Die dumpfen Töne von aufprallenden Bällen wechseln sich ab mit dem schrillen Quietschen von Sohlen auf dem Hallenboden. Dazwischen: lautes Lachen. Mehr als ein Vierteljahr lang war es mucksmäuschenstill in der Schänzlehalle, seit die Corona-Pandemie den Sport Mitte März lahmgelegt hat.

Seit einigen Tagen jedoch ist wieder Leben in der Sportarena am Seerhein. Die Schänzlehölle, wie sie wegen der heißblütigen HSG-Fans oft genannt wird, ist nun der Schänzlehimmel für die Akteure des Handball-Zweitligisten.

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„Es wurde Zeit, dass die Pause vorbei geht“, sagt Rückraumspieler Fynn Beckmann. Während des Lockdowns hat der 25-Jährige sich zuhause fitgehalten.

Laufen und Krafttraining waren jedoch nicht mehr als eine Notlösung. „Der Wettkampf mit den Jungs in der Halle hat komplett gefehlt“, sagt Beckmann, „und natürlich die Kameradschaft.“

Fynn Beckmann (links) hat die Kameradschaft vermisst, auch beim Athletiktraining mit Jessica Bregazzi (rechts).
Fynn Beckmann (links) hat die Kameradschaft vermisst, auch beim Athletiktraining mit Jessica Bregazzi (rechts). | Bild: Peter Pisa

Kontakt hatten die Konstanzer Handballer zehrend lange Wochen nur per Whatsapp, wie Trainer Daniel Eblen erklärt. „Die Jungs sind soweit im athletischen Bereich ausgebildet, dass sie wissen, wie sie sich individuell fithalten können“, fährt der 45-Jährige fort.

Hausaufgaben habe er während der Kurzarbeit nicht verteilt an seine Schützlinge, ergänzt er, doch als Leistungssportler hätten sie sich während der Zwangspause diszipliniert verhalten. „Ein Handwerker hat auch die Pflicht, auf sein Werkzeug zu achten, unser Werkzeug ist der Körper“, sagt Eblen.

Trainer Daniel Eblen.
Trainer Daniel Eblen. | Bild: Peter Pisa

Währenddessen schwitzen seine Spieler schon unter Anleitung von Athletiktrainerin Jessica Bregazzi. Seit dem 22. Juni ist sie dafür zuständig, die Spieler körperlich auf die kommende, harte Runde vorzubereiten.

Zunächst wurde in zwei Zehnergruppen trainiert. Zwar mit Ball, aber noch ohne Körperkontakt, wie Cheftrainer Daniel Eblen sagt. Er selbst hat die Auszeit genutzt, um die Spiele der abgebrochenen Saison zu analysieren, in der sein Team Rang 16 belegt hatte. Auch wenn er eigentlich nicht viel Luft dafür hatte. „Durch den Ausfall der Kinderbetreuung von heute auf morgen hatte ich plötzlich ganz andere Aufgaben“, sagt der dreifache Vater und ergänzt lachend: „Langweilig war es mir nicht.“

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Dann widmet der Konstanzer sich wieder der Erziehung seiner Spieler in der Halle und übernimmt das Training. Seit dem 1. Juli findet es fast wieder im üblichen Rahmen statt. Mit Ball, mit noch nicht vollem Körperkontakt, dafür aber mit der von Fynn Beckmann schmerzlich vermissten Kameradschaft.

„Schön“ sei es, dass wieder gemeinsam trainiert werden kann, sagt auch Linksaußen Fabian Schlaich: „Wunderbar.“ Zunächst machen er und seine Mannschaftskameraden einige Sprints.

Video: Feiertag, Ingo

Dann werden unter lautem Turnschuh-Quietschen Zweikämpfe geübt.

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Ehe die Torhüter eingeworfen werden.

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„Wir machen gerade viel mit dem Ball“, sagt Trainer Daniel Eblen, sodass die Spieler sich wieder an die „Nullachtfünfzehn-Bewegungen“ gewöhnen können, wie er es ausdrückt: „Richtungsänderungen, passen, werfen, springen“.

An diesem Abend stehen sogar einige spielnahe Trainingsformen auf dem Programm. Während die Außenspieler auf ein Tor werfen, üben auf der anderen Seite Rückraum und Kreis altbekannte Spielzüge wieder aufs Neue.

Video: Feiertag, Ingo

Am Ende gibt es noch ein Trainingsspiel.

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Bis Mitte Juli sehen die Einheiten beim Aufgalopp der HSG Konstanz noch so aus. Nach einer kurzen, einwöchigen Pause geht es dann richtig in die Vollen. „Wenn man so will, ist das gerade die Vorbereitung auf die Vorbereitung“, sagt Daniel Eblen.

Wegen des Abbruchs der Saison 2019/20 haben die Handballer in diesem Sommer mehr Zeit, um sich bis zum geplanten Neustart am 1. Oktober vorzubereiten. Das ist aber auch dringend nötig, wie Eblen erklärt. „Die kommende Saison wird eine besondere“, sagt er.

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Da es in der vergangenen Runde keine Absteiger gab und nur die HSG Krefeld, die keine Lizenz beantragt hatte, nicht mehr dabei ist, geht die 2. Bundesliga mit 19 Teams an den Start. Das bedeutet für die Konstanzer noch mehr Spiele und noch mehr Zeit auf der Autobahn für Auswärtsreisen.

36 statt 34 Spieltage, darunter einige unter der Woche oder zwischen Weihnachten, stehen im Kalender. Und auch die Aufsteiger aus den 3. Ligen, der Wilhelmshavener HV, der Dessau-Rosslauer HV, der TuS Fürstenfeldbruck und der TV Großwalllstadt, sind nicht gerade Leichtgewichte. „Das wird schon hart“, prophezeit HSG-Trainer Daniel Eblen.

Bild: Peter Pisa

Damit sie bestmöglich vorbereitet sind bis zum Neustart, schwitzen die Konstanzer Zweitliga-Handballer wieder mit viel Freude und Disziplin in den Trainingseinheiten am Schänzle.

Im nächsten Vierteljahr soll schließlich wieder jede Menge Leben in der Bude sein.