Keine akute Gefahr, aber möglicherweise eine bedenkliche Entwicklung – auf diesen Nenner lassen sich die Reaktionen bringen auf die Frage, ob die Wasservorkommen im Donautal und das Grundwasser weiterhin als zuverlässige Trinkwasserlieferanten dienen können.

Ein mögliches erstes Anzeichen beobachtet Leibertinges Bürgermeister Armin Reitze jetzt bereits im zweiten Jahr. Reitze ist auch Vorsitzender des Wasserzweckverbandes "Heuberg-Wasserversorgung rechts der Donau". Er sagt: "Wir bekommen das Quellwasser aus der Großschmiedebrunnenquelle über eine Freispiegelleitung." Das bedeutet, dass die Zuleitung zur Heubergwasserversorgung in der Quellstube so hoch gefasst ist, dass das Wasser normalerweise ohne Pumpaufwand ins Wasserwerk Langenbrunn fließt. Seit zwei Jahren ist das anders.

Seit mehreren Jahren ist auch der Wasserzweckverband "Hohenberg-Gruppe" an das Wasservorkommen im Großschmiedebrunnen angeschlossen. "Die Hohenberger entnehmen das Wasser an einer tieferen Stelle als wir", sagt Bürgermeister Reitze. Der Notfall sei vertraglich geregelt: Wenn die Schüttung der Wasserquelle so weit zurück geht, dass die Freispiegelleitung der Heubergwasserversorgung nicht mehr bedient werden kann, muss die Hohenberg-Gruppe pumpen. Sie ist dann verpflichtet, aus tieferen Bereichen der Quelle eine Mindestmenge nach oben zu pumpen, damit die Freispiegelleitung nach Langenbrunn wieder funktioniert. Diese Situation war bis vor zwei Jahren, so Armin Reitze, noch nie eingetreten. Seit 2015 nun aber bereits zum zweiten Mal. "Ob diese Situation eine Ausnahme oder einen Trend darstellt, kann ich nicht sagen", sagt er. Besonders nachdenklich mache ihn der Zeitpunkt des Wasserrückgangs: Anfang Januar und nicht etwa in einem trockenen Hochsommer.

Im Landratsamt Sigmaringen ist Adrian Schiefer für Quellschüttungen und Grundwasserpegel zuständig. Der Fachbereichsleiter Umwelt- und Arbeitsschutz verweist darauf, dass die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) das Phänomen rückläufiger Quellschüttungen und Grundwasserstände beobacht. Er zitiert die LUBW-Präsidenten Margareta Barth, wonach es seit 30 Jahren zur Jahreswende in ganz Baden-Württemberg eine vergleichbar ausgeprägte Niedrigwassersituation gegeben habe. Entsprechend intensive Regenfälle zum Ausgleich der Wasserdefizite sind nicht zu erwarten. Barth stellt auf der Homepage der LUBW fest: "Die aktuelle Grundwassersituation ist vor diesem Hintergrund als außergewöhnlich und kritisch einzustufen."

Für den Landkreis Sigmaringen rechnet Adrian Schiefer aber nicht mit Problemen für die Trinkwasserversorgung. Lediglich im Hochsommer seien kurzfristige Engpässe möglich. Die Wasserversorger seien miteinander leitungstechnisch vernetzt, verfügten über Reservequellen oder hätten Anschlüsse an die Bodenseewasserversorgung.


Der Wasserstand

Die Grundwasserspiegel, so das Landratsamt Sigmaringen, zeigten bei den Wasserentnahmestellen im Donautal ein unterschiedliches Verhalten. Teilweise sei ein absteigender Trend bei der Grundwasserganglinie zu verzeichnen, beispielsweise in Beuron, teilweise zeigten die Grundwasserniveaus keine Auffälligkeiten zu früheren Jahren, beispielsweise in Sigmaringen. Über den gesamten Landkreis verteilt sind bei einigen Wasserversorgern bereichsweise niedrige Grundwasserstände vorhanden, zum Beispiel im Laucherttal. Im Andelsbachtal, in Pfullendorf und in Wald seien keine Auffälligkeiten festzustellen. Als Grund für die Rückgänge sehen die Fachleute das trockene Jahr 2016, Adrian Schiefer: "Insgesamt ist die Situation im Kreis als inhomogen einzustufen." 

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