Fußball-Landesliga: Wettbewerbsverzerrung durch Quarantänemaßnahmen einzelner Spieler oder ganzer Teams, Hygieneregeln rund um das Spiel bis hin zur Anzahl der Zuschauer und den Abständen: Die Prognose ist wohl nicht allzu gewagt, dass die Saison 2020/21 in allen Ligen, nicht nur der Landesliga, neben sportlichen Themen auch von medizinischen geprägt werden wird. Und dann kommt noch ein Termindruck mit spätem Saisonstart und einer langen Spielzeit mit 17 Teams und daher verstärktem Kampf um den Klassenerhalt hinzu.

SpVgg F.A.L.

Fast schon stellvertretend für die Trainer der Landesliga wagt der aktuell dienstälteste Coach, Joachim Ruddies von der SpVgg F.A.L., einen Ausblick: „Die Gesundheit steht über allem! Ich kann mir bei dem Denken und Handeln mancher Menschen nicht vorstellen, dass diese Runde unbeschadet über die Bühne geht. Ich hoffe es, weil ansonsten bereits die zweite Runde nicht sportlich zu Ende geführt werden könnte. Aber mir fehlt der Glaube daran.“

„In dieser Saison ist es schwierig, eine Zielsetzung vorzugeben.“
Joachim Ruddies, Trainer der SpVgg F.A.L.
Joachim Ruddies.
Joachim Ruddies. | Bild: Fischer, Eugen

Sein Team, die SpVgg F.A.L., gehörte zu den Verlierern des Saisonabbruchs, denn als Tabellenzweiter hatte es gute Chancen auf die Aufstiegsrunde, die dann aber gar nicht ausgespielt wurde. Nun ist der souveräne Meister FC 08 Villingen II in der Verbandsliga, der Weg für den „Vize“ zur Meisterschaft und dem direkten Aufstieg somit frei. „In dieser Saison ist es schwierig, eine Zielsetzung vorzugeben“, bremst Ruddies zu hohe Erwartungen und verweist auf die Entwicklungen im eigenen Kader – vier langjährige Stammkräfte stehen nicht mehr zur Verfügung – und auch bei der Konkurrenz. Schon am zweiten Spieltag bekommt es der Vizemeister der Vorsaison mit dem FC Singen 04 zu tun, sodass Ruddies noch einige Eindrücke sammeln will, ehe er sich orientiert: „Nach den ersten vier Spielen wird man sehen, in welche Richtung wir schauen müssen.“

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VfR Stockach

Lange Zeit stand der VfR Stockach in einer Art Stand-by-Wettkampfmodus, denn während andere Teams durch die Corona-Krise eine lange Pause hatten, stand für das Team von Daniel Wieser noch das Pokalhalbfinale auf dem Programm, das dann endlich Anfang August ausgespielt werden konnte. Auch im Verbandspokal der Saison 2020/21 war die VfR-Elf schon stark gefordert und konnte immerhin den Verbandsligisten FC Radolfzell aus dem Wettbewerb werfen.

„Durch die kurzfristige Änderung der Kadergröße kann über eine tabellarische Zielsetzung aktuell keine Aussage getroffen werden.“
Daniel Wieser, Trainer des VfR Stockach
Daniel Wieser.
Daniel Wieser. | Bild: Peter Pisa

Trotz des verlorenen Halbfinals also sportlich erfolgreich, aber personell stark eingeschränkt, so Wiesers Ausgangslage kurz vor dem Saisonauftakt. Gleich drei Stammkräfte drohen für die gesamte Hinrunde auszufallen. Da zudem wichtige Spieler den Club verließen, hält sich auch Wieser mit einer Prognose zurück: „Durch die kurzfristige Änderung der Kadergröße kann über eine tabellarische Zielsetzung aktuell keine Aussage getroffen werden.“ Allerdings erhofft er sich von seinem Team etwas mehr Konstanz als in der letzten Runde, als es einen steten Wechsel von Licht und Schatten gab.

FC Singen 04

„Wir werden von der Konkurrenz anders wahrgenommen“, weiß der Spielertrainer des FC Singen 04, Christian Jeske, dass gegen den Traditionsclub vom Hohentwiel jeder Gegner hoch motiviert ist. Aber auch die Erwartungshaltung im eigenen Umfeld sorgt ab und an für erhöhten Druck. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass der FC Singen 04 wieder einmal als Titelanwärter gehandelt wird. „Wir haben unseren Kader vor allem in der Breite verstärkt. Unser Ziel ist es, im oberen Drittel mitzuspielen“, legt Jeske die Messlatte noch nicht so hoch.

„Unser Ziel ist es, im oberen Drittel mitzuspielen.“
Christian Jeske, Spielertrainer des FC Singen 04
Christian Jeske.
Christian Jeske. | Bild: Jürgen Rössler

Allerdings wurde nicht nur in der Breite verbessert: Mit Arkadius Patyk, Benjamin Winterhalder und Sebastian Stark kamen gleich drei Akteure vom benachbarten Oberligisten 1. FC Rielasingen-Arlen – Spieler, die Jeske sehr gut kennt, da er schon gemeinsam mit ihnen gespielt hat. Zudem ging die Formkurve der Singener steil nach oben, nachdem Jeske das Amt des Spielertrainers übernahm. Die Einschätzung, dass der FC Singen 04 um den Titel mitspielen könnte, scheint daher gar nicht so abwegig.

SC Gottmadingen-Bietingen

Recht gut lief es in der vergangenen Runde für das Team des Trainergespanns Michael Hoffmeister/Marius Nitsch. Der SC Gottmadingen-Bietingen beendete als bester Aufsteiger auf Rang sechs die Saison.

„Wir möchten eine gute Runde spielen, ohne etwas mit dem Abstieg zu tun haben zu müssen!“
Marius Nitsch, Trainer des SC Gottmadingen-Bietingen
Marius Nitsch.
Marius Nitsch. | Bild: Peter Pisa

Dennoch bleibt die Zielsetzung für die neue Spielzeit eher bescheiden, wie Nitsch angibt: „Wir möchten eine gute Runde spielen, ohne etwas mit dem Abstieg zu tun haben zu müssen!“ Ins Training stieg der SC erst ein, als der gesamte Kader trainieren durfte. Nach dieser langen fußballlosen Zeit konnte Nitsch feststellen: „Da hat man die Freude und den Willen, sich zu verbessern, bei den Spielern ganz besonders gemerkt.“ Durch das Aufrücken einiger Talente aus den eigenen Reihen hat sich die Breite im Kader verbessert, sodass man dem SC durchaus zutrauen darf, sich nun fest in der Liga etablieren zu können.

SG Dettingen-Dingelsdorf

Über acht Monate hat die SG Dettingen-Dingelsdorf kein Landesligaspiel mehr bestritten. Da stellt sich natürlich die Frage, wie sich diese ungewohnt lange Pause auswirkt. „Die Vorbereitung verlief sehr gut. Die Schwierigkeit war, die fußballspezifische Kondition zu verbessern, ohne das Verletzungsrisiko nach oben schnellen zu lassen“, sagt SG-Coach Alex May über die letzten Wochen.

„Wichtig ist es, dass wir immer am Leistungsmaximum spielen.“
Alexander May, Trainer der SG Dettingen-Dingelsdorf
Alexander May.
Alexander May. | Bild: Jürgen Rössler

Auch er hält sich in Sachen Zielsetzung zurück: „Eine genaue Punktezahl wird man mir hier nicht entlocken können!“ Dann wird er aber doch ein wenig konkreter: „Wichtig ist es, dass wir immer am Leistungsmaximum spielen. Dann bin ich überzeugt, dass wir im ersten Drittel der Tabelle die Saison abschließen können.“

Hegauer FV

Die Vorbereitung beim Hegauer FV „verlief mit Höhen und Tiefen, so wie wir es nach einer so langen Pause vermutet hatten“, erklärt HFV-Trainer Ronny Warnick. Auch Verletzungen kamen hinzu, doch mit der Besetzung seines Kaders ist Warnick zufrieden, da auch hier die Breite verstärkt wurde und der Coach damit mehr Alternativen hat.

„Als erstes müssen wir erst mal ankommen und in die Saison finden.“
Ronny Warnick, Trainer des Hegauer FV
Ronny Warnick.
Ronny Warnick. | Bild: Jürgen Rössler

Warnick erwartet von seiner Elf ein stabileres Auftreten als in der letzten Runde. Zielsetzung bleibt der Klassenerhalt, und da sei es besonders wichtig, dass diesmal die „Big Points“ gegen die direkte Konkurrenz geholt werden. Und dann spricht Warnick wohl für viele Trainer zur Lage nach der Coronapause: „Als erstes müssen wir aber erst mal ankommen und in die Saison finden!“

FC Überlingen

Im Herbst des vergangenen Jahres gelang Michael Krause nach dem Trainerwechsel beim FC Überlingen die Wende, die Formkurve zeigte nach oben. Doch so recht kann man die Handschrift eines Trainers erst dann richtig bewerten, wenn er im Rahmen einer Vorbereitung mit der Mannschaft gearbeitet hat. Da nach der Wintervorbereitung aber nur ein Spieltag ausgetragen wurde, werden wohl die nächsten Spieltage Aufschluss geben, ob der FC Überlingen wieder stabil in der oberen Tabellenhälfte mitmischen kann.

„Wir konnten die Breite im Kader verbessern und sind nun gut aufgestellt.“
Michael Krause, Trainer des FC Überlingen
Michael Krause.
Michael Krause. | Bild: Peter Pisa

Das Potenzial im Kader ist vorhanden, einige Ergebnisse der Vorbereitung, wie etwa der Turniersieg beim gut besetzten Admiral-Cup in Pfullendorf, deuten an, dass dies auch umgesetzt werden kann. „Wir konnten die Breite im Kader verbessern und sind nun gut aufgestellt“, so Trainer Michael Krause unmittelbar vor dem Saisonauftakt und er erhofft sich: „Der FC Überlingen ist in den letzten Jahren oft so um Platz acht oder neun eingelaufen. Vielleicht können wir da zwei bis drei Plätze weiter nach oben krabbeln.“

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FV Walbertsweiler-Rengetsweiler

Vorfreude auf den Saisonauftakt herrscht auch beim FV Walbertsweiler-Rengetsweiler. Nachdem der zuletzt dominierende FC 08 Villingen II aufgestiegen ist, erwartet FV-Trainer Daniel Schwager eine ausgeglichenere Liga, doch sein Blick geht eher nach unten: „Am Ende geht es auch in dieser Saison für uns in erster Linie um den Klassenerhalt.“

„Am Ende geht es auch in dieser Saison für uns in erster Linie um den Klassenerhalt.“
Daniel Schwager, Trainer des FV Walbertsweiler-Rengetsweiler
Daniel Schwager.
Daniel Schwager. | Bild: Jürgen Rössler

Zuversicht gibt ihm die Entwicklung im Kader: „Durch unsere Neuzugänge haben wir im Vergleich zur letzten Saison mehr Optionen.“ Um nicht wieder in die kritische Zone zu rutschen wie zu Beginn der letzten Runde, wird es für Schwagers Elf wichtig sein, nicht nur an die früher sehr ausgeprägte Heimstärke anzuknüpfen, sondern auch auf fremden Plätzen zu punkten – vier Zähler aus neun Auswärtsspielen waren in der vergangenen Spielzeit eine recht magere Ausbeute.

SV Denkingen

Zweifelsfrei hätte sich auch sportlich noch einiges zum Guten entwickeln können, mit Blick auf die Tabelle zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs konnte der Vorletzte SV Denkingen aber gut mit der Nicht-Abstiegs-Regelung leben. Nun kam mit Dirk Thannheimer ein neuer Trainer, der dafür sorgen soll, dass es sportlich wieder bergauf geht.

„Der Konkurrenzkampf ist aufgrund des ausgeglicheneren Kaders größer geworden.“
Dirk Thannheimer, Trainer des SV Denkingen
Dirk Thannheimer.
Dirk Thannheimer. | Bild: Salzmann, Dirk

Allerdings kann Thannheimer nicht mehr auf Jonathan Scheike setzen, denn der SVD-Torjäger wechselte zum VfB Friedrichshafen, und in der Startphase wird er auch Stammkeeper Ingo Schwägler nach einer Rotsperre im Pokal ersetzen müssen. Dennoch erwartet er: „Der Konkurrenzkampf ist aufgrund des ausgeglicheneren Kaders größer geworden.“ Dies nicht zuletzt, weil drei Talente mit Potenzial aus dem eigenen Nachwuchs aufgerückt sind.

TSV Konstanz

Am 2. Adventssonntag des letzten Jahres stand eigentlich lediglich der erste Rückrundenspieltag auf dem Programm, ehe es in der Bezirksliga Bodensee in die Winterpause ging. „Herbstmeister“ TSV Singen musste nach einem 0:0 beim SC Markdorf die Tabellenführung abgeben, da der TSV Konstanz im Heimspiel gegen die Oberligareserve aus Rielasingen zu einem 5:2-Sieg kam. Nur eine Momentaufnahme, denn nach der Winterpause sollte unter anderem der frisch verpflichtete Marcel Simsek die Singener in die Landesliga schießen. Doch der spektakuläre Transfer blieb folgenlos, da keine Spiele mehr stattfanden. Zum Vorteil für den TSV Konstanz, der nach dem Abstieg im Jahr 2004 und dem Abrutschen in die Kreisliga damit als Tabellenerster in die Landesliga zurückkehrt, nur ein Jahr nach dem Aufstieg in die Bezirksliga.

„Über die zahlreiche Trainingsbeteiligung und den Einsatz, der in jedem Training gezeigt wurde, war ich ziemlich überrascht.“
Önder Demirekin, Trainer des TSV Konstanz
Önder Demirekin.
Önder Demirekin. | Bild: Peter Pisa

Aber die Coronakrise traf zuletzt auch den TSV. Durch die Erkrankung eines Spielers musste die Vorbereitung für eine Woche unterbrochen werden. Nicht ganz so schlimm, ist der TSV am ersten Spieltag der 17er-Liga ja spielfrei. Trainer Önder Demirekin freut sich auf jeden Fall, dass sich mit der neuen Aufgabe auch die Einstellung einiger Akteure zum Positiven entwickelt hat: „Über die zahlreiche Trainingsbeteiligung und den Einsatz, der in jedem Training gezeigt wurde, war ich ziemlich überrascht. Das ist beim TSV Konstanz leider nicht in jeder Saison so!“ Spielerisches Potenzial steckt durchaus in Demirekins Team, die Mischung aus routinierten Spielern und Talenten scheint zu passen, sodass das Ziel Klassenerhalt realistisch erscheint.

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