Stefanie Lorenzstefanie.lorenz@suedkurier.de

Die Bürgermeisterwahl in Herdwangen-Schönach am Sonntag, 5. März 2023, und der damit verbundene Wechsel im Rathaus wirft ihre Schatten voraus. Bürgermeister Ralph Gerster hat derzeit alle Hände voll damit zu tun, die aktuellen Projekte und anstehenden Maßnahmen weiter voranzubringen und alles Nötige zu tun, damit er seinen Stellvertretern Peter Atzenhofer und Sebastian Blender eine gute Übergabe bieten kann, wie er schildert. „Mir ist es wichtig, die Punkte, die ich auf der Agenda habe, zu erledigen, damit die Bürgermeister-Stellvertreter nicht so stark in Anspruch genommen werden“, sagte er dem SÜDKURIER auf Nachfrage.

Noch keine Zeit für Wehmut

Gersters offiziell letzter Tag im Rathaus ist der Freitag, 13. Januar 2023, berichtet der 51-Jährige, an jenem Wochenende nimmt er noch Termine wahr. In der Woche darauf wird er nach Pfullendorf wechseln und dort die Nachfolge von Thomas Kugler antreten. Gerster hatte am 23. Oktober die Bürgermeisterwahl in Pfullendorf gewonnen. Auf die Frage, ob er schon Wehmut bezüglich seines Abschieds aus dem Herdwanger Rathaus empfinde, bekannte Ralph Gerster, dass dafür derzeit keine Zeit bleibe: „Der Tag sollte 36 statt 24 Stunden haben, damit ich alles erledigen kann, was ich mir vorgenommen habe.“

Wichtige Themen in trockene Tücher packen

Bei zwei Gemeinderatssitzungen am Dienstag, 6. Dezember, und Dienstag, 20. Dezember, wird Ralph Gerster noch mit dabei sein. Dabei möchte er, wenn möglich, auch wichtige Themen auf die Tagesordnung setzen, so der Bürgermeister. „Alles, was geht, soll in trockene Tücher gepackt werden“, betont Gerster. Zu seinen Stellvertretern, mit denen er ein gutes Verhältnis habe, hat er großes Vertrauen. „Wenn ich nicht da war, zum Beispiel im Urlaub, haben sie schon bewiesen, dass sie es gut schaffen“, sagt er. Dass alles reibungslos weiterlaufe, dafür werde auch die gut aufgestellte Verwaltung im Rathaus Sorge tragen, betont der Bürgermeister.

Wahl organisieren und gestalten

„Ich habe Ralph Gerster schon öfter vertreten. Dabei ging es natürlich bislang überwiegend um repräsentative Termine“, sagt Peter Atzenhofer, erster Bürgermeister-Stellvertreter. Jetzt stehen in der Vertretungsperiode ab Mitte Januar des neuen Jahres natürlich auch weitere Dinge an. So wird es etwa die Aufgabe von Peter Atzenhofer und dem zweiten Bürgermeisterstellvertreter Sebastian Blender sein, die Bürgermeisterwahl zu organisieren und zu gestalten. Beim am Freitag, 20. Januar, in Herdwangen-Schönach geplanten Neujahrsempfang steht dann nicht mehr Ralph Gerster, sondern einer seiner Stellvertreter auf der Bühne.

Ins Herdwanger Rathaus wird 2023 ein neuer Bürgermeister einziehen.
Ins Herdwanger Rathaus wird 2023 ein neuer Bürgermeister einziehen. | Bild: Mara Lucas

Dass sie sich der Aufgabe gewachsen fühlen, betonen Peter Atzenhofer und Sebastian Blender im Gespräch mit dem SÜDKURIER auf die Frage, ob ihnen bange sei bezüglich der Vertretung. Beide sind als Gemeinderäte gut informiert über aktuelle Themen. Derzeit geht es für die Stellvertreter zunächst darum, eine offizielle Verabschiedung des scheidenden Bürgermeisters zu organisieren. Über den Termin wird der Gemeinderat noch entscheiden.

Qualifizierte Kandidaten werden gewünscht

Was beiden am Herzen liegt, ist, dass sich jetzt bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 6. Februar 2023 gute und professionelle Kandidaten für das Amt finden. Deshalb hatten sie sich gemeinsam mit den übrigen Gemeinderäten dafür stark gemacht, dass der zunächst angedachte Termin für die Bürgermeisterwahl vom 5. Februar auf 6. März verschoben wird, damit die Bewerbungsfrist nicht schon zum ungünstigen Termin am 9. Januar, also direkt nach den Weihnachtsferien, endet.

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„Natürlich wünschen wir uns idealerweise einen Verwaltungsfachmann als neuen Bürgermeister“, antwortet Peter Atzenhofer auf die Frage, was ein Kandidat denn an Qualifikationen mitbringen solle. „Oder zumindest jemanden, der aus einer ähnlichen Fachrichtung kommt, wie zum Beispiel Betriebswirtschaft“, ergänzt Sebastian Blender.

Eine gute Führungspersönlichkeit für die Verwaltungsmannschaft

Besonders wünschenswert finden beide, dass ein potenzieller Bürgermeister Erfahrungen als Führungspersönlichkeit hat. „Man steigt als neuer Chef im Rathaus in eine Mitarbeiterstruktur ein, die schon lange vorhanden ist. Man darf nicht unterschätzen, wie wichtig ein gutes Händchen für Personalführung ist“, betont Atzenhofer. Insgesamt, so Sebastian Blender, belaufe sich die Verwaltungsmannschaft mit allen Bereichen in Herdwangen-Schönach auf 54 Mitarbeiter.

Gemeinderat ist offen für neue Ideen

Beide sagen volle Unterstützung des Gemeinderats für einen neuen Bürgermeister zu. „Jeder Bewerber kann sich auf ein Gemeinderatsteam freuen, das interessiert und innovativ ist sowie konstruktiv mitarbeitet. Hier ist eine gute Basis vorhanden“, sagt Peter Atzenhofer. Tatkräftig werde das Gremium den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Ralph Gerster unterstützen, bekräftigt Sebastian Blender. „Wenn ein Kandidat Gestaltungswillen hat, ist unser Gemeinderat auch offen für neue Ideen“, schildert Atzenhofer. Während einige Bürger sich einen Kandidaten direkt aus dem Ort wünschen, sehen die beiden das nicht als besonders wichtig an. „Woher ein Kandidat kommt, ist zweitrangig, wichtig ist seine Qualifikation“, meint Peter Atzenhofer.

Interessenten haben sich bislang noch nicht zu erkennen gegeben

Sehr schade finden die Stellvertreter, dass bei ihnen bislang noch kein potenzieller Kandidat seine Fühler ausgestreckt hat. „Uns hat noch niemand angesprochen und uns ist auch noch nichts bekannt, dass es schon konkrete Interessenten gibt“, sagt Blender. Das wird auch aus dem Rathaus bestätigt: Cornelia Fischer bekräftigte am vergangenen Donnerstag, dass bislang keine Bewerbungsunterlagen eingegangen seien. Die Stelle war am 11. November im Staatsanzeiger und am 19. November in der örtlichen Tagespresse ausgeschrieben worden.

Eine gut aufgestellte Gemeinde

Es bleibt aber ja noch jede Menge Zeit, um sich zu bewerben und beide sind zuversichtlich, dass sich qualifizierte Kandidaten finden werden. Die Gemeinde sei gut aufgestellt und seit Jahren schuldenfrei. „Das gibt einem künftigen Bürgermeister Spielraum beim Gestalten“, so Peter Atzenhofer. Einen weiteren Pluspunkt sehen die beiden im „eingespielten, gut funktionierenden Verwaltungsteam“, was sich unter anderem im am zweiten Jahr in Folge ausgeglichenen Doppik-Haushalt abbilde.

Attraktive Lage ist einer der Pluspunkte

Sebastian Blender nennt auch die Attraktivität der Gemeinde aufgrund ihrer Lage im Bodensee-Hinterland als gutes Argument dafür, hier Bürgermeister sein zu wollen. Ob Vielfalt der angesiedelten Unternehmen, gute Vereinsstruktur oder die etablierten Bildungseinrichtungen, wie Kindergärten und Grundschulen, – Herdwangen-Schönach habe viel zu bieten, werben Peter Atzenhofer und Sebastian Blender für ihre Heimat und hoffen, dass sich bald etwas tun wird in Sachen Bewerber.