Herr Höfler, wie geht es Ihnen, und wie ging es Ihnen während des Lockdowns?

Alle sind gesund durch diese Zeit gekommen, daher bin ich sehr zufrieden. Vor dem Hintergrund, dass wir vier Kinder haben und die Kitas geschlossen waren, sind die ersten Wochen intensiv gewesen. Intensiv, aber auch sehr schön.

Es war gleichzeitig eine sehr ungewohnte Situation, da die Ungewissheit herrschte, ob und wie es in der Bundesliga weitergeht – und mit der Zeit sind die Kinder natürlich auch ein bisschen unzufriedener geworden.

Viele Menschen mussten und durften während der ersten Wochen viel Zeit mit der Familie verbringen. Konnten Sie diesen Luxus genießen?

Auf jeden Fall. Normalerweise arbeitet meine Frau, ich bin im Training oder bei den Spielen. So konnten wir viele Dinge machen, für die wir sonst nicht so viel Zeit haben, wie etwa eine Radtour. Es war sehr schön – eben bis den Kindern die Decke auf den Kopf gefallen ist. (lacht)

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In anderen Familien war die Stimmung weniger gut. Stichworte: Häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch. Sie setzen sich für die Freiburger Beratungsstelle Wendepunkt und den Verein „Wir helfen Kindern“ ein. Wie kam es dazu?

Meine Frau und ich hatten schon die letzten Jahre viel gespendet. Dann kam der Punkt, an dem wir gesagt haben, dass wir ein regionales Projekt aktiv unterstützen wollen. Wir sind beide wohlbehütet aufgewachsen, wie auch unserer Kinder jetzt.

Deshalb wollen wir anderen Kindern helfen, denen es nicht so gut geht. Es ist uns ein Anliegen, dieses Projekt und den Verein zu unterstützen, um etwas zu bewegen.

Nicloas Höfler im Zweikampf mit Torschützenkönig Robert Lewandowski vom FC Bayern München.
Nicloas Höfler im Zweikampf mit Torschützenkönig Robert Lewandowski vom FC Bayern München. | Bild: Sven Hoppe

Wie genau engagieren Sie sich?

Aktuell läuft in Freiburg eine Plakataktion mit meinem Bild und dem Satz „Niemand darf dich anfassen, wenn du es nicht willst!“ Damit wollen wir Kinder darauf aufmerksam machen, dass sie sich Hilfe holen können. Sexueller Missbrauch ist ein Tabuthema und schambehaftet, und jeder behauptet: Bei uns gibt es das nicht! Aber das ist falsch, und wir sollten offensiv damit umgehen.

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In der Bundesliga ging es am 16. Mai wieder los mit den so genannten Geisterspielen. Wie fühlt sich ein leeres Stadion an, wenn man es gewöhnt ist, vor zehntausenden Fans zu spielen?

Das ist natürlich ein totaler Unterschied und sollte bitteschön kein Dauerzustand sein. Die Mannschaften und Vereine haben diese Situation aber gut gemeistert mit Spielen auf hohem Niveau, obwohl die Emotionen von den Rängen fehlten.

Es hatte den Anschein, als ging es – bei allem Einsatz – auf dem Feld unter den Spielern freundschaftlicher und unaufgeregter zu.

Die Fans bringen nun mal viel Emotionalität rein, das heizt auch das Geschehen auf dem Rasen auf. Das hatten wir in den letzten Spielen tatsächlich nicht so wie sonst. Dass es weniger hitzig zugegangen ist, war auch mal sehr angenehm. Das ist mir an mir selbst aufgefallen. Trotzdem: Wir wünschen uns alle die Zuschauer zurück, keine Frage.

Die Partie in der Allianz-Arena fand am 33. Spieltag vor leeren Rängen statt.
Die Partie in der Allianz-Arena fand am 33. Spieltag vor leeren Rängen statt. | Bild: Sven Hoppe

Der SC Freiburg hat die Saison auf dem achten Rang beendet. Gerade aus Ihrer Sicht wäre es doch fast schon tragisch gewesen, wenn eine so erfolgreiche Runde abgebrochen worden wäre.

Definitiv – auch wenn wir die Saison leider nicht mit einem Europa-League-Platz vergolden konnten. Ich bin sehr zufrieden, dass wir unsere gute Leistung bis zum 34. Spieltag bestätigen konnten – und trotzdem ein wenig traurig, dass am Ende nur ein Punkt gefehlt hat.

Gibt es das eine Spiel, dem Sie noch nachtrauern?

Wir haben einerseits viele Spiele gegen Gegner, die hintendrin standen, verloren oder nicht gewonnen. Auf der anderen Seite haben wir aber auch gegen die vorderen Mannschaften den einen oder anderen Punkt geholt – das gleicht sich immer aus im Lauf einer Saison.

Entscheidend war aber sicherlich das Spiel in Wolfsburg (2:2, d. Red.). Mit einem Sieg hätten wir es definitiv gepackt. Ich will aber nicht meckern: Es war eine gute Saison mit stabilen Leistungen, in der wir nichts mit dem Abstieg zu tun hatten.

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Nach der Coronapause folgt nun die Sommerpause. Nutzen Sie die Zeit zum Durchatmen auch in Ihrer alten Heimat am Bodensee?

Ich werde sicher ein, zwei, drei Tage zu meinen Eltern nach Herdwangen heimfahren. Wie früher drei Wochen am Stück geht aber nicht mehr ganz so einfach mit den Kindern. Ich genieße die Zeit trotzdem immer wieder. Früher habe ich auch immer mal wieder bei den Spielen meines Bruders bei der SpVgg F.A.L. zugeschaut, aber das geht im Moment ja auch nicht.

Zuletzt ist vieles überdacht worden, nicht nur im Fußball. Was wünschen Sie sich für die Zeit nach Corona?

Ich wünsche mir mehr gegenseitige Rücksichtnahme und dass die Menschen mehr aufeinander achten. Das war aber auch schon vor Corona der Fall. Das ist ein gesellschaftliches Ding, das wir generell aufrechterhalten und verbessern sollten.

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