Hallo Frau Meßmer, wie läuft‘s bei Ihnen beim 1. FC Köln?

Wir stecken gerade mitten im Abstiegskampf, was natürlich nicht so schön ist. Das erste Spiel nach der Zwangspause haben wir leider deutlich mit 0:4 verloren. Aber das war auch gegen den souveränen Tabellenführer VfL Wolfsburg. In den Spielen gegen Duisburg und Essen haben wir dann vier Punkte geholt, was uns etwas Luft verschafft.

Bild: privat

Waren Sie glücklich, dass es Ende Mai endlich wieder losgegangen ist in der Frauen-Bundesliga?

Ich habe da gemischte Gefühle. Zum einen sind wir natürlich froh, wieder Fußball spielen zu dürfen, was ein Privileg ist. Andererseits ist es für uns beim 1. FC Köln eine schwierige Situation, da wir im Gegensatz zu Mannschaften wie Wolfsburg oder Bayern München nicht alle Profis sind, sondern auch noch andere Jobs haben. Uns stehen nun harte Zeiten bevor, mit vielen Englischen Wochen durch Nachholspiele, was auch die Verletzungsgefahr erhöht. Ein bisschen Wettbewerbsverzerrung ist da schon dabei, weil manche Clubs auch viel früher als wir ins Mannschaftstraining einsteigen konnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Wäre aus Ihrer Sicht ein Saisonabbruch besser gewesen?

Vielleicht wäre ein Abbruch ohne Absteiger die fairere Lösung gewesen. Wir haben nur zwölf Teams in der Liga, da wäre eine Aufstockung in der neuen Saison schon möglich gewesen. Manchmal frage ich mich auch, ob das der Gesellschaft gegenüber fair ist, dass wir wieder spielen, während noch so vieles im Stillstand ist, wie beispielsweise Schulen oder auch andere Sportarten.

Welche Corona-Maßnahmen gibt es in der Frauen-Bundesliga?

Es ist dasselbe Konzept wie bei den Männern. Bevor es losging, waren wir eine Woche lang im Quarantäne-Hotel und werden regelmäßig auf Corona getestet. Alles wichtige Maßnahmen. Es ist allerdings schon etwas befremdlich, dass die Ersatzspielerinnen mit Maske und Abstand auf der Tribüne sitzen müssen, man nach einem Tor nicht gemeinsam jubeln darf und auf Handshakes oder Ähnliches komplett verzichten muss.

Wie können Sie Ihr Sportstudium an der Sporthochschule Köln mit dem Profifußball beim 1. FC vereinbaren?

Als ich nach Köln kam, habe ich zuerst bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga gespielt, was mit dreimal Training pro Woche am Abend gut geklappt hat. In der Bundesliga haben wir jetzt fünf bis sieben Einheiten in der Woche, teilweise tagsüber, was für mich als Studentin auch noch irgendwie machbar war. Da ich mein Studium fast abgeschlossen habe, ist das jetzt sowieso kein Problem mehr. Einige meiner Mannschaftskolleginnen arbeiten aber sogar Vollzeit, was einen riesigen Spagat erforderlich macht. Andererseits können die Spielerinnen, die eine Ausbildung oder einen festen Job haben, beruhigter auf die Zeit nach dem Fußball blicken.

Das könnte Sie auch interessieren

Schauen Fußballerinnen voller Neid auf die männlichen Kollegen mit astronomischen Gehältern und Transfersummen?

Der Männerfußball ist eine ganz andere Welt. Da gibt es natürlich auch viel höhere Einnahmen durch Fernsehrechte und volle Stadien. Aber bei den Transfersummen, die da gehandelt werden, wird einem schon schwindelig. Eigentlich darf man gar nicht darüber nachdenken, aber wir Fußballerinnen haben gleichviel Aufwand wie die Männer, verdienen jedoch nur einen Bruchteil davon.

Ist denn wenigstens bei den Frauenspielen des 1. FC Köln Geißbock Hennes als Maskottchen dabei wie bei den Männern?

Nein, leider nicht. Hennes fehlt natürlich gewaltig. (lacht) Aber wir haben wenigstens auch Cheerleaderinnen bei unseren Heimspielen und meistens auch den Stadionsprecher der Männer zur Verfügung.

Sie haben vor Ihrem Wechsel zum Hegauer FV zusammen mit Ihrem Zwillingsbruder Dennis in einer Jugendmannschaft beim FC Hilzingen gespielt. Wie kamen Sie mit den Jungs klar?

Das waren zum Glück alles tolle Jungs in der Mannschaft. Wenn man als Mädchen schneller oder besser ist als manche männliche Gegner, wird man schon mal rüde attackiert oder verbal angegangen. Aber meine Mitspieler haben immer zu mir gehalten und mich sogar zur Kapitänin gemacht. Ich bin froh, dass ich mich bei den Jungs durchgesetzt habe. Das hat mir viel gebracht auf meinem Weg in die Bundesliga.

Meike Meßmer (Mitte) im Trikot des Hegauer FV beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg im Jahr 2016.
Meike Meßmer (Mitte) im Trikot des Hegauer FV beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg im Jahr 2016. | Bild: Peter Pisa

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Mitspielerinnen beim Hegauer FV?

Klar. Ich verfolge regelmäßig, wie es bei den Mädels läuft. Leider kann ich nicht mehr oft in den Hegau kommen, aber wenn ich da bin und Zeit habe, schaue ich mir gerne auch ein Spiel des HFV an.