Wer Bilder dieser kleinen Hotel-Anlage mitten im Dschungel einer kleinen thailändischen Insel sieht, der muss in verzücktes Schwärmen geraten. Chefin dieser Anlage auf der Insel Koh Yao Noi ist die 36 Jahre alte Anita Ritter, die aus Pfullendorf stammt.

Die Hotelgäste können die Aussicht auf die Phang-Nga-Bucht genießen.
Die Hotelgäste können die Aussicht auf die Phang-Nga-Bucht genießen. | Bild: Bild: privat

Sie hat in ihrer asiatischen Wahlheimat nicht nur ein Luxus-Hotel geschaffen, sondern auch eines mit ganz außergewöhnlichen Besonderheiten. Denn es gibt weder einen Stromanschluss noch fließendes warmes Wasser, wie es bei einem solchen Hotel zu vermuten wäre.

Strom wird ausschließlich mittels Sonnenenergie gewonnen. „Unsere Preise bewegen sich zwischen 180 und 500 Euro pro Nacht, je nach Zimmerkategorie, und das, obwohl wir keine Minibar oder Wände haben“, schildert die junge Hotel-Chefin. Neben dem unmittelbaren Erleben der Natur sieht das Betriebskonzept auch nachhaltiges Wirtschaften vor. Es werde kein Plastik verwendet und benutztes Wasser werde für eine erneute Verwendung aufbereitet. Zudem würden biologisch abbaubare Seifen, Shampoos und Mosquito-Sprays aus eigener Herstellung verwendet. Außerdem würden alle Zutaten für die Speisen von der Insel kommen.

Geld mittels Kampagne gesammelt

Seit rund 18 Monaten ist die Hotelanlage in Betrieb und läuft nach Darstellung von Anita Ritter bisher auch wirtschaftlich gesehen gut. Bereits im Jahr 2013 hat die Unternehmerin mit Pfullendorfer Wurzeln mit ihrem ehemaligen Mann beschlossen, eine solche Hotel-Anlage zu verwirklichen. Sie bezeichnet diese als ihr „kleines Inselversteck“. Zur Finanzierung der Anlage wurde vor deren Bau 2014 eine Crowdfunding-Kampagne auf der deutschen Plattform Startnext gestartet, wie Anita Ritter gegenüber dem SÜDKURIER berichtet. Ihr Hotel-Projekt sei das erste gewesen, für das eine solche Kampagne erfolgreich beendet worden sei. „Wir haben so rund 40 000 Euro gesammelt, wofür unsere Unterstützer beispielsweise Übernachtungen oder Arrangements erworben haben oder einen Baum gepflanzt haben.

Anita Ritter hat in Ravensburg studiert und ist Diplom-Betriebswirtin.
Anita Ritter hat in Ravensburg studiert und ist Diplom-Betriebswirtin. | Bild: Bild: privat

Unter den Unterstützern waren viele Pfullendorfer und das finde ich super. So habe ich ein Stück Heimat hier bei mir“, schildert sie. „Hinzufügen muss ich, dass ich dies alleine sicher nicht finanziell hätte stemmen können. Mein Ex-Mann hat unserem Unternehmen einen Kredit gegeben, den wir in Deutschland aufgenommen haben. Und meine Eltern haben uns sehr unterstützt.“ Das Hotelprojekt würde es ohne sie wohl nicht geben, ergänzt sie.

„Es war nicht ganz günstig hier zu bauen, insbesondere weil wir alles in Handarbeit gefertigt haben und keine befestigte Straßen hatten, um Baumaterial zu transportieren und auch keine großen Geräte aufstellen konnten, sonst hätten wir Bäume fällen müssen. Stattdessen haben wir alle Fundamente mit viel Schweiß und Schaufeln gegraben.“

Bild: Schönlein, Ute

Derzeit beschäftigt Anita Ritter zehn Mitarbeiter, die alle von der Insel stammen, auf der ihr Hotel steht. „Einige davon gehen parallel auf dem Festland studieren. Wir haben also unsere eigene kleine duale Ausbildung,“ schildert sie. Daneben arbeitet zurzeit bei ihr ein deutscher Student, der an der Hochschule Heilbronn Hotelmanagement studiert und in Thailand jetzt Praxiserfahrungen sammelt.

Gäste wollen abschalten

Von den vier Baumhaus-Villen, die mitten im Dschungel liegen, können die Gäste auf die Phang Nga-Bucht blicken. Die meisten Gäste seien Paare, die für ihre Flitterwochen buchen würden, daneben kämen gestresste Manager oder reichere Rucksack-Reisende. „Manchmal buchen auch einfache Hausfrauen, die sich etwas leisten möchten oder frische Rentner, die sich ihren Kindheitstraum in einem Baumhaus erfüllen möchten“. 70 Prozent ihrer Gäste würden den Aufenthalt als Abenteuer ansehen.

Zu den Motiven ihrer Gäste sagt Anita Ritter: „Sie wollen oft abschalten.“ Damit meint sie eine digitale Auszeit – denn in ihrem Hotel gibt es weder einen Internet-Zugang noch Telefon. Das Naturerlebnis stehe im Vordergrund, neben der Absicht, sich selber zu finden. Aber auch Romantik stecke hinter einigen Buchungen, um beispielsweise die Liebe neu entfachen zu können.

Die Diplom-Betriebswirtin hat zwei Kinder: „Meine Tochter Faye ist nun 4,5 Jahre und mein Sohn Raimi 15 Monate alt. Meine Tochter geht in den öffentlichen Kindergarten unserer Insel und spricht vier Sprachen fließend“. Im nächsten Jahr stehe der Besuch der Grundschule an, diese werde ihre Tochter voraussichtlich auf dem Festland besuchen, wo sie auf Englisch, Deutsch und Thai unterrichtet und einen internationalen Abschluss erlangen werde.

Finanzierung und Ausbildung

Wir erklären hier, was hinter Crowdfunding steht und welche Ausbildung Anita Ritter absolviert hat:

Crowdfunding ist eine Form der Finanzierung („funding“) durch eine Menge („crowd“) von Internet-Nutzern. Zur Spende oder Beteiligung wird über persönliche Homepages, professionelle Websites und spezielle Plattformen aufgerufen, so die Definition im Gabler-Wirtschaftslexikon. Künstler, Aktivisten, Veranstalter und Unternehmer stellen im Rahmen des Crowdfundings ihre Projekte dar und nennen die benötigte Summe sowie die erwartbare Gegenleistung für die Benutzer. Diese werden über Social Networks, Blogs, Microblogs und andere Kanäle aufmerksam. Wenn innerhalb einer bestimmten Zeit die angegebene Summe erreicht wird, fließt das Geld an die Initianten, und die Idee wird umgesetzt.

„Meinen Lieblingsstudiengang ‚LifeSciences’ gab es damals nur an zwei Unis und so machte ich ein BA-Studium in Tourismus und Hotellerie an der Dualen Hochschule in Ravensburg, in Kooperation mit dem Flair Hotel Adler in Pfullendorf. Wenn man Familienbetriebe in der Hotellerie kennt, dann sind die Arbeitszeiten lang und man bekommt viel Verantwortung. Das schlauchte sehr und dennoch schloss ich mein Diplom für das Betriebswirtschaftsstudium mit einer Eins ab. Im Nachhinein bin ich sehr froh, so viel gelernt zu haben und auch zu wissen, was es heißt, sehr hart zu arbeiten“, schildert Anita Ritter. Ihr Vater hatte sich einst in Pfullendorf mit der Gärtnerei am Wasserturm selbstständig gemacht, weshalb die Familie in die Linzgaustadt gezogen war.