Fußball: Wir treffen uns mit Ryotaro Tomizawa, dem japanischen Neuzugang des 1. FC Rielasingen-Arlen, kurz vor dem DFB-Pokalspiel am Sonntag gegen Holstein Kiel. Schon bei der ersten Frage muss er passen. Nein, den ersten japanischen Spieler, der in der Bundesliga spielte, kenne er nicht, sagt der 21-Jährige. Im Jahre 1977 verpflichtete der 1. FC Köln einen Amateur von einer japanischen Werksmannschaft, was damals bei den Fans für Kopfschütteln sorgte. Wenn man um den Titel mitspielen wolle, dann müsse man Brasilianer verpflichten, so die landläufige Meinung. Wenige Monate später schon war Yasuhiko Okudera Kult in Köln, der FC holte mit ihm unter Trainerlegende Hennes Weisweiler prompt das Double.

Debüt vor wenigen Wochen

Vor wenigen Wochen, im Halbfinale des südbadischen Pokals, gab Ryotaro Tomizawa, den auf der Rielasinger Talwiese alle „Tomi“ nennen, sein Debüt. Zunächst noch eingewechselt, stand er bereits wenige Tage später schon in der Anfangsformation. Und spätestens seit dem 3:0-Finalsieg im südbadischen Pokal über den SV Oberachern zählt der 21-Jährige zu den Leistungsträgern und hilft mit, das Loch im Offensivbereich nach den Abgängen von Nedzad Plavci, Silvio Battaglia und Christian Mauersberger zu stopfen.

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Im Jahr 2016 kam er aus Japan zur U19 des Zweitligisten SV Sandhausen. Keine leichte Zeit für den damals 17-Jährigen, wie er beschreibt: „Das war sehr schwer! Ich konnte kein Deutsch und kannte hier niemanden, da ich ohne Familie nach Deutschland gekommen bin.“ Schon der Besuch im Supermarkt stellte ihn vor unüberwindbare Probleme. Parallel zum Fußball besuchte er die Sprachschule, und in der Zwischenzeit ist sein Deutsch flüssig, die Kommunikation mit ihm problemlos möglich.

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Aber auch sportlich war der Auftakt eher beschwerlich. Zum einen musste er sich an den deutschen Fußball gewöhnen. „Ich finde, der japanische Fußball ist technischer, aber in Sachen Zweikämpfe und Körperkontakt ist der Fußball hier etwas ganz anderes.“ Hieran müsse er noch arbeiten, räumt „Tomi“ ein. Im Spiel setzt er mit dem Ball am Fuß Akzente, geht dynamisch in Eins-gegen-Eins-Situationen und macht Dinge, die für Szenenapplaus sorgen. Aber er hat auch schon verinnerlicht, dass beim von Trainer Michael Schilling geforderten Pressing alle Spieler bei der Balleroberung mitwirken müssen.

Immer gut gelaunt, auch abseits des Platzes: Ryotaro Tomizawa, der 21-jährige Neuzugang aus Japan, tritt mit dem 1. FC Rielasingen-Arlen am Sonntag in der ersten DFB-Pokalrunde in Kiel an.  Bild: Rössler
Immer gut gelaunt, auch abseits des Platzes: Ryotaro Tomizawa, der 21-jährige Neuzugang aus Japan, tritt mit dem 1. FC Rielasingen-Arlen am Sonntag in der ersten DFB-Pokalrunde in Kiel an. Bild: Rössler | Bild: privat

Stete Wechsel in seiner Anfangszeit machten die Integration ebenfalls schwer: Von Sandhausen II nach Neckarelz verliehen, zurück nach Sandhausen, dann in die hessische Verbandsliga zu Wald-Michelbach, danach zum SV Spielberg, wo er erste Oberligaerfahrungen sammeln konnte. Seit einigen Wochen ist er nun im Hegau, wo er sich gut integriert hat. „Bis jetzt läuft es bei mir gut“, bestätigt er. Und auch sein Trainer Michael Schilling ist zufrieden: „Tomi hat bereits eine wichtige Rolle im Team übernommen und arbeitet sehr professionell.“ Und abseits des Platzes zeichne ihn seine gute Laune aus, betont der Coach.

Bild: holstein-kiel.de

Nun geht es am Sonntag gegen den Zweitligisten Holstein Kiel – für die jungen, ambitionierten Spieler der Rielasinger wie Gianluca Wellhäuser oder eben auch Ryotaro Tomizawa eine gute Gelegenheit, um festzustellen, was noch fehlt zum höherklassigen Fußball. Schließlich war Fußball der Grund für den damals 17-jährigen Japaner, nach Deutschland zu kommen. Schilling sieht aber gute Perspektiven: „Mit dem großen Potenzial, das Tomi hat, werden wir in den kommenden Jahren viel Freude an ihm haben!“

Vielleicht ja schon am Samstag, beim Gastspiel im hohen Norden in Kiel, wo Ryotaro Tomizawa die Chance hat, sich auf großer Bühne zu beweisen und zum Publikumsliebling der Rielasinger Fans zu werden – so wie einst Yasuhiko Okudera in Köln.

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