Kurzarbeit ist zumindest derzeit für den Bizerba-Konzern kein Thema. Das erklärte bei der Jahrespressekonferenz der Geschäftsführer des Familienunternehmens, Andreas Kraut. Zusammen mit seiner Schwester Angela Kraut, Vizepräsidentin für Finanzen und Controlling, berichtete der Balinger von einem guten Geschäftsjahr 2019 und einem sich im ersten Quartal positiv entwickelnden Betriebsjahr 2020.

Erweiterungsbau in Meßkirch soll dieses Jahr beginnen

In Meßkirch, so hofft der Geschäftsführer, könne man nach der Reinigung des Untergrunds auf dem ehemaligen Berendsen-Gelände im Idealfall noch in diesem Jahr mit dem Erweiterungsbau für das Zweigwerk in der Heidegger-Stadt beginnen. Im Moment sieht der Konzernchef die Stadt Meßkirch am Zug. Wie wichtig dem Familienunternehmen der Standort im Kreis Sigmaringen ist, wird an den bereits 2019 getätigten Investitionen von rund 300 000 Euro deutlich. „Wir haben als größere Maßnahme nicht nur eine neue Lagerhalle gebaut und die Sanitärbereiche modernisiert, sondern auch zahlreiche energetische Maßnahmen wie den Austausch von Fenstern vorgenommen“, sagt Angela Kraut. Weltweit haben die Balinger im vergangenen Jahr rund 20 Millionen Euro investiert. Wie bedeutsam das internationale Engagement ist, macht eine andere Zahl deutlich. Im Inland erwirtschaftet der Konzern nur 30 Prozent seines Umsatzes. 70 Prozent erbringe der Weltmarkt, wie die Geschwister erläuterten.

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Werk in China musste für sechs Wochen schließen

Die Produktion in Meßkirch kann nach Einschätzung der Konzernleitung problemlos fortgeführt werden, weil die Zulieferung der für die Endmontage nötigen Teile aus Italien gesichert sei. Ähnlich positiv sieht es aus Unternehmersicht an den anderen inländischen und internationalen Standorten aus. Den einzig negativ spürbaren wirtschaftlichen Ausrutscher stellt die durch die Pandemie erzwungene sechswöchige Schließung des Werks in der Volksrepublik China dar.

Hamsterkäufe sorgen bei Bizerba für Umsatzplus

Während sich in allen Geschäftsbereichen im ersten Quartal des laufenden Jahres die Zahlen auf dem Niveau des Vorjahres bewegten, gibt es eine für Bizerba erfreuliche Ausnahme. Die Umsatzzahlen im Bereich von Verpackung und Etikettierung sind um 30 Prozent gestiegen. Die Geschwister machen dafür den coronabedingten Zulauf der Kunden auf die Supermärkte verantwortlich.

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Lieferungskette ist in Corona-Zeiten stabil

Für einen internationalen Konzern besonders wichtig ist die Sicherstellung der weltweiten Lieferketten. Andreas Kraut bezeichnete die Versorgung der verschiedenen Produktions- und Servicezentren in aller Welt als „stabil“. Aus heutiger Sicht geht der Unternehmer davon aus, dass sich an dieser Situation nichts ändern wird. Die Pandemie sei für Bizerba eine vorübergehende Erscheinung, die die langfristige Geschäftspolitik nicht berühre. Deswegen arbeitet der Konzern an immer neuen und verbesserten Produkten, rund um die Verpackung, die Etikettierung und das Wiegen.

Bizerba entwickelt ein intelligentes Brötchenregal

Eines der Beispiele für neue Technologien ist ein System, das aus einer Bodenwaage, einem Kamerasystem und künstlicher Intelligenz in Verbindung mit einer Smartphone-App besteht. Die Ware wird vom Kunden bei der Entnahme aus dem Regal mithilfe eines Smartphones und der App gescannt. Die künstliche Intelligenz prüft am Ende der Einkaufstour dann die Plausibilität zwischen dem Inhalt des Warenkorbes und der Scanliste. Betrügereien seien damit nahezu ausgeschlossen. Bei Vollausbau des Systems kann der Betrag direkt von der Kreditkarte abgebucht werden. Der Gang durch die Kassenzone entfällt. Ein anderes Projekt ist das intelligente Brötchenregal. Kraut: „Das Regal registriert, wenn ein bestimmter Brötchenkorb fast leer ist und gibt einen entsprechenden Backbefehl an den Backofen weiter.“ Beide Systeme sind bereits marktreif und haben in ausländischen Supermärkten ihre Feuertaufe schon bestanden.

Monteur Markus Franzkowiak gehört zu den 176 Bizerba-Mitarbeitern am Standort Meßkirch, die von der nach wie vor gesunden Ertragslage des Balinger Konzerns profitieren. Bilder: Hermann-Peter Steinmüller
Monteur Markus Franzkowiak gehört zu den 176 Bizerba-Mitarbeitern am Standort Meßkirch, die von der nach wie vor gesunden Ertragslage des Balinger Konzerns profitieren. Bilder: Hermann-Peter Steinmüller | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Viele Mitarbeiter in der Softwareentwicklung

Um solche Produkte überhaupt anbieten zu können, setzen die Schwaben auf die konzerneigene Software. Dazu Andreas Kraut: „Wir beschäftigen derzeit mehr Mitarbeiter im Softwarebereich als im mechanisch-technischen Sektor.“ Das Ziel des Unternehmens formulierte der Geschäftsführer so: „Wir wollen in allen Bereichen Spitzentechnologie anbieten.“ Dass die Produkte einen höheren Preis haben als Konkurrenzerzeugnisse, räumt Kraut ein. Er geht aber davon aus, dass die damit verbundene höhere Investition durch eine längere und nachhaltige Nutzung der Bizerba-Produkte ausgeglichen wird. Der Konzern unterhält weltweit Servicezentren mit geschultem Personal. Gegenwärtig arbeiten die Entwickler daran, die Kundengeräte international über das Internet warten zu können.