Bald wird in der 800-Einwohner-Gemeinde Vilsingen ein Gebäude mit internationalem Flair stehen. Die Firma Dreher Bau plant die größte Investition in der 200-jährigen Firmengeschichte und wird auf Basis von Plänen des Mailänder Architekten Matteo Thun ein neues Büro- und Bemusterungsgebäude sowie eine neue Abbundhalle bauen. Dafür wird die Firma mit bald 40 Mitarbeitern vom Land Baden-Württemberg gefördert: 200 000 Euro gibt das dafür, dass eine ehemalige Brachfläche neu bebaut wird. Das macht rund zehn Prozent der Investitionskosten aus, sagt Geschäftsführer Frank Dreher.

"Die Mitarbeiter sind schon da, aber die Räume noch nicht", sagt Dreher über die Baupläne, die seit einigen Monaten auf seinem Schreibtisch liegen und nun umgesetzt werden sollen. Vor der Sommerpause gab der Gemeinderat seine Zustimmung und am Montag, 11. September, ist Spatenstich. Als Gäste werden Landrätin Stefanie Bürkle (CDU) sowie einigen Landtags- und Bundestagsabgeordnete, Bürgermeister Bernd Gombold, Gemeinderäte, Nachbarn sowie Vertreter der Kreishandwerkerschaft erwartet. Außerdem dabei sein wird die Familie, denn die spiele für das in der siebten Generation geführte Unternehmen eine große Rolle. Drehers Eltern wohnen in dem Gebäude an der Öschlestraße, das in den vergangenen 20 Jahren vom Wohnhaus mit Mietwohnungen und Büro immer mehr zum Büro mit angeschlossenen Elternhaus wurde. Auf dem Nebengrundstück sollen jetzt zwei neue Gebäude genügend Raum bieten für Maurer, Zimmerer, Planer und Verwaltung.

Dass die Pläne dafür mit Matteo Thun entstanden sind, ist einer zufälligen Begegnung zu verdanken. 2016 habe man sich kennengelernt, als Thun vom Magazin "Architektur und Wohnen" zum Architekten des Jahres gekürt wurde. "Am nächsten Tag schrieb er mir eine E-Mail und lud mich nach Mailand ein", erzählt Dreher. Sie hätten den Neubau auch selbst planen können, doch Thun habe neue Ideen und einen künstlerischen Aspekt hineingebracht. Der 59-jährige Thun, der in Bozen geboren wurde und sein Büro in Mailand hat, ist für seine reduzierte Formensprache und Nachhaltigkeit bekannt.

Das Modell zeigt jetzt zwei Langbauten, deren Sockel in Beton gefasst ist. Darauf bauen schmale Holzlatten auf. Ähnlich sieht die bestehende Halle aus. Der Neubau des Büro- und Bemusterungsgebäudes soll im Untergeschoss informieren, im ersten Obergeschoss Büroplätze bieten und im Dachgeschoss Bemusterungsbeispiele für eine Beratung zeigen. Das anstehende Bauen sei täglich Brot, "schwierig ist es, die Nutzung einzuschätzen für die Zukunft", sagt Dreher. Er stellt sich eine moderne Hülle vor, deren Innenleben angepasst werden kann. Der besondere Kniff: Ein Haus im Haus mit einer Grundfläche von 48 Quadratmetern: "Wir wollen die Möglichkeiten zeigen, was man alles machen kann." Bisher mussten Kunden dafür häufig die Ausstellungen von Händlern im Umkreis von 50 Kilometern besuchen. Künftig soll möglichst viel in Vilsingen gezeigt werden können. Die Zukunftsmusik soll dabei nicht nur zu sehen sein: Eine eigenes Nahwärmenetz mit einer Heizung, die mit Holzresten der Zimmerei und alternativ mit Pellets angetrieben wird, ist ebenso geplant wie ein besonders ressourcenschonendes Bauen. Die Halle soll 2018, das Büro- und Bemusterungsgebäude 2019 fertig gestellt werden. "Die eigenen Projekte müssen ja nebenher laufen", sagt Dreher.

Dreher Bau nutzt für den Bau eine Phase, in der es dem Baugewerbe so gut geht wie selten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erreichte der Auftragseingang bei Baufirmen ab 20 Mitarbeitern im April nominal den höchsten Wert seit 23 Jahren. "Es war uns wichtig, jetzt in guten Zeiten zu bauen", sagt Dreher dazu. Wohnraum werde man immer brauchen, nur die Menge variiere. "Es soll eine Sicherung und Weiterführung unserer Firma sein", sagt Dreher. Angesichts der 200-jährigen Firmengeschichte dürfe man auch langfristig denken.

Unternehmen

Dreher Bau beschäftigte laut Geschäftsführer Frank Dreher zum Zeitpunkt der Planung der neuen Gebäude im Jahr 2015 32 Mitarbeiter, zum Einzug 2019 sollen es rund 40 sein. Die Mitarbeiter sind als Maurer, Zimmerer, Planer und in der Verwaltung tätig, Dreher Bau übernimmt damit etwa die Hälfte eines Hausbaus. Schwerpunkt sind Planung und Ausführung von schlüsselfertigen Massiv- und Holzbauwerken. Die Kunden des Unternehmens liegen in einem Umkreis von rund 50 Kilometern. Gegründet wurde Dreher Bau 1816 als Maurergeschäft, Frank Dreher führt es inzwischen in siebter Generation. 2006 wurde der Betrieb um eine Zimmerei erweitert. "Das ergänzt sich prima, aber der Platzbedarf wird größer", sagt Dreher.