Inzigkofen – Schubsen und Zähne zeigen waren nicht nur erlaubt, sondern nachdrücklich erwünscht. Zähne zeigen allerdings auf die freundlichste Art und Weise, einem Lächeln. Und das Schubsen galt selbstverständlich nicht den Mitsängern, sondern den Tönen, welche die Gospelsänger jeweils durch Anspannen der Bauchmuskeln vom Zwerchfell nach oben katapultieren.

Vergangene Woche zog die Chorwoche Gospelgesang in der Volkshochschule im alten Kloster in Inzigkofen wieder Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik, vom Bodensee bis Hamburg, aus der benachbarten Schweiz und Amsterdam an. Dozentin Angelika Rehaag, Kirchenmusikerin und Leiterin der Gospel Academy Krefeld, hat sich seit 20 Jahren der Black Gospel Music verschrieben. Sie setzt den Augenmerk auf einen unverstärkten Chorklang und eine Singtechnik, die sich auf stimmschonendes "Rufen" stützt.

Die abwechslungsreichen Chorstücke vom fordernden A-cappella-Gospel wie "I open my mouth" (Ich öffne meinen Mund dem Herrn) oder die leise, gefühlvolle Ballade "Lord I'm available to you" (Herr, ich stelle mich dir zu Verfügung)" bis zum mitreißenden "Now I'm on my way" (Nun bin ich auf meinem Weg) erarbeitet Angelika Rehaag mit den Sängern grundsätzlich ohne Noten. Lediglich ein Textblatt bietet Unterstützung, bis die Stücke durch wiederholtes Vor- und Nachsingen verinnerlicht werden. Angelika Rehaag steckt mit ihrer Begeisterung die Sänger an und sie fordert von jedem Sänger vollen Einsatz, bis der gewünschte Klang, die Intensität und Dynamik passen. Mit seiner je nach Liedcharakter mitreißenden, antreibenden oder gefühlvollen Klavierbegleitung spornt der preisgekrönte Jazz-und Gospelpianist Lukasz Flakus aus Bonn die Sänger zusätzlich an. Seit 2012 arbeitet Angelika Rehaag mit Flakus zusammen.

Mit 70 Teilnehmern ist der Chor so groß wie nie, freute sich Bernd Joachim Eck, Leiter der Volkshochschule. Eine Teilnehmerin aus Berlin schlug sogar aufgrund der ausgebuchten Zimmer ihr Zelt im Obstgarten der Volkshochschule auf. Viele Gospelsänger zählen zu regelmäßigen Teilnehmern, in die fröhliche Sängergemeinschaft werden auch sofort die Neueinsteiger integriert. Rund sieben Stunden singen die Teilnehmer täglich im Kapitelsaal. "Es war für mich eine doppelte Erfahrung im Chor zu singen und die besondere, nicht alltägliche Singtechnik von Angelika Rehaag zu lernen", freut sich Teilnehmerin Helga Boonekamp aus Uhldingen-Mühlhofen, dieses besondere Ergebnis mitzuerleben.

Ursula Heinzelmann aus Mengen sagt: "Ich freue mich, dass dieser Workshop angeboten wird. Es ist jedes Mal eine Herausforderung hier mitzusingen." Angelika Rehhag sei so motivierend. "Dass muss einen begeistern", sagt sie strahlend. Der Höhepunkt und Abschluss jeder Chorwoche Gospelgesang ist das Abschlusskonzert in der Inzigkofer Klosterkirche am Freitagabend.

Der "Geheimtipp" hat sich mittlerweile herumgesprochen und die Zuhörer in der voll besetzten Kirche erlebten abwechslungsreiche und mitreißende eineinhalb Stunden, in denen die Lieder überwiegend als Gesamtchor und mit Solisten und kleinem Ensemble gesungen wurden. "Sensationell, bääm", war Konzertbesucher Daniel Gottardo aus Schaffhausen begeistert. Wie die anderen Zuhörer fanden Maria Ferrari und Elvira Jäger aus Kleinstadelhofen das Konzert "ansteckend" und "mitreißend". Jedes Lied war in sich besonders, freute sich Andrea Berwarth aus Wald-Steckeln. Ihr fiel das besonders das Strahlen der Sänger auf.

Die Chorwoche Gospelgesang feiert laut Eck ein "kleines Jubiläum". 2002, also vor 15 Jahren, fand der erste Gospelworkshop statt, vor zehn Jahren war Angelika Rehaag erstmals als Dozentin dabei. Im Laufe dieser zehn Jahre lernten die Teilnehmer 70 Lieder. Der Spendenerlös aus dem Abschlusskonzert wird aktuell für die Baumaßnahme "Beichtigerhaus" verwendet.

"Eine Woche Seelenfutter"

Regina Gratius, Stetten am kalten Markt, singt bei „The Groove Company Gauselfingen“ und war bereits das siebte Mal beim Gospelworkshop in Inzigkofen dabei.

Weshalb schlägt Ihr Herz für den Gospelgesang?

Zuerst wegen der Musik, ob Ballade oder Rhythmik, traditionell oder zeitgenössisch – und dann auch wegen der Inhalte der Lieder – man muss zumindest dazu stehen.

Was bedeutet Ihnen die Chorwoche?

Es ist eine Woche Seelenfutter und dann wieder zwei Jahre Vorfreude auf den nächsten Workshop. Es ist immer ein wenig wie Nachhause kommen.

Was nehmen Sie von dieser Woche für sich persönlich mit?

Die Freude am gemeinsamen Singen mit vielen Gleichgesinnten aus ganz Deutschland und darüber hinaus; die Energie aus der Gemeinschaft und der Musik!

Können Sie das, was Sie hier erarbeiten, in Ihrem Chor einsetzen?

Ja, ich kann das Gelernte, zum Beispiel in Bezug auf Gesangstechnik, an meine Mitsänger weitergeben.

Fragen: Sandra Häusler