Ruine wird vor Verfall geschützt

In der ehemaligen Kulthöhle des faschistischen Neu-Templer-Ordens im Burgfelsen von Dietfurt herrschte am Höhlentag zu Stoßzeiten regelrechtes Gedränge.
In der ehemaligen Kulthöhle des faschistischen Neu-Templer-Ordens im Burgfelsen von Dietfurt herrschte am Höhlentag zu Stoßzeiten regelrechtes Gedränge. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Seit die Ruine Dietfurt im Besitz des DRK-Kreisverbandes Sigmaringen ist, werden die Überreste der ehemaligen Festungsanlage nicht nur vor weiterem Verfall geschützt. Auch die unrühmliche Rolle der Ruine und besonders der Burghöhle im Vorfeld des Nationalsozialismus wurde in mehreren Buchveröffentlichungen aufgearbeitet. Die Ruine und die Höhle sind aktuell bedingt für die Öffentlichkeit zugänglich – nach Rücksprache mit der DRK-Bergwacht. Seit 2016 macht die Rettungsorganisation beim Höhlentag mit, wie Pressewart Walther Paape erläuterte.

Vierter Höhlentag

„Schlange gehen“ war angesichts des starken Besucherandrangs auf der Ruine Dietfurt angesagt. Bilder: Hermann-Peter Steinmüller
„Schlange gehen“ war angesichts des starken Besucherandrangs auf der Ruine Dietfurt angesagt. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Beim vierten Aktionstag zeichnete sich bereits am frühen Nachmittag ein sehr starkes Besucherinteresse ab. Zweieinhalb Stunden nach der Öffnung des Geländes hatten sich bereits etwa 400 Besucher eingefunden. Der Eintritt war zwar kostenlos. Allerdings mussten die Gäste am Eingang ein Formular unterschreiben, dass sie die Höhle und den ehemaligen Hauptturm der Burg auf eigene Gefahr betreten. Der Pressesprecher ging um diese Zeit davon aus, dass die letztjährige Zahl von 1066 Besuchern wieder erreicht werde. Am Abschluss des Tages kurz vor 18 Uhr lag die endgültige Besucherzahl vor: 1083 Männer, Frauen und Kinder waren gekommen.

Kultstätte für Neu-Templer-Orden

Die Ruine Dietfurt steht auf einem steilen Felsen mitten im Donautal. In diesem Felsen befindet sich die Höhle, die bereits seit Jahrtausenden von Menschen als Wohnraum und Kultstätte genutzt worden ist. Zuletzt eben in den 20-ern und zu Beginn der 30-er Jahre durch den antisemitischen, rassistischen und frauenfeindlichen Neu-Templer-Orden. Archäologen haben die frühgeschichtliche Periode der Höhle erforscht. Walther Paape hat die Geschichte des Ordens von Lanz von Liebenfels in zwei Büchern aufgearbeitet. Der zweite Titel „Im Wahn des Auserwähltseins“ ist inzwischen in der dritten Auflage erschienen. Historiker vertreten die Einschätzung, dass Adolf Joseph Lanz, so sein richtiger Name, zu den wichtigsten geistigen Vordenkern des nationalsozialistischen Rassenwahns gehört.

Warteschlangen vor der Höhle

Mitunter kam es zu Wartezeiten. Ernst Hagg: „Damit es in der Höhle zu keinem wirklichen Gedränge kommt, mussten im ehemaligen Burggraben immer wieder Leute warten, bis andere Besucher von der Ruine zurückgekommen sind.“ Die meisten Ruinen- und Höhleninteressierten wollten dann auch den gut erhaltenen Hauptturm der Ruine besuchen. Weil das Besteigen des Turms über Leitern erfolgt, sei es, so Hagg, immer wieder zu langen Warteschlangen gekommen. „Einige kamen wieder zurück und sagten, die Warteschlange vor dem Turm sei ihnen zu lang,“ berichtet der Bergwacht-Mitarbeiter.

Schauübung der Bergwacht

Bei der ersten Rettungsübung der DRK-Bergwacht musste eine Gebirgstrage über einen Steilhang gebracht werden. Die Besucher staunten, welche Herausforderungen die Helfern meistern müssen.
Bei der ersten Rettungsübung der DRK-Bergwacht musste eine Gebirgstrage über einen Steilhang gebracht werden. Die Besucher staunten, welche Herausforderungen die Helfern meistern müssen. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Auf Interesse stießen die beiden Rettungsschauübungen. Zur Mittagsstunde zeigten die Bergretter, wie sie einen Verletzten in einer Gebirgstrage über einen Steilhang sicher bergen können. Am Nachmittag demonstrierten die Bergwacht-Mitarbeiter die Bergung mit Hilfe eines Rettungssitzes. Wie der technische Leiter Manuel Heinzler berichtete: „Wir haben pro Jahr zwischen zehn und 20 Rettungseinsätze dieser Art.“ In dieser Saison herrsche mit bislang zwei Notfällen auffällige Ruhe.