Diese Beschläge sollten nach der historischen „Karlstüre“ in Aachen gefertigt werden. Am frühen Sonntagnachmittag war Armin Lechner, einer der Metallbearbeiter, ganz zuversichtlich, die beiden Beschläge noch vor dem Abend anbringen zu können. Die beiden Museums-Schmiede Johannes Wolff und Thilo Olschweski hatten an diesen Tagen tatkräftige Unterstützung von vier Schmiedekollegen der Telchinen-Schmiede aus dem bayerischen Ichenhausen und einem sachkundigen Amateurschmied aus Köln.

Beschläge dienen nur der Verzierung

Diese Beschläge haben eine Besonderheit. Darauf wies Johannes Wolff hin: „Die Beschläge sind für die Funktion der Tür eigentlich überhaupt nicht notwendig. Sie dienen nur der Zierde für eine Eingangstür zu einem Gotteshaus.“ Als Vorbild für diese Türverzierung haben sich die Campus-Galli-Fachleute für die „Karlstüre“ in Aachen entschieden. Anhand von Fotografien des Originals tasteten sich die Schmiede vor, um möglichst viel Ähnlichkeit mit den Aachener Vorbildern zu bekommen.

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Keine originalgetreue Umsetzung mit der CNC-Maschine möglich

Dabei zeigt sich, dass selbst heute längst nicht alles von Maschinen erledigt werden kann. Wolff erläuterte das an einem Beispiel so: „Selbst wenn wir eine CNC-Maschine mit den Daten der Beschläge für uns arbeiten ließen, sähe selbst der Laie sofort, dass es sich um eine moderne Replik handelt.“ Das Maschinenergebnis wäre viel zu glatt, viel zu perfekt. Dazu kommen noch handwerkliche Besonderheiten, die selbst die elektronisch gesteuerte Computermaschine nicht originalgetreu umsetzen könne. Zum mittelalterlichen Eindruck trägt außerdem die Natur bei. Im Laufe der Jahre sorgten Rostspuren für die entsprechende Patina. Rostschutz wie heute gab es damals nicht. Nur eine Goldauflage könnte das Eisen schützen.

Eisenbearbeitung in einer überdachten Erdkuhle

Die Eisenbearbeitung auf der Mittelalterbaustelle findet in einer ausgehobenen und überdachten Erdkuhle statt. Das hat nicht nur den Vorteil, dass die am Rand stehenden Besucher die Arbeiten fast aus der Vogelperspektive mitverfolgen können. Auch bei der Hitze kommt die Physik den Eisenformern zu Hilfe. In der Erdgrube ist es nämlich trotz des Schmiedefeuers deutlich kühler als oben bei den Zuschauern. Armin Lechner: „Das liegt daran, dass die Hitze durch das Kamin nach oben entweichen kann.“ Wie sehr menschliche Arbeitskraft vor 1200 Jahren zum absoluten Muss eines Baustellenalltags gehörte, musste Rainer Kraus erfahren. Eigentlich sollte er nur mit seiner Kamera den Arbeitseinsatz der vier Gastschmiede dokumentieren. Doch schließlich fand sich Fotograf hinter dem Blasbalg wieder. Sobald das Schmiedefeuer zu erlöschen drohte, war Kraus gefordert, mit einem oder mehreren Luftstößen den kleinen Flammen wieder zu neuem Leben zu verhelfen.

Besucher sind von der Vorführung begeistert

Bei den Besuchern fand die mittelalterliche Eisenbearbeitung reges Interesse. Viele Fragen wurden gestellt. Die Mitarbeiter in der Schmiedegrube antworteten freundlich und ausführlich. Besonders intensiv wurden die Besucher-Akteure-Dialoge, wenn modern ausgebildete Besucher Fachfragen zu Details stellten.

Corona verhindert, dass Schmiede länger auf der Baustelle bleiben können

Eigentlich war ein viel größeres Engagement der Gastschmiede geplant. Wie Armin Lechner im SÜDKURIER-Gespräch erzählt, wollte die Crew zwei Wochen lang auf der Baustelle bleiben, um von der Verhüttung bis zum fertigen Schmiedeprodukt alles aus einer Hand nach mittelalterlichem Vorbild selbst zu produzieren. Mit erkennbarem Bedauern macht der Handwerker die Corona-Viren dafür verantwortlich, dass diese Pläne nicht verwirklicht werden können. „Wir sind aber jederzeit bereit, wieder nach Meßkirch zu kommen, wenn wir hier gebraucht werden“, versprach Lechner.