In unserem Leben sind wir Menschen viel unterwegs. Viele Wege laufen wir immer wieder und manche Wege müssen wir nur einmal im Leben gehen. Viele Wege im Leben sind uns ins Fleisch übergegangen und wir müssen uns nicht auf den Weg konzentrieren, sondern haben unseren Kopf frei für unsere Gedanken. Aber auch wenn man einen Weg schon hundert Mal gegangen ist, ist er trotzdem niemals derselbe. Denn jeden Tag verändern wir uns durch Erfahrungen, Schicksalsschläge, Krankheit und Tod – somit wird jeder Weg einmalig.

Auch die zwei Jünger, die unterwegs sind nach Emmaus, kennen ihren Weg durch und durch, aber dieser Weg war durch die Erfahrungen mit Jesus in Jerusalem nicht mehr der gleiche. Die zwei Jünger waren ohne Hoffnung, denn ihre Hoffnung ist am Kreuz gestorben. In ihrer Trauer und Angst reden sie miteinander über die Dinge, die dort geschehen sind. Sie bemerken gar nicht, dass der bekannte Weg zu einem persönlichen Kreuzweg wird. Plötzlich und unerwartet wird ihr Weg von Jesus von Nazareth, dem Auferstandenen, durchkreuzt. Er wird zu ihrem Wegbegleiter und fragt sie: Wo ist eure Hoffnung geblieben? Voller Trauer sagen sie zu ihm: Bist Du so fremd, dass Du das von Jesus von Nazareth nicht weißt? Und so erzählen sie ihrem Weggefährten, was sie erlebt haben in Jerusalem, bis sie das Dorf erreichen. Sie bitten ihn bei ihnen zu bleiben, denn der Tag hat sich schon geneigt. Die Jünger waren nicht nur am Ende ihres Weges angekommen, sondern hatten auch Angst vor der dunkelsten Nacht ihres Lebens. Der Weggefährte verabschiedete sich nicht, sondern blieb an ihrer Seite. Am Tisch nahm er das Brot, sprach das Dankgebet, brach es und teilte es.

Schatten der Angst fällt ab

Da erkannten die Jünger Jesus wieder und sagten: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er bei uns war? Und plötzlich war ihre dunkle Nacht wieder erhellt von Hoffnung. Durch das Licht des Auferstanden fielen die Schatten der Angst hinter sie. Für die Emmaus-Jünger gab es nun keine Nacht mehr, sie hatten keine Angst mehr vor der Dunkelheit. Sie brachen auf und gingen den Weg zurück, der für sie Stunden davor ein Kreuzweg war und jetzt zu einem Weg des Lebens, der Zuversicht und Hoffnung wurde. Derselbe Weg, auf dem sie Stein für Stein, jede Abzweigung, jeden Busch kennen, hat sich radikal verändert.

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Auch für uns war es in diesem Jahr ein schwieriger Weg der Entbehrung, der Trauer, der Zweifel und voller Einschränkungen. Aber dort wo wir zulassen, dass Jesus unser Weggefährte wird, verändert sich der Weg. Das ist für mich Ostern! Dort wo die Botschaft des Evangeliums ein Wegbegleiter ist, kann aus jedem Weg ein anderer werden – auch wenn man nie vermutet, dass am Ende alles, was scheinbar tot war, wieder erblühen kann. Die Steine, die uns in diesem Jahr in den Weg gelegt wurden, können durch unseren Glauben zu einer Brücke werden. Denn für den, der glaubt, ist nichts unmöglich! Frohe Ostern!

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