Die Saison 2019/20 war die kürzeste in der Geschichte der HSG Konstanz – und sie ist trotz des Abbruchs wegen der Corona-Pandemie die erfolgreichste. Das Zweitligateam bleibt in der Liga, und die Reserve feierte den Aufstieg in die 3. Liga.

Zwei Teams in den drei höchsten Spielklassen – ein Novum für den Verein vom Bodensee. Neuland betritt auch Jessica Bregazzi, die bei der zweiten Mannschaft die Nachfolge von Trainer Matthias Stocker antreten wird.

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Die neue Frau an der Seitenlinie der Talentschmiede ist sehr jung, doch mit ihren 25 Jahren hat sie mehr Erfahrung gesammelt als manch anderer in einem ganzen Leben. Köln, Kiel, Australien und die USA sind nur einige Stationen auf dem Weg der Halb-Irin mit dem italienischen Nachnamen. Doch der Reihe nach.

Die Tochter einer Deutschen und eines Iren wächst in Pforzheim auf, oder besser in den Sporthallen rund um die nordbadische Großstadt, wie sie selbst mit einem Augenzwinkern sagt. Ihre Eltern sind beide Handballtrainer, Vater David betreut zeitweise die irische Nationalmannschaft, Bruder Christopher trug bis in dieser Saison das Trikot des Drittligisten TGS Pforzheim.

Gesundheitliche Achterbahnfahrt

Mit 18 folgt sie ihm ins Sportinternat nach Dormagen. Handball spielt sie zu jener Zeit unter anderem in Leverkusen. Schon früh kämpft sie jedoch mit diversen Verletzungen. „Ich wollte mehrfach aufhören, das hatte mir den Spaß ein Stück weit genommen“, sagt Bregazzi.

Erst während eines Aufenthalts in Australien, wo sie mit der Auswahl Queenslands die Meisterschaft erringt, erwacht die Leidenschaft für ihren Sport wieder – obwohl die gesundheitliche Achterbahnfahrt weitergeht.

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Zurück in Deutschland, studiert Jessica Bregazzi an der Sporthochschule in Köln und spielt in der Oberliga, ehe eine Schulterverletzung sie ausbremst. Bei einem fünfmonatigen Praktikum in Kiel versucht es die junge Frau nochmals – und zieht sich einen doppelten Wirbelbruch zu. Die nächste Pause.

Trotzdem ist das Intermezzo im hohen Norden ein voller Erfolg. „Als ich dort Handballcamps geleitet und mit Klaus-Dieter Petersen in der Jugendkoordination gearbeitet habe, habe ich Spaß am Trainerdasein gefunden“, blickt Bregazzi zurück.

Mit 23 Jahren Co-Trainerin bei den Männern

Es folgt ein Semester in den USA, wo die Deutsche an der University of Florida in Gainesville die Collegeteams im Softball und Baseball im athletischen Bereich trainiert. Danach beendet Jessica Bregazzi in Köln ihr Studium in den Fächern Sport und Leistung und spielt in der 3. Liga für Gräfrath.

Als ihr Trainer Elmar Müller zu den Männern nach Solingen wechselt, nimmt er seine Kreisläuferin einfach mit – als Co-Trainerin. Die ist damals 23 Jahre alt.

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„Ich habe immer Glück gehabt, dass ich gut gefördert wurde“, sagt Bregazzi, die nun zu schätzen weiß, „dass unser Sportlicher Leiter Andre Melchert und Präsident Otto Eblen mir so viel Vertrauen schenken und eine junge Frau einstellen“. Seit April 2019 arbeitet Bregazzi, die zuletzt für die zweite Mannschaft des SV Allensbach gespielt hat, für die HSG.

Zunächst als Athletiktrainerin und Jugendkoordinatorin und bald als frisch gebackene Drittliga-Trainerin bei den Männern. „Sie hat eine super Arbeit bei der Ersten und in der Jugend geleistet und einen tollen Draht zu den Jungs“, sagt Andre Melchert.

Trainerteam mit Thomas Zilm

Die neue Trainerin möchte mit der HSG Konstanz II „alle überraschen und es allen beweisen“, wie Bregazzi erklärt. „Die Jungs haben sich in den letzten beiden Jahren in der Oberliga Baden-Württemberg bewiesen, in der 3. Liga haben sie nun nicht mehr so den Druck, weil wir nicht mehr in der Favoritenrolle sein werden.“ Sie selbst sei zwar formell die Cheftrainerin, sieht Thomas Zilm aber als gleichgestellten Partner im Trainerteam.

Bis Jessica Bregazzi voller Elan in das nächste Kapitel ihrer Karriere starten kann, muss sie sich aber noch in Geduld üben. Ehe der neue Job beginnt, muss nach der kürzesten Erfolgssaison der HSG Konstanz endlich die längste Sommerpause vorbeigehen.

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