In Heggelbach ist im September 2016 eine Agro-Fotovoltaik-Anlage (APV) ans Netz gegangen, damals die größte in Deutschland. Jetzt läuft die Betreuung des Pilotprojekts durch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und die Uni Hohenheim aus, bis auf die Qualitätssicherung der Anlage bis Ende 2020.

Knappes Land effizient nutzen

Die Agro-Fotovoltaik sei ein vielversprechender Lösungsansatz, um knappes Land effizienter zu nutzen, hieß es bei einem Vor-Ort-Termin. „Im Vordergrund steht die Landwirtschaft, das sollten wir noch stärker herausstellen. Die Energiegewinnung ist on top“, sagte Martina Braun, Landtagsabgeordnete der Grünen und Sprecherin für ländlichen Raum. Zusammen mit den Landtagsabgeordneten Martin Hahn und Jürgen Walter hatte sie die Anlage der Hofgemeinschaft besucht.

Stephan Schindele (links) vom Fraunhofer-Institut und Axel Weselek von der Uni Hohenheim haben das Modellprojekt über Jahre begleitet.
Stephan Schindele (links) vom Fraunhofer-Institut und Axel Weselek von der Uni Hohenheim haben das Modellprojekt über Jahre begleitet. | Bild: Kirsten Johanson.

Projektleiter Stephan Schindele stellte fest: „Die Technik funktioniert und ist praxistauglich. Agro-Fotovoltaik ist auf jeden Fall ein gutes Konzept, um auch größere Mengen an Strom in Kombination mit Eigenverbrauch und Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung zu stellen.“

Keine staatliche Förderung für AVP

Im Gegensatz zu Biogasanlagen oder Windrädern werde die APV jedoch nicht staatlich gefördert, weshalb sie für Landwirte nicht ganz so attraktiv sei. Das konnte Florian Reyer, Landwirt der Hofgemeinschaft, nicht nachvollziehen: Die Solarstromgewinnung sei eine lukrative Einkommensquelle.

Heggelbach will 80 Prozent des Stroms selbst verbrauchen

Weltweit gibt es nach Auskunft von Schindele 1800 APV-Anlagen wie die in Heggelbach, davon allein 1600 in Japan. „Und in Korea sollen, wenn es nach Präsident Moon geht, 100 000 solcher Anlagen gebaut werden“, führte er aus. Die größte Anlage dieser Art stehe in China. Die Module der Fotovoltaik-Anlage in Heggelbach wurden in fünf Metern Höhe über einer Ackerfläche der Demeter-Hofgemeinschaft installiert. Der Strom wird ins Netz eingespeist und über die Elektrizitätswerke Schönau vermarktet. Zurzeit werden 65 Prozent des erzeugten Stroms direkt in Heggelbach verbraucht, 80 Prozent Eigenverbrauch werden angestrebt.

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Uni Hohenheim begleitet Projekt zwei Jahre

Zwei Versuchsjahre lang wurde die Bewirtschaftung durch die Uni Hohenheim agrarwissenschaftlich begleitet. Die erste Ernte wurde 2017 eingefahren. Als Testkulturen hatte Florian Reyer Winterweizen, Kartoffeln, Sellerie und Kleegras angebaut. Die Ergebnisse der ersten Ernten auf den Versuchsflächen seien vielversprechend.

Forschung an solarstromerzeugenden Folien für Obstplantagen

Im Gespräch mit den Experten wollte Martin Hahn von Stephan Schindele wissen, ob APV auch als Modell beim Obstbau in Frage käme, gerade unter dem Aspekt, dass Bauern ihre Obstbäume mit Hagelnetzen schützen müssten. Hahn meinte: „Wenn man hier Solarenergie gewinnen könnte, wäre die Akzeptanz in der Gesellschaft bestimmt höher.“ Schindele berichtete, dass im Obstbau tatsächlich gerade an solarstromerzeugenden Folien geforscht werde.

Im Obstbau bereits Traktoren mit Solarstrom im Einsatz

Im Obstbau würden zudem bereits elektrische Traktoren eingesetzt, die Solarstrom tanken. Florian Reyer meinte: „Für unsere landwirtschaftlichen Maschinen ist das noch unrealistisch. Es wird nicht leicht sein, Diesel durch Solarstrom zu ersetzen, aber das ist unser langfristiges Ziel.“ Auch Themen wie Wasserharvesting und Bewässerung wurden beim Besuch der Grünen angerissen. Es sei angedacht, das Gerüst der APV-Anlage als Berieselungsanlage einzusetzen, erklärte Axel Weselek, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hohenheim.

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