Damit soll bereits vom kommenden Frühjahr an die Eremitage als zweiter Teil des Parks wieder leicht von Inzigkofen aus zu Fuß zugänglich sein. Die Befürworter des jetzt rund 666 000 Euro teuren Projekts erwarten durch die Erschließung der Eremitage einen deutlichen Impuls zur Förderung der Naherholung und des Tourismus im Oberen Donautal.

Die Hängebrücke soll an der Engestelle (Bildmitte) die beiden Teile des Fürstlichen Parks in Inzigkofen wieder fußläufig verbinden.
Die Hängebrücke soll an der Engestelle (Bildmitte) die beiden Teile des Fürstlichen Parks in Inzigkofen wieder fußläufig verbinden. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Die Vergabe in dieser Woche war bereits der dritte Versuch, die beiden Brückenprojekte vom Papier in Stahl und Beton Wirklichkeit werden zu lassen. Beim ersten Mal gingen keine akzeptablen Bewerbungen auf die Ausschreibung bei der Verwaltung ein. Bei der zweiten Vergabe gab es nur das Angebot der kurze Zeit später zahlungsunfähig gewordenen Firma Oschwald aus Meßkirch. Bürgermeister Bernd Gombold brachte die Situation vor Beginn der Beratung so auf den Punkt: "Das ist die dritte und letzte Möglichkeit."

Auftrag geht in die Schweiz

Die Entscheidung fiel dem Gemeinderat, wie die Diskussion zeigte, durch zwei Punkte besonders leicht. Zum einen verbilligte sich das Erschließungsprojekt jetzt von 940 000 auf 666 000 Euro. Zum anderen ging das preisgünstigste Angebot für die Hängebrücke von einer Fachfirma aus der Schweiz ein. Dieses Unternehmen hat, so betonte Frank Breinlinger vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Tuttlingen, nicht nur Erfahrung mit ähnlichen Brückenbauwerken im Hochgebirge. Erst vor Kurzem haben die eidgenössischen Hochgebirgsexperten die längste Hängebrücke Deutschlands im Harz bei Mörsdorf vollendet. Gombold sagte in dem Zusammenhang: "Ich telefonierte mit meinem Kollegen in Mörsdorf. Dort ist man mit der Arbeit der Schweizer Firma absolut zufrieden."

Erfahrung aus Arbeit im Gebirge

Nicht nur im Vergleich zur zweiten Ausschreibung ist der Preis für die Hängebrücke auffallend gering. Die Schweizer berechnen mit Mehrwertsteuer 188 000 Euro. Die vier deutschen Mitbewerber wollten von 429 000 bis 524 000 Euro für das gleiche Bauwerk haben, war bei der Sitzung zu hören. Im Wesentlichen sind, so erläuterte es der Tuttlinger Ingenieur, zwei Punkte für das preisgünstige Angebot ausschlaggebend. Erstens sei der Auftrag für die Schweizer Firma eine willkommene Gelegenheit, die auftragsarmen Wintermonate zu füllen. Zweitens verfügten die Eidgenossen dank ihrer Routine aus dem Gebirge über genügend Erfahrungen mit Montagearbeiten in unwegsamem und steilem Gelände.

Holzbrücke wurde weggeschwemmt

Seit vor Jahrzehnten die Holzbrücke zwischen den beiden Parkteilen über die Donau vom Hochwasser weggeschwemmt worden ist, ist die Eremitage von Inzigkofen nur noch auf einem weiten Umweg über die L 277 zu erreichen. Der Zugang vom Parkplatz an der Landesstraße zur Eremitage bleibt auch in Zukunft erhalten. Allerdings verläuft zwischen dem Parkplatz und dem Park in einem Geländeeinschnitt die Donautal-Eisenbahn. Bisher steht für die Parkbesucher ein mit Drehkreuzen gesicherter Übergang zur Verfügung. Die Bahn will diesen Übergang aus Sicherheitsgründen schließen. Deswegen muss die Gemeinde eine Fußgängerbrücke finanzieren. Der Baubeginn für beide Brücken ist für Anfang und Mitte Oktober diesen Jahres geplant.

Der bislang durch Drehkreuze gesicherte Bahnübergang vom Parkplatz zur Eremitage wird durch eine Fußgängerbrücke ersetzt. Die Bauarbeiten dazu sollen in diesem Herbst beginnen.
Der bislang durch Drehkreuze gesicherte Bahnübergang vom Parkplatz zur Eremitage wird durch eine Fußgängerbrücke ersetzt. Die Bauarbeiten dazu sollen in diesem Herbst beginnen. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Erlebnischarakter der Brücke kommt im Gemeinderat wieder zur Sprache

Ein Rückblick auf die bisherigen Entwicklungen und den Ursprung des Projekts:

  • Der fürstliche Park in Inzigkofen ist seit einigen Jahrzehnten in zwei Teile gespalten, den größeren Bereich auf der Südseite und den kleineren, durch die Donau abgetrennten Bereich auf der Nordseite, die Eremitage. Früher waren die beiden Bereiche durch eine Holzbrücke verbunden. Seit die Brücke weggeschwemmt wurde, ist die Eremitage nur über einen sehr weiten Umweg über die L 277 zu erreichen. Mit der Hängebrücke sollen beide Parkteile wieder verbunden werden. Die Gemeinde Inzigkofen verspricht sich dadurch eine zusätzliche Attraktion für die Parkbesucher. Die Brücke über die Bahngleise wird notwendig, weil zwischen dem Parkplatz und der Eremitage in einem Geländeeinschnitt die Donautalbahn verläuft.
  • Von einer "wirklichen Sensation" hatte Tim Kaysers von der Planstatt Senner vor rund zwei Jahren bei der Planung zum Brückenbau gesprochen. In seinem Vortrag hatte er auch auf die lange Vorgeschichte der Planung verwiesen, die bis ins Jahr 2011 zurückreicht. Bürgermeister Bernd Gombold veranschaulichte den Räten und Besuchern damals durch das Hochhalten der dicken Antragsakte, welcher Bedeutung der damaligen Brücken-Genehmigung auch unter arten- und naturschutzrechtlichen Aspekten zukomme.
  • Die Hängebrücke soll als "Spinnennetz" konstruiert werden, das sich bei der Begehung verformt, was den Erlebnischarakter der Brücke ausmachen soll. Von diesem Erlebnischarakter der Brücke war nun auch wieder in der jüngsten Sitzung die Rede.
  • Entscheidend war für das Zustandekommen des Projekts von Beginn an die Förderung. Dabei fiel vor allem die Förderung von Leader, der seit 1991 bestehenden Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union zur Entwicklung ausgesuchter ländlicher Regionen, ins Gewicht. Der Bau einer neuen Fußgängerbrücke für die Querung der Bahnlinie, war von der Deutschen Bahn zur Bedingung gemacht worden, um überhaupt über die Bahnlinie zu bauen. Dies brachte weitere Kosten in Höhe von über 100 000 Euro mit sich, wobei Planung und Bau nach den detaillierten Vorgaben der Bahn erfolgen sollten. Die Genehmigung für die Fußgängerbrücke liegt jetzt auch vor.