Im ehemaligen Müller-Markt in der Oberstadt herrschte am Samstagabend ungewöhnliche Aktivität: Zugunsten der Kinder- und Jugendkunstschule fand eine Versteigerung von Kunstwerken statt, die bis aus Spanien nach Pfullendorf gespendet wurden. Till Schilling, Leiter der Kunstschule, hatte mit Auktionator Carlo Karrenbauer aus Konstanz einen der renommiertesten Spezialisten seines Fachs für die Sache begeistern können. Mit einem Erlös von 3250 Euro kann sich die Auktion durchaus sehen lassen. „Es hätte aber durchaus mehr sein können. Denn hier waren Werke dabei, die auch einige tausend Euro bringen können“, machte der Auktionator im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich. Doch solche Summen waren in Pfullendorf nicht zu erzielen. So mancher Künstler war dann auch enttäuscht, wenn sein Werk zu einem geringen Preis oder auch gar nicht wegging.

Karrenbauer ist Kunsthistoriker, hat auch Psychologie studiert und ist seit 33 Jahren offiziell bestellter Auktionator. Erst kürzlich hat der 78-Jährige in Konstanz eine Ordenssammlung versteigert, bei der für einen einzigen Orden 19 000 Euro bezahlt wurden. „So etwas ist keine Seltenheit“, sagt der Mann mit dem kleinen Holzhammer, den er dann mit einem kurzen Schlag aufs Rednerpult sausen lässt, wenn er einen Zuschlag erteilt. Dunkle Hose, graues Jackett, Hemd in Rosé mit bunte Krawatte und natürlich ein Einstecktuch: Karrenbauer ist ein seriöser Auktionator, dem man die Erfahrung anmerkt. Normalerweise bekommt er bei erfolgreicher Versteigerung eine Provision von 23 Prozent. In Pfullendorf macht er seinen Job kostenlos. „Solche Aktionen muss man unterstützen“, sagt er und erläutert das nächste Werk, das unter den Hammer kommen soll.

Margot Bauers „Hauptstraße Pfullendorf“ wechselt für 70 Euro den Besitzer. „Na, da ist schon der Rahmen viel mehr Wert“, stellte der Auktionator mit einem kritischen Blick ins Publikum fest. Den wird er am Samstagabend noch öfter brauchen. Denn die Kauffreude lässt zu wünschen übrig und eigentlich gehen alle ersteigerten Kunstwerke deutlich unter Preis weg. Und etliche gar nicht. „Die kommen in den freien Verkauf“, machte Till Schilling deutlich.

Jochen Schilling ersteigerte gleich mehrere Werke und will sie aufhängen.
Jochen Schilling ersteigerte gleich mehrere Werke und will sie aufhängen. | Bild: Fahlbusch
Wer bieten wollte, der musste die Hand heben. Auktionator Karrenbauer hätte da gerne mehr Hände gesehen. Er lobte die Qualität der angebotenen Kunstwerke.
Wer bieten wollte, der musste die Hand heben. Auktionator Karrenbauer hätte da gerne mehr Hände gesehen. Er lobte die Qualität der angebotenen Kunstwerke. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

„Versteigerung, das bedeutet nicht Verbilligung. Auch wenn die Schwaben das gerne so hätten“, sagt der Auktionator. Wenn etwas mit dem Startpreis von 15 Euro angeboten wird, dann muss das seiner Meinung nach „einen Schwaben doch so richtig hochreißen.“ Doch auch der ätzende Hinweis ändert nichts an der Tatsache, dass das entsprechende Werk dann für 30 Euro weggeht. Mit tatkräftiger Unterstützung durch die Kunsthistorikerin Katharina Wetzel und Künstlerin Christine Göpfert versucht er sein Bestes. 300 Euro bringt ein Fotodruck auf Leinwand von Till Schilling. Den ersteigert dessen Vater Jochen. Der 78-Jährige bringt noch mehr Kunstwerke in seinen Besitz. Auch eine Raku-Kunsttöpferei von Asgar Khosnavaz. Als der sie ihm dann überreichen will, spricht Schilling von „einem schlechten Gewissen“. Das herrliche Stück sei doch locker 1000 Euro wert. 220 Euro hat er jetzt dafür bezahlt. Immerhin 450 Euro musste Friedbert Knappe aus Göggingen für ein Landschaftsbild auf den Tisch legen, in das er sich verliebt hatte.

Auktion

Mit dem Erlös soll die Kinder- und Jugendkunstschule Pfullendorf unterstützt werden, die das kulturelle Angebot für Kinder und Jugendliche in Pfullendorf erweitern will. Der Auktionskatalog kann unter www.kunstschulepfullendorf.de eingesehen werden. Nicht versteigerte Objekte können auf Verhandlungsbasis erworben werden.