Jedem ist bewusst, dass es ohne den Bäcker kein Brot und ohne den Metzger keine Wurst aufs Brot gibt. Aber trotzdem sollten die eigenen Kinder doch mindestens das Gymnasium besuchen und sich bei der Studienwahl nach den sogenannten Mint-Fächern (also Studienfächern aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) richten. Soweit das vorherrschende Lamento bei der Podiumsdiskussion des CDU-Kreisparteitags.

Der Saal des Gasthof Linde in Göggingen war gut gefüllt mit Mitgliedern der CDU. Das Durchschnittsalter des Kreisverbands liegt bei 62 Jahren.
Der Saal des Gasthof Linde in Göggingen war gut gefüllt mit Mitgliedern der CDU. Das Durchschnittsalter des Kreisverbands liegt bei 62 Jahren. | Bild: Magdalena Hangarter

Zum Thema „Berufliche Bildung – entscheidend für Mittelstand und ländlichen Raum“ standen Landrätin Stefanie Bürkle, Kreishandwerksmeister Siegmund Bauknecht und Oberstudiendirektor Frank Steinhart auf dem Podium und diskutierten. Wobei keine echte Diskussion auf dem Podium entstand, weil in weiten Teilen Einigkeit herrschte.

Das könnte Sie auch interessieren

Landrätin Bürkle plant derzeit den Neubau der beruflichen Bertha-Benz-Schule, ein Millionenpaket, bei dem die Angaben zwischen 60 und 80 Millionen Euro schwanken. Als Kreishandwerksmeister ist Bauknecht der Meinung, dass die Ausbildung gerade unter der Ungleichbehandlung mit den Studiengängen leide. Der Schulleiter der kaufmännischen Ludwig-Erhard-Schule in Sigmaringen, Frank Steinhart, nutzte die Diskussionsrunde, um dem Kreis für die hervorragende Ausstattung der Schulen zu danken.

Auch kritische Fragen aus der Runde

Trotz der Einigkeit musste man manch kritische Frage zulassen: Ist ein derart opulent geplanter Neubau angemessen – angesichts des stetigen Rückgangs der Schülerzahlen aufgrund der sinkenden Geburtenrate? Die Dimensionierung des Neubaus sei in der Tat eine Frage, die derzeit im Kreistag debattiert werde, so Bürkle.

Rückgang der Schülerzahlen um 20 Prozent

Derzeit sei bis 2025 (dem geplanten Eröffnungsjahr der neuen Schule) mit einem Rückgang der Schülerzahlen um 20 Prozent zu rechnen. Ein bedauerndes Raune ging durch die Reihen der CDUler als Bürkle informierte, dass dieses Schuljahr keine Fleischerklasse zustande kommen werde. Doch man konnte die drei am Fleischerberuf Interessierten an beruflichen Schulen in Nachbarlandkreisen unterbringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Und damit war tatsächlich eine Diskussionsfrage losgetreten worden: Wie viele Schüler braucht es, um eine Klasse zu sein? 16 lautet derzeit die gesetzliche Regelung des Landes Baden-Württemberg. Dabei ist es egal, um welche Schulart es sich handelt.

Wird der ländliche Raum benachteiligt?

Von einer „unsäglichen Regelung“ spricht Kreishandwerksmeister Siegmund Bauknecht: Damit werde der ländliche Raum benachteiligt, da das Einzugsgebiet im Vergleich zu großen Städten kleiner sei. Bauknecht spricht sich daher für eine Klassenbildung ab zehn Schülern aus, eine Zahl, der sich in der anschließenden Abstimmungsrunde die meisten Parteimitglieder anschlossen.

Problem in den Köpfen der Eltern?

In der Publikumsrunde suchte man Antworten auf die Kernfrage, warum sich immer weniger Jugendliche für einen Ausbildungsberuf entschieden. Margarete Reiser, Bezirksvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung des Kreisverbands Sigmaringen, spricht von einem Imageproblem des Handwerks. Dem werde zwar mit kecken YouTube-Videos entgegengewirkt, doch bestehe das Problem nach wie vor in den Köpfen der Eltern, ergänzte Bürkle.

Schulleiter Steinhart gab zu bedenken, dass vielleicht auch ein Informationsdefizit zu einer vermeintlichen Unattraktivität der Ausbildungsberufe führe. Kreishandwerksmeister Bauknecht fühlt sich vor allem benachteiligt: das Handwerk gegenüber den universitären und hochschulischen Studiengängen, der ländliche Raum gegenüber der Stadt.

Wurstbrot bald ohne Wurst und Brot?

Nun also das Wurstbrot bald ohne Wurst und Brot? Als würden die Christdemokraten darum fürchten, aßen sie bei ihrem Parteitag noch einmal Wurstsalat (und Brot), als würden sie fortan von veganen Ersatzprodukten leben müssen.