Der Tiefbrunnen Altheim wird aus dem Versorgungsnetz der Gemeinde Leibertingen herausgenommen und auf Stand-by-Betrieb gesetzt. Das beschloss in dieser Woche der Gemeinderat einstimmig. Der Hauptgrund für die Entscheidung ist, dass mit zunehmender Gebrauchsdauer der 1,2 Kilometer langen Zuleitung zum Hochbehälter die Zahl von Rohrbrüchen ansteigen wird. Außerdem spiele die Quelle mit einer jährlichen Schüttung von rund 10 000 Kubikmeter für die Versorgung der Gemeinde Leibertingen nur eine geringe Rolle.

Die von Armin Reitze vorgetragenen wirtschaftlichen Gründe für die Stilllegung des Tiefbrunnens sehen so aus. Die Zuleitung ist aus Sicht der Verwaltung am Ende ihrer technischen Lebensdauer angekommen. Reitze: "In den letzten Jahren gab es zwei Rohrbrüche, ein weiterer Rohrbruch wurde in den vergangenen Sommerferien festgestellt." Die Reparatur dieser Leitungsstörungen kostet nach Angaben des Bürgermeisters jeweils zwischen 2000 und 5000 Euro. Er befürchtet, dass sich die Zahl der Rohrbrüche in den nächsten Jahren häufen wird.

Die Alternative, die Leitung neu zu verlegen, ist ebenfalls eine Kostenfrage. Der Rathauschef rechnete vor: "Selbst bei Baukosten von nur 100 000 Euro, einer angenommenen Jahresproduktion von 10 000 Kubikmeter Trinkwasser und einer Abschreibungsdauer von 50 Jahren wurde das den Wasserpreis um 20 Cent pro Kubikmeter erhöhen." Dazu kämen noch Sanierungsaufwendungen. Unter anderem müsste die Richtfunkanlageanbindung des Tiefbrunnens zum Hochbehälter erneuert werden. Sie sei, so beschrieb es Reitze, störanfällig und erfordere bereits jetzt häufigere Reparatureinsätze.

Der Tiefbrunnen Altheim, hier ein Blick auf das Brunnenhaus zwischen Altheim und der B 311, soll in Zukunft nur noch im Stand-by-Betrieb als Reservebrunnen geführt werden
Der Tiefbrunnen Altheim, hier ein Blick auf das Brunnenhaus zwischen Altheim und der B 311, soll in Zukunft nur noch im Stand-by-Betrieb als Reservebrunnen geführt werden | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Außerdem stehe in Kürze der kostenaufwendige Austausch der UV-Strahler für die Desinfektion des Trinkwassers an. Dazu kommt noch aus Sicht der Verwaltung, dass der Tiefbrunnen mit Grundwasser aus relativ geringer Tiefe gespeist wird und sich die Entnahmestelle in der Nachbarschaft einer Doline befindet. Reitze: "Damit ist der Brunnen gegenüber von Einflüssen von außen relativ störanfällig."

Die Gemeinde kann allerdings nicht selbstständig über die Herausnahme eines Brunnens aus der Wasserversorgung entscheiden. Die Wasserwirtschaftsverwaltung im Landratsamt hat nach Angaben Reitzes nichts gegen die Herausnahme des Tiefbrunnens aus der Wasserversorgung. Die Sigmaringer Fachbeamten schlagen jedoch vor, den Brunnen durch regelmäßiges Pumpen für den Notfall einsatzfähig zu halten. Dieses Bereithalten bezeichnete Armin Reitze als "Stand-by-Betrieb". Die Diskussion im Gemeinderat drehte sich unter anderem auch darum, ob dieser Stand-by-Betrieb wirklich sinnvoll sei oder ob die Anlage nicht gleich "komplett platt gemacht" werden sollte. Der Bürgermeister setzte sich allerdings mit seiner Einschätzung durch, dass es durchaus sinnvoll sei, für mögliche Notfälle eine, wenn auch kleine, Reserve in der Hinterhand zu haben.

Die Versorgungssicherheit von Altheim ist auch nach der teilweisen Stilllegung des Tiefbrunnens gegeben. Armin Reitze, der auch Vorsitzender des Zweckverbandes Heuberg-Wasserversorgung ist, verwies darauf, dass ohnehin die Gemeinde im Wesentlichen vom Zweckverband mit Trinkwasser versorgt werde.

Altheims Ortsvorsteher Helmut Straub beklagte, dass im Vorfeld der Entscheidung zur teilweisen Brunnenstilllegung der Ortschaftsrat nicht gehört worden sei. Armin Reitze begründete seine Entscheidung, den Ortschaftsrat nicht zu beteiligen, mit dem Hinweis, dass es sich um eine Frage der Gesamtgemeinde handle.

Der Brunnen

Vom Tiefbrunnen Altheim aus wird neben Altheim auch der Sauldorfer Ortsteil Hölzle mit Trinkwasser versorgt. Schon bislang reichte die geförderte Menge nicht zur Versorgung der beiden kleinen Ortschaften aus. Aus dem Tiefbrunnen wurden in den vergangenen zehn Jahren jährlich zwischen 8500 und 12 500 Kubikmeter gefördert. Verbraucht wurden in Altheim und Hölzle aber zwischen 13 000 und 15 000 Kubikmeter. Zwischen 2010 und 2016 ergaben sich durchschnittliche Gestehungskosten für den Kubikmeter Trinkwasser aus dem Tiefbrunnen von 93 Cent. Die Heuberg-Wasserversorgung verzeichnete für ihr Trinkwasser aus dem Donautal nach Verwaltungsangaben im gleichen Zeitraum durchschnittlich 58 Cent. (hps)

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