektrotechnik der Erneuerung bedarf, ebenso die Hydraulik. Auch der Objektschutz müsse optimiert werden.

Einige Hochbehälter über 100 Jahre alt

Etliche der zum Zweckverband gehörende Hochbehälter haben ein Alter von Teils über 100 Jahren. Entsprechend offenbarte das Gutachten Handlungsbedarf. Einige, wie die in Liptingen und Heudorf, verfügen nicht einmal über einen Stromanschluss, andere, wie der Behälter in Gutenstein (Baujahr ab 1907), haben noch alte Wasserkammern. Auch zeigte das Gutachten in manchen Bereichen, wie beim Hochbehälter Vilsingen, zu geringe Speichervolumen auf, die die Versorgungssicherheit in Spitzenbedarfszeiten gefährden könnten.

Matthias Dreher, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft Dreher und Stetter aus Empfingen, erläuterte die Ergebnisse des Strukturgutachtens.
Matthias Dreher, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft Dreher und Stetter aus Empfingen, erläuterte die Ergebnisse des Strukturgutachtens. | Bild: Susanne Grimm

Neben Speicherdefiziten deckte der Bericht in bestimmten Bereichen zu wenig Netzdruck auf sowie unvollständige Datenerfassung und Überwachung. Weitere sinnvolle Maßnahmen seien die Zusammenlegung der Eigenwasservorkommen mit dem Ziel der gegenseitigen Ersatzversorgung und die Verbindung der Grundwasservorkommen im Donautal und Meßkirch-Vilsingen-Pault. Dazu wäre eine zentrale Enthärtungsanlage wünschenswert, die nicht nur die Wasserqualität verbessere, sondern auch den Nitratgehalt reduziere, so der Fachmann. Ebenso sinnvoll sei die Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Hohenberg-Wasserversorgung. Viel Arbeit also für das neue Vorstandsteam des Zweckverbands.

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Mit dem Ausscheiden von Armin Reitze als Verbandsvorsitzender endet allerdings die „Reitze-Ära“ nicht. Arne Zwick freute sich, den Scheidenden weiterhin als „Teilzeit-Geschäftsführer“ des Zweckverbandes gewonnen zu haben. Der hatte zuvor die Jahresergebnisse der Wirtschaftspläne 2019 und 2020 der Verbandsversammlung vorgestellt, die diese einstimmig feststellten. Zusammengefasst betrug im Jahr 2020 die Bilanzsumme 6,06 Millionen Euro bei einem Eigenkapital von 3,64 Millionen Euro. Mit 880 000 Euro waren die Erträge und Aufwendungen ausgeglichen, da der Zweckverband keine Gewinnerzielungsabsicht hat. Der mittlere Wasserabgabepreis an die Verbandsgemeinden lag mit 1,18 und 1,23 Euro pro Kubikmeter auf dem Niveau der vergangenen Jahre, obwohl über die deutliche Steigerung des Wasserpfennigs“ (der zwischenzeitlich knapp 10 Cent pro Kubikmeter ausmacht) und die gestiegenen Energie- und Personalkosten eine steigende Tendenz des Wasserpreises zu erwarten wäre. Merkliche Rückgänge bei den Zinszahlungen und den Abschreibungen konnten diese steigende Tendenz im wesentlichen Ausgleichen und auch die Verkaufsmengen sind mit rund 677 000 bzw. 682 000 Kubikmetern in den beiden Jahren weiterhin auf einem deutlich höheren Niveau als in den Jahren bis 2014. Aufgrund der geringen Wasserstände in der Donau fiel insbesondere im Jahr 2020 der Beitrag der selbst erzeugten Energiemenge für die Wasserförderung um über ein Drittel niedriger aus, als im Durchschnitt der Vorjahre, führte Reizte in seinem Bericht aus. Das seien immerhin mehr als 100 000 Kilowattstunden weniger gewesen als normal.

Der neue Verbandsvorsitzende Arne Zwick überreicht seinem Vorgänger Armin Reitze zum Abschied einen Gutschein zum „Rentnerurlaub“.
Der neue Verbandsvorsitzende Arne Zwick überreicht seinem Vorgänger Armin Reitze zum Abschied einen Gutschein zum „Rentnerurlaub“. | Bild: Susanne Grimm

Zwick überreichte Reitze Abschiedsgeschenk in Form eines Zuschusses für dessen „Ruhestandsurlaub“. Reitze, der 1991 als Leiberinger Kämmerer erste Kontakte zum Zweckverband knüpfte, war von Mai 1999 bis Oktober 2004 stellvertretender Verbandsvorsitzender. Reitze hatte bekannt, dass er die Arbeit im Wasserversorgungsverband sehr gerne macht und sich deshalb freue, weiterhin darin tätig sein zu dürfen. Mit einer Wasserflasche in der Hand machte er Werbung für „das beste Wasser aus dem Hahn. Es gibt keinen Grund, Wasser in Flaschen zu kaufen!“