Die Nummer 15 ist schon vor Ort. Gestern hat sich Paul Kaletsch, der Torjäger, privat auf den Weg gemacht nach Hessen, wo die HSG Konstanz heute Abend (19.30 Uhr) mit dem Auswärtsspiel beim TV Hüttenberg die Handball-Zweitligasaison eröffnet. Das ist eine gute Nachricht, denn am vergangenen Pokalwochenende in Aue hatte der 27-Jährige verletzt ausgewechselt werden müssen. „Ich bin einem Gegenspieler auf den Fuß getreten und umgeknickt“, schildert er die Szene, die eine Dehnung im Außenband des Sprunggelenks zur Folge hatte. Vor der Abfahrt nach Hüttenberg hat Kaletsch Entwarnung gegeben: „Einsatz nicht gefährdet.“

Paul Kaletsch beim Fotoshooting vor der Saison.
Paul Kaletsch beim Fotoshooting vor der Saison. | Bild: Peter Pisa

„Auf die Tagesform kommt es an“

Kaletsch ist heiß auf den Auftakt in Liga zwei, auch wenn er das kühl zu verbergen weiß. „Auf die Tagesform“ komme es an und darauf, „wie wir mit der offensiven 3:2:1-Deckung der Hüttenberger klar kommen“. Der technisch versierte „Paule“ sieht da weniger Probleme, „ich spiele gerne gegen so eine Abwehrformation“ – die den HSG-Handballern freilich hohe Konzen-tration im Passspiel abverlangen wird. Vor allem, so Kaletsch, gelte es „die Anfangsminuten hinzukriegen“, um nicht gleich einem Rückstand hinterherlaufen zu müssen. Das ist den Konstanzern leider oft passiert, zuletzt auch in Aue, als es schnell 3:7 stand und am Ende 25:27 hieß. „Vielleicht sollten wir anfangs nicht zu viel Risiko gehen“, sinniert Kaletsch, schwächt das aber auch sofort wieder ab, „andererseits sind wir eben auch eine junge Mannschaft, die mutig ist.“ Diese Richtung passt eher zum HSG-Leistungsträger. „Ich gehe ja auch gern voran, weil der Mut immer das Risiko zurückdrängt“, sagt Kaletsch. Eine Einstellung, die bei ihm nicht nur im Handball, sondern für das Leben schlechthin gilt.

Was kommt nach dem Handball?

Gedanken an das, was nach dem Handball kommt, treiben ihn längst um. Paul Kaletsch steckt mittendrin im Masterstudium Personalmanagement, das Berufsleben ist so fern nicht mehr. Weiterspielen mit fließendem Nebenher-Berufseinstieg? Aufhören mit Handball, eine Pause machen und mal das Leben in einem überschaubaren Zeitraum „flexibel gestalten“? Oder „was Verrücktes machen“, und noch zwei, drei Jahre mit Handball den Lebensunterhalt verdienen? Angebote hatte der wurfgewaltige Rechtshänder, „aber alle ein, zwei Jahre zu wechseln, konnte ich mir nie vorstellen“.

HSG Konstanz passt besser zu Kaletsch

Die HSG Konstanz passte besser zu Kaletsch, seinen Ideen, seinen Plänen. „Konstanz hat eine gute Größe und man kann vieles tun, was anderswo nicht geht“, sagt er. Zum Beispiel den Bootsführerschein, den Käpt‘n Paule zusammen mit Kumpels gemacht hat. Es wird ihn eines Tages wohl fortziehen, „aber wenn es so kommt, ist eine Rückkehr immer eine Option.“

Paul Kaletsch geht viel durch den Kopf

Die Zukunft? Headhunting, also geeignetes Personal für Firmen zu vermitteln, Personal Coaching für Führungskräfte, eine innovative Arbeit im Einzelhandel mit Nähe zum Produkt – Paul Kaletsch geht viel durch den strukturierten Kopf. Auf jeden Fall will er „mit Menschen arbeiten, mit positivem Stress vieles vorantreiben“. Klingt gut – und auch schon wieder nach Handball. Er wird dem Sport treu bleiben, wenig wahrscheinlich sei eine Trainerkarriere, glaubt Kaletsch, „aber strategisch eine Organisation entwickeln“, das kann er sich vorstellen bis hin, „einen Verein zu führen“.

Größtmöglicher Anführer auf dem Spielfeld

Seit Jahren führt Paul Kaletsch bereits die Mannschaft der HSG Konstanz. Vorbilder hat er vor allem in der NBA gefunden, der Profi-Basketballliga in Nordamerika. „Da gibt es viele Akteure, die ständig Verantwortung übernehmen“, schildert er seine Wahrnehmung, „ich versuche auch, auf dem Spielfeld der größtmögliche Anführer zu sein.“ Was bedeutet, dass der Mann mit dem guten Auge und dem präzisen Wurf gerne den sogenannten „letzten Ball“ fordert. Mit Mut und dem verbundenen Risiko des Fehlwurfs. „Wenn ich verwerfe“, erklärt Kaletsch, „dann kann ich aber damit umgehen.“ Meistens läuft es gut. Mehr als 1000 Tore hat der gebürtige Gießener für die HSG geworfen, in den vier Spielen des Aufstiegsmarathons im Schnitt 8,5 – die nächsten Volltreffer soll es in Hüttenberg geben.

„In Hüttenberg ist was möglich“

Denn eines ist gewiss: Auch wenn sich Paul Kaletsch, der bei der HSG Konstanz noch einen Vertrag bis Ende dieser Saison hat, oft Gedanken um die berufliche Zukunft macht, ist jetzt erst mal wieder Handball. Mit dieser kurzfristigen Aussicht: „Ich glaube, in Hüttenberg ist was möglich.“

Fabian Maier-Hasselmann.
Fabian Maier-Hasselmann. | Bild: Peter Pisa

Die Heimspiele im Jahr 2019

  • Freitag, 30. August, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – SG BBM Bietigheim
  • Samstag, 7. September, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – Hamm-Westfalen
  • Samstag, 21. September, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – Lübeck-Schwartau
  • Samstag, 5. Oktober, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – EHV Aue
  • Samstag, 19. Oktober, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – TV Emsdetten
  • Samstag, 9. November, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – TSV B. Dormagen
  • Samstag, 23. November, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – HSC 2000 Coburg
  • Samstag, 7. Dezember, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – VfL Gummersbach
  • Samstag, 21. Dezember, 20.00 Uhr
    HSG Konstanz – HC Elbflorenz 2006
  • Donnerstag, 26. Dezember, 17.00 Uhr
    HSG Konstanz – TV Hüttenberg

Handball-Idole, Highlights und die HSG Konstanz

  1. .Die 2. Handball-Bundesliga: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte nur noch 18 Mannschaften umfasst die 2. Bundesliga. Durch fünf Absteiger und einen Drittliga-Meister, der nicht aufsteigen durfte, sehen viele Trainer und Experten die Liga nun so stark und gleichzeitig ausgeglichen wie nie. HSG-Trainer Daniel Eben: „Es sieht so aus. Auf jeden Fall ist es die stärkste 2. Liga, an der wir je teilgenommen haben.“ Dafür sorgt allein schon das illustre Feld der Teilnehmer.
  2. .Die Highlights: An Highlights wird es nicht mangeln. Bei 17 Heimspielen werden elf Ex-Erstligisten auflaufen. Darunter befinden sich so große Namen wie der HSV Hamburg (Champions-League-Sieger 2013), Erstliga-Absteiger VfL Gummersbach (einer der erfolgreichsten deutschen Vereine) oder Lübeck-Schwartau (DHB-Pokalsieger von 2001) sowie Altmeister TuSEM Essen (u.a. Europapokalsieger 2005). Überhaupt stehen in den Aufgeboten der Zweitligisten viele ehemalige und aktuelle Nationalspieler.
  3. .Reisemeister HSG: Knapp 19 000 Kilometer wird die HSG zu ihren Auswärtsspielen zurücklegen müssen. Zwar ist der Wunsch der Konstanzer Verantwortlichen, trotz der großen Herausforderungen, sich langfristig im Bundesliga-Unterhaus zu etablieren, unüberlegte Dinge oder Ausgaben, die das Budget des „gut aufgestellten Unternehmens mit positivem Eigenkapital“ (HBL) nicht hergeben, sind ausgeschlossen. „Wir geben nur das aus, was wir haben“, stellt Sportchef André Melchert klar.
  4. .Ziel Klassenerhalt: Die Breite des Kaders und der gute Zusammenhalt im Team soll zum Pfund werden. Vor allem möchte die HSG ihre Heimstärke aufbauen. Bereits in der 3. Liga strömten im Schnitt 1200 Fans zu den Heimspielen, in der neuen Spielzeit ist die Euphorie nicht geringer. Ein Rekord an verkauften Dauerkarten lässt auf vollbesetzte Ränge in der „Schänzle-Hölle“ hoffen.
  5. .Die Neuzugänge: Linkshänder Matthias Hild kam in der Rückrunde und
    hatte mit starken Leistungen einen gehörigen Anteil am Aufstieg. „Er hat“, lobt Eblen, „eine sehr gute Vorbereitung gespielt. Genauso wie Fynn.“ Fynn Beckmann (HBW Balingen-Weilstetten) überzeugt mit Wendigkeit und Geschwindigkeit. Torwart Michael Haßferter (HC Erlangen) macht mit guten
    Leistungen ebenfalls schon auf sich aufmerksam. „Mit Michi erhoffen wir uns noch einen Kick, die Torwart-Leistung wird ganz wichtig sein.“ Der mit erst 19 Jahren Jüngste im Kader ist Linksaußen Aron Czako, der schon zeigte, dass „er souverän
    agieren kann“, lobt Eblen.
  6. .Der Modus: Zwei Mannschaften steigen in die 1. Bundesliga auf, die letzten beiden direkt in die 3. Liga ab. Der Drittletzte bestreitet zwei Relegationspartien um den Klassenverbleib.
  7. .Das erste Heimspiel: Am 30. August treffen die Konstanzer auf Bietigheim, das als Titelfavorit gilt. Tickets: www.hsgkonstanz.de/ticktes. (joa)