Herr Stocker, Glückwunsch zum Aufstieg in die 3. Liga. Wie haben Sie von diesem Erfolg erfahren?

Wir haben selbst die Initiative ergriffen. Am Dienstag hatten wir mitbekommen, wie in den ersten drei Ligen entschieden wurde – und dann permanent auf eine Mitteilung von Handball Baden-Württemberg gewartet. Irgendwann habe ich dann einen meiner Spieler beauftragt, dort anzurufen. So haben wir davon erfahren.

Und dann spontan virtuell gefeiert. Wie muss man sich das vorstellen?

Wir hatten eine Snapchat-Schalte mit allen Jungs und haben ein paar Bierchen gemeinsam getrunken. Aber keine Angst: Am Tag X, wenn man sich wieder treffen darf, kann ich garantieren, dass wir die persönliche Feier außergewöhnlich lange nachholen werden. Da reicht ein Tag nicht. (lacht)

Will der Verein denn auch aufsteigen? Bislang hieß es ja nur, dass die Mannschaft als Oberliga-Vizemeister in die 3. Liga aufsteigen dürfe.

Ich gehe davon aus. Vor ein paar Wochen ist mir das in Gesprächen mit dem Verein so signalisiert worden.

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Der Aufwand würde jedenfalls ungleich größer sein als aktuell in der Oberliga.

Absolut, ohne Frage. Wir müssen schauen, wie wir das unter einen Hut bekommen. Die Mannschaft darf nicht viel teurer werden, die Reisekosten werden steigen. Dann weiß man ja auch noch nicht, wie treu uns die Sponsoren nach Corona bleiben können.

Ich glaube nicht, dass wir in der Oberliga zu den teureren Mannschaften gehört haben. Das ist aber ohne Gewähr, da ich die anderen Etats nicht kenne. Wir haben einfach sehr, sehr junge Spieler, die das Ziel haben, irgendwann in der ersten Mannschaft zu spielen.

Stocker als Spieler (hier in der 2. Bundesliga gegen Merten Krings, links, und Andre Kropp vom TV Emsdetten).
Stocker als Spieler (hier in der 2. Bundesliga gegen Merten Krings, links, und Andre Kropp vom TV Emsdetten). | Bild: Peter Pisa

Stichwort Personal. Ist der Kader stark genug für die Drittklassigkeit?

Das wird sich zeigen. Man hat in den letzten beiden Jahren ja gesehen, wie schwer sich die Aufsteiger in der 3. Liga getan haben. Wir haben aber auch ein paar Jungs, die noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen sind. Die Frage ist, ob die Mannschaft zusammenbleiben kann.

Und die kann ich nicht beantworten, da ich nicht mehr in die Kaderplanung involviert bin. Ich werde kürzertreten und künftig die A-Jugend trainieren. Ich hoffe aber, dass die Jungs zusammenbleiben. Das hat sie in den letzten Jahren so stark gemacht. Diese Kontinuität und die extreme Entwicklung waren ein Erfolgsgeheimnis.

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Was ist Ihr persönliches? Sie sind seit drei Jahren Trainer und durften dabei schon zwei Aufstiege feiern.

Schwierige Frage. Die Nähe zum Team auf jeden Fall, auch wenn das immer ein schmaler Grat ist. Ich bin ein sehr enges Verhältnis zu den Spielern eingegangen – mit dem Risiko, dass es schiefgehen könnte. Die Jungs konnten das aber gut trennen: den Trainer während des Spiels und den Kumpel außerhalb der Halle. So hat mir alles viel Spaß gemacht, und es war einfach, so viele Emotionen, Zeit und Leidenschaft zu investieren.

Und natürlich gehört auch immer einen Menge Glück dazu. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit den richtigen Spielern. Mit dem Spielglück kamen wir dann in einen Flow. Und dann gewinnen wir am letzten Spieltag vor dem Abbruch gegen Fellbach und Neuhausen verliert in Herrenberg nach einer Vier-Tore-Führung – und wir sind Zweiter. Unglaublich.

Bild: Peter Pisa

Sie selbst hatten in der zweiten Mannschaft zwischenzeitlich selbst wieder als Spieler ausgeholfen. Übernehmen Sie nun den Nachwuchs, dass Ihnen ein solches Intermezzo künftig erspart bleibt?

(lacht) Ich hatte das eh nicht mehr vorgehabt, auch wenn es unglaublich Spaß gemacht hat, mal wieder mitzuspielen. Und in der A-Jugend darf ich das gar nicht mehr. Gott sei Dank.