Der Stadtausgang in Richtung Heudorf verändert sich. Kein Wunder. Hier entsteht der Ersatzneubau für das Conrad-Gröber-Haus, das neue Altenhilfezentrum des Caritasverbandes Sigmaringen. Aber auch sonst wird sich viel verändern. Die Sozialstation St. Heimerad wird vom Herz-Jesu-Heim in den Neubau verlegt und auch der Caritassozialdienst wird von hier aus seiner Arbeit nachgehen. Ebenso sollen im Neubau auch Angebote der Kurzzeit- und Tagespflege geschaffen werden.

Plätze für Kurzzeitpflege sind Mangelware

Romana Weißenbach, Alfred Kellhofer, Rosenarie Götz, Helmut Nagel, Evelin Lehmann und Maria von Köding (von links) sind bester Laune und freuen sich auf den Neubau. Die Arbeiten werden von den Senioren aufmerksam verfolgt.
Romana Weißenbach, Alfred Kellhofer, Rosenarie Götz, Helmut Nagel, Evelin Lehmann und Maria von Köding (von links) sind bester Laune und freuen sich auf den Neubau. Die Arbeiten werden von den Senioren aufmerksam verfolgt. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

"Die Nachfrage ist enorm", sagt Evelin Lehmann. Sie ist die Heim- und Pflegedienstleiterin im Gröber-Haus und erzählt von oftmals mehreren Anfragen pro Tag wegen Kurzzeitpflege. "Dabei geht es meistens nicht um die Urlaubsplanung, sondern um ganz dringende Fälle", erzählt sie. Das Problem: Plätze für Kurzzeitpflege sind Mangelware und meistens im normalen Heimbetrieb eingestreut. Es werden also reguläre Betten für Kurzzeitpflege genutzt, wenn sie frei sind. Der Caritasverband denkt darüber nach, in Zukunft sogenannte ausgewiesene Kurzzeitpflegeplätze einzurichten. "Die sind nur für dieses Angebot angedacht und werden nicht für die regulären Heimbewohner eingesetzt", erläutert Romana Weißenbach. Sie ist in enger Zusammenarbeit mit Evelin Lehmann die Projektverantwortliche für die inhaltliche Arbeit im neuen Caritas-Zentrum.

Investitionssumme liegt bei über neun Millionen Euro

Solche neue Angebote müssen aber auch finanziert und das Personal muss ständig vorgehalten werden. Auch wenn keine Belegung stattfindet. "Ganz einfach wird die Sache nicht", ist Weißenbach überzeugt. "Wir sind da in guten Gesprächen, eine endgültige Entscheidung, was die Anzahl der Plätze anbelangt, ist allerdings noch nicht gefallen", sagt Alexander Sperl. Der Jurist ist Geschäftsführer des Caritasverbandes Sigmaringen und das Haus in Meßkirch ist derzeit seine größte Baustelle. Immerhin geht es um über neun Millionen Euro.

Umzug ist zum Jahresbeginn 2020 geplant

Derzeit sind die Arbeiten einigermaßen im Zeitrahmen, viel wird auch von der Wetterentwicklung in den nächsten Wochen abhängen. Es ist vorgesehen, die Bauarbeiten bis Ende des Jahres 2019 abzuschließen, je nach Entwicklung kann das allerdings auch Anfang des Jahres 2020 sein. „Der Umzug für die Bewohnerinnen und Bewohner wird dann zu Beginn des neuen Jahres stattfinden können. Selbstverständlich werden wir Angehörige und Bewohner rechtzeitig informieren, wenn es soweit ist“, sagt Weißenbach.

Im Ersatzneubau gibt es nur noch Einzelzimmer

Dann wird es für die jetzigen Bewohner ernst. Es stehen Veränderungen an. Die Heimbauverordnung des Landes Baden-Württemberg schreibt vor, dass Heime ausschließlich Einzelzimmer haben. Bislang werden überwiegend nur Doppelzimmer angeboten. "Für mich ist das nicht so toll", sagt Maria von Köding. Die 87-Jährige wohnt seit 2014 im Gröber-Haus und hat sich an ihre Mitbewohnerin gewöhnt. Sie ist nicht gern allein. "Ich brauche jemand, mit dem ich immer schwätzen kann", sagt sie und fügt hinzu: "Mir schwätzet Badisch." Außerdem hat sie Angst, dass sie nicht um Hilfe rufen kann, wenn das notwendig sein sollte.

"Da kann man dann immer machen, was man will"

Noch steht der überwiegende Teile vom alten Conrad-Gröber-Haus, das derzeit voll belegt ist. Bislang gibt es dort nur Doppelzimmer. Mit dem Neubau wird sich das ändern.
Noch steht der überwiegende Teile vom alten Conrad-Gröber-Haus, das derzeit voll belegt ist. Bislang gibt es dort nur Doppelzimmer. Mit dem Neubau wird sich das ändern. | Bild: Guenther Brender

Alfred Kellhofer dagegen freut sich auf sein Einzelzimmer. "Das hätte ich schon lange genommen, wenn es das gäbe", macht er seinen Standpunkt deutlich. Der 89-Jährige kommt ursprünglich aus Schwandorf und war in der Landwirtschaft tätig. Rosemarie Götz ist 89 Jahre alt und kam nur zur Kurzzeitpflege von Bad Saulgau nach Meßkirch. "Mir hat es so gut gefallen, dass ich gleich hiergeblieben bin", sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht, wenn das Stichwort Einzelzimmer fällt und fügt hinzu: "Ich freue mich richtig." Der 77-Jährige Helmut Nagel kannte das Haus schon lange bevor er hier eingezogen ist. "Meine Mutter war schon hier", sagt der ehemalige Pfullendorfer. Und da hat er sie oft besucht. Für ihn war dann klar, dass er auch hier seinen Lebensabend verbringen will. Und das macht er auch seit 2014. Einzelzimmer findet er gut. "Da kann man dann immer machen, was man will", sagt er.

Bewohner nehmen Baustellenlärm in Kauf

Einig sind sich alle vier Gesprächspartner, dass das mit dem Baulärm gar nicht so schlimm sei. Mal etwas Lärm, das macht Alfred Kellhofer nichts aus. Bevor er 2016 nach Meßkirch kam, war er in Freiburg mehrere Wochen in einem Krankenhaus. "Da wurde auch gebaut und von morgens bis in die Nacht war da Krach", erinnert er sich. Aber das sei halt so auf Baustellen. "Im Sommer haben unsere Bewohner immer mal wieder geschaut, was sich tut", erzählen Romana Weißenbach und Evelin Lehmann. Und das sei für viele sehr interessant gewesen. Dass schon seit einigen Monaten das Mittagessen aus der Zentralküche in Ostrach kommt und nicht mehr in Meßkirch gekocht wird, das ist kaum jemand aufgefallen. "Die Torten sind immer noch prima", sagt Maria von Köding.

Die neuen Zimmer haben Internetanschluss

Im neuen Haus wird es vier Wohngruppen mit jeweils 15 Plätzen geben, darunter dann auch einige für Kurzzeitpflege. Darüber hinaus werden noch zwölf Plätze für die Tagespflege geschaffen. Alles bedeutet eine Umstellung für die Bewohner. "Aber des packet mir", sagt Alfred Kellhofer. Man müsse halt flexibel sein. Mit 89 Jahren? "Warum nicht?", fragt er zurück. Ob er sich einen Laptop anschaffen wird, das glaubt er nicht. Aber vielleicht kommt er ja noch auf den Geschmack. Denn im neuen Gebäude haben die Zimmer Internetanschluss. "Wir bauen ja schließlich für die Zukunft", sagt die Projektverantwortliche. Und dass Senioren mit der modernen Technik vertraut sind, das sei ja heutzutage nichts Besonderes mehr.

Alexander Sperl ist seit 1997 beim Caritasverband beschäftigt. 2009 hat er den Geschäftsführer-Posten beim Caritasverbandes Sigmaringen übernommen.

Alexander Sperl
Alexander Sperl | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

 

Herr Sperl, wie finanziert man ein solches Projekt?

Die Realisierung der Baumaßnahme in Meßkirch geschieht überwiegend aus Mitteln, die wir auf dem ganz normalen Kapitalmarkt aufnehmen müssen. Wir sind aber auch sehr dankbar, dass wir vom Erzbistum Freiburg rund 700 000 Euro aus Kirchensteuermitteln erhalten werden.Wir arbeiten mit regionalen Kreditinstituten zusammen. Im Übrigen sind wir auch bei der Auftragsvergabe sehr bemüht, wenn irgendmöglich Firmen aus der Region zu berücksichtigen. Das ist uns bislang auch ganz gut gelungen, was sehr erfreulich ist.

Bekommen Sie auch noch andere Zuwendungen?

Für unseren Neubau erhalten wir für die vollstationären Plätze insgesamt 260 000 Euro von der Deutschen Fernsehlotterie. Desweiteren haben wir vor einigen Jahren ein Projekt mit dem Titel „zukünftige Weiterentwicklung der katholischen Altenhilfe beim Caritasverband im Landkreis Sigmaringen e.V.“ auf den Weg gebracht, bei dem der Neubau unseres Altenhilfezentrums in Meßkirch ein besonderer Schwerpunkt ist. Dieses Projekt wird von unserer Mitarbeiterin Romana Weißenbach verantwortlich geleitet, wir erhalten hier über einen Zeitraum von drei Jahren einen Zuschuss in Höhe von beinahe 150 000 Euro. Für diese besonderen Zuwendungen sind wir sehr dankbar.

Was ist ihr größeres Problem, die Finanzierung oder der Fachkräftemangel?

Beides muss man getrennt betrachten. Bis eine Finanzierung in einem so großen Rahmen steht, bedarf es vieler Gespräche und vieler Abstimmungen und Genehmigungen, aber dann steht sie. Der Fachkräftemangel dagegen ist ein Problem, das uns in den nächsten Jahren permanent begleiten wird, hier ist zum einen die Politik gefragt, aber natürlich auch die Kreativität der Einrichtungsträger.

Fragen: Karlheinz Fahlbusch

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