Liechtenstein (hog) In einem Wohnviertel in Nendeln in Liechtenstein hat die Polizei ein illegales Bordell ausgehoben. Anwohner hatten sich über den regen Autoverkehr in dem bis dato ruhigen Viertel gewundert und die Polizei verständigt. Das Wohnhaus, in dem die Polizei zwei thailändische Frauen vorfand, die sich nach Angaben des zuständigen Staatsanwaltes Robert Wallner illegal in Liechtenstein aufhalten, gehört einem Liechtensteiner. Der Hausbesitzer sei jahrelang als Politiker in der als ausgesprochen konservativ geltenden Partei der "Vaterländischen Union" aktiv gewesen, wie der Staatsanwalt bestätigte. Außerdem gehörte er der Geschäftsleitung der Telecom Liechtenstein. Gegen ihn und weitere mutmaßliche Täter wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft jetzt wegen des Verdachtes der Zuhälterei, des grenzüberschreitenden Prostitutions- und Menschenhandels und weiterer strafbarer Handlungen ermittelt.

Die "diskrete" Ausübung von Prostitution ist in Liechtenstein nicht strafbar. Auf Zuhälterei und Menschenhandel stehen aber mehrjährige Gefängnisstrafen. Im Verfahren muss jetzt abgeklärt werden, wie die beiden Angetroffenen und eventuell andere Sexarbeitende angeworben wurden, wie sie nach Liechtenstein kamen und unter welchen Bedingungen sie ihre Dienste anboten. Davon hängt ab, ob und in welchem Umfang sich der Vermieter der Wohnungen und andere Personen strafbar gemacht haben.

Der Ex-Politiker befindet sich derzeit noch auf freiem Fuß. "Unserer Ansicht nach besteht keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr und da die Sexarbeiterinnen nicht minderjährig und auch nicht eingesperrt waren, kommt keine U-Haft in Betracht", erklärte Staatsanwalt Robert Wallner im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Die beiden Frauen werden als mutmaßliche Opfer von Menschenhandel derzeit betreut.