Am kommenden Wochenende öffnet Bildhauer Josef Alexander Henselmann sein Atelier im Marstall in Krauchenwies für die Besucher. Im geschmackvoll restaurierten Gebäude sowie im Garten zeigt er Arbeiten aus verschiedenen Schaffensperioden. Es ist eine Art Retrospektive, die sich wunderbar in den Charme und den Geist des historischen Gebäudes einfügt.

Installationen stehen in New York, Berlin und Bangalore

Künstlerisch tätig war Josef Alexander schon auf der ganzen Welt. Fast zehn Jahre lehrte er als Professor in Bangalore, Indien, hatte zwei Jahre ein Atelier in New York und arbeitete unter anderem auf Zypern und in Australien. „Die vielen Orte geben mir unterschiedliche Inputs“, erklärt der Bildhauer, der sich neben der Bildhauerei mit Grafik, Malerei und Glaskunst befasst. Monumentale Glasobjekte von ihm sind am Münchner Flughafen zu sehen, Installationen in den Bayerischen Vertretungen in Berlin und Bonn, Großskulpturen in Kitzbühel, Installationen in New York, Berlin und Bangalore. Kleinere Entwürfe dieser Arbeiten sind teilweise in Krauchenwies ausgestellt.

Sakrale Werke in der Region

Ein Teil seiner Arbeiten sind sakrale Werke, die ebenfalls in der Region anzutreffen sind. In Kanzach steht der Friedensengel und Glasfenster schmücken die Herz-Jesu-Kapelle in Ochsenhausen. In der St. Peter und Paul Kirche in Sigmaringendorf übernahm er die künstlerische Gestaltung. Im Münchner Dom ist Henselmann beispielsweise mit drei Arbeiten vertreten, darunter die bronzene Porträtbüste von Papst Benedikt, die 2006 entstand. Zur Abnahme des Kunstwerks sei der Papst damals nach München gekommen. „Meine Kinder waren beeindruckt davon, dass sie ihm die Hand geben durften“, erzählt der Bildhauer, der den mittlerweile emeritierten Papst als einen äußerst freundlichen, zurückhaltenden Menschen erlebte. Für Henselmann war es die spezielle Hand-Grußgeste, in welcher er das Wesen des Papstes erkannte. „In dieser Hand kumuliert meine Plastik“, beschreibt er.

Vielfältiges Wirken wird sichtbar

Bei denTierplastiken handelt es sich vorwiegend um Auftragsarbeiten. Bei den realistischen Objekten zeigt sich ebenfalls das handwerkliche Können.
Bei denTierplastiken handelt es sich vorwiegend um Auftragsarbeiten. Bei den realistischen Objekten zeigt sich ebenfalls das handwerkliche Können. | Bild: Isabell Michelberger

Die Ausstellung im Marstall-Gebäude zeigt, wie vielfältig der Künstler ist. Das Spektrum umfasst realistisch aussehende Hunde, Ochsen und Pferdeköpfe bis zu abstrakten Plastiken. Die in Bronze gegossenen Ziegen mit den kleinen frechen Köpfen und dem riesigen gemütlichen Bauch schauen den Betrachter fröhlich an. Faltenwürfe und Aufwerfungen geben ihnen Charakter. Zu Henselmanns Markenzeichen zählen die ins abstrakte gehenden Paare. Leicht geänderte Linienführungen verändern erstaunlich stark die Geste. Manche Objekte schuf er in verschiedenen Materialien. Die „Meer-Maids“ finden sich in der Ausstellung sowohl als Holzskulpturen als auch in Metall gegossen. Während beim Metall das Licht auf der Oberfläche einen besonderen Reiz ausstrahlt, so ist es bei den Holzobjekten die Maserung.

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Die Asche-Bilder entstammen einer Anregung aus Indien. „In Indien ist die Asche überall“, erläutert Josef Alexander Henselmann. Für die Motive verwendet er die unterschiedlichen Farbpigmente in der Asche. Einer Anregung aus Australien sind die Langbleche zu verdanken, die Henselmann mit archaischen Formen bemalt. „Diese passen hervorragend zu den archaischen Formen des Marstalls“, schwärmt er.

Der ehemalige Marstall in Krauchenwies bietet beste Voraussetzungen, um Kunstwerke wirken zu lassen.
Der ehemalige Marstall in Krauchenwies bietet beste Voraussetzungen, um Kunstwerke wirken zu lassen. | Bild: Isabell Michelberger

Künstlerisches Handwerk vom Großvater gelernt

Josef Henselmann ist dankbar, dass er das künstlerische Handwerk bei seinem gleichnamigen Großvater erlernen durfte. Das ist für ihn die wesentliche Basis, um Ideen künstlerisch umzusetzen. Ab dem Alter von drei Jahren durfte er ins Atelier des Großvaters. Und da die Großmutter Malerin war, habe er sich auch früh mit der Malerei befasst. Mittlerweile verbringt er drei Tage in der Woche in Krauchenwies, in der heimatlichen Region, in der er sich wieder angekommen fühlt, und vier Tage in München, seinem Hauptwohnort.

Im Garten stellte Josef Henselmann charmante Arrangements aus verschiedenen Arbeitsperioden zusammen.
Im Garten stellte Josef Henselmann charmante Arrangements aus verschiedenen Arbeitsperioden zusammen. | Bild: Isabell Michelberger

Die Besucher können sich am Wochenende einen Eindruck von der mannigfaltigen schöpferischen Kraft des Künstlers verschaffen. Darüber hinaus sind seine verschiedenen Werkstätten in dem ehemaligen Pferdestall zu begutachten, über die er Auskunft gibt.

Im Garten des Marstalls auf der Straßenseite begrüßen die Besucher Pferdeköpfe sowie abstrakte Plastiken.
Im Garten des Marstalls auf der Straßenseite begrüßen die Besucher Pferdeköpfe sowie abstrakte Plastiken. | Bild: Isabell Michelberger