Die Bilder der Zerstörung in den Katastrophengebieten von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen lösten in Deutschland eine Welle der Solidarität aus. Neben den schnell bereitgestellten finanziellen Nothilfen der Politik kam es in den ersten Tagen vor allem auf helfende Hände vor Ort an. Auch Hilfsgruppen aus der Region machten sich auf den Weg in die Krisengebiete.

Kreis Konstanz

Aus dem Landkreis Konstanz sind drei Notfall-Krankentransportwagen in die Region im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz gefahren, wo das Hochwasser in der vergangenen Woche besonders verheerend war. Zwei Teams aus der Mannschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK, Ortsverbände Singen und Konstanz) und ein Team aus der Konstanzer Malteser-Hilfsorganisation waren vor Ort.

Völlig zerstört ist diese Brücke über die Ahr in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe.
Völlig zerstört ist diese Brücke über die Ahr in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe. | Bild: Boris Roessler

Unter ihnen waren auch Sabine Hartauer und Jörg Scholten von den Maltesern in Konstanz. Ihr Einsatz dauerte, die Hin- und Rückfahrt von jeweils etwa 500 Kilometern inbegriffen, knapp 54 Stunden. Von Donnerstagnacht bis Samstagnachmittag waren sie im Dauer-Einsatz.

Ihre Aufgabe war es, den Rettungsdienst in der Krisenregion zu unterstützen – beispielsweise bei der Verlegung von Patienten aus Krankenhäusern und Pflegeheimen.

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Auch weitere Helfer aus dem Kreis Konstanz waren im Kriseneinsatz in Ahrweiler und berichten von ihren Erfahrungen: „Auf diese Bilder konnten wir uns nicht vorbereiten“, sagen die Einsatzkräfte. So haben zwei DRK-Mitarbeiter aus Singen und dem Hegau die Lage im Hochwasserkatastrophengebiet erlebt.

Die Schäden in Ahrweiler sind enorm.
Die Schäden in Ahrweiler sind enorm. | Bild: Luca Kramer
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Schnelle Hilfe kam auch aus Steißlingen: Der DRK-Ortsverein und Gemeinde hatten eine Hilfsaktion für sechs vom Hochwasser betroffenen Städte in Rheinland-Pfalz organisiert.

Hochrhein

Ebenfalls in die Region nahe Bonn zog es Helfer vom Hochrhein: Zwölf Mitglieder der Bergwacht Schwarzwald aus unterschiedlichen Ortsgruppen waren mit sechs Fahrzeugen nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gefahren.

Gemeinsam mit den Berufsfeuerwehren Stuttgart, Heilbronn, Reutlingen und Pforzheim bildeten sie dort auf direkte Weisung des Innenministeriums eine Hilfs-Einheit.

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Einer von ihnen war Adrian Probst, Vorsitzender der Bergwacht Schwarzwald und Bürgermeister von St. Blasien. „Das, was man zu sehen bekommt, kann man sich nicht vorstellen, wenn man nicht selbst vor Ort ist“, sagte der bewegte Bürgermeister Probst.

Adrian Probst von der Bergwacht Schwarzwald.
Adrian Probst von der Bergwacht Schwarzwald. | Bild: Patrick Seeger

Auch der THW Ortsverband Bad Säckingen hatte 14 Helfer der Fachgruppe Infrastruktur zur Hilfe nach Rheinland-Pfalz entsandt.

Insgesamt sind in Deutschland 2500 Helfer des THW im Einsatz. Dazu gehört ebenfalls ein Helfer aus dem Ortsverband Waldshut-Tiengen. Dieses Team ist spezialisiert auf die psychosoziale Betreuung von Einsatzkräften nach belastenden Einsatzsituationen.

Ehrenamtliche des DRK Kreisverbands Säckingen waren in Bad Neeunahr-Ahrweiler im Einsatz.
Ehrenamtliche des DRK Kreisverbands Säckingen waren in Bad Neeunahr-Ahrweiler im Einsatz. | Bild: DRK Kreisverband Säckinen

Ebenso waren Feuerwehren vom Hochrhein im Krisengebiet aktiv: Der Katastrophenschutzzug des Landkreises wurde am Mittwoch, 21. Juli, alarmiert. Dieser setzt sich aus der Feuerwehr Laufenburg, der Feuerwehr Wehr und der Feuerwehr Bad Säckingen zusammen. Um 13.30 Uhr ging es für diesen Zug nach Bruchsal zur Landesfeuerwehrschule. Im Verbund fuhr man dann weiter in die Hochwassergebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Auch der Öflinger Björn Griener unterstützte die Hilfskräfte in Ahrweiler mit seiner Fachkenntnis als Dienstleister für Kanalarbeiten. Er nahm auch tonnenweise Spenden mit in den Norden.

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Oliver Schapfel aus Wallbach fuhr ins Hochwasserkatastrophengebiet nach Rheinland-Pfalz und nahm seinen Saugbagger und einen Transporter mit Spenden mit. Mit dem Spezial-Saugbagger kann der Schlamm schnell und einfach beseitigt werden.

Sie spenden zudem sogar Heu für die Krisengebiete: Landwirte aus dem Landkreis Waldshut wollen mit drei Lastwagen voller Spenden aushelfen.

Bodenseekreis

Auch Hilfskräfte vom Bodensee waren einige Tage unterwegs, um die Menschen im Katastrophengebiet zu unterstützen.

Einer von ihnen ist Julian Schweikart vom Überlinger Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Gemeinsam mit Jörg van de Loo war er zum Helfen von Donnerstag bis Samstag in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Julian Schweikart und Jörg van de Loo vom DRK Überlingen waren drei Tage im Landkreis Ahrweiler und haben die Menschen in Not unterstützt.
Julian Schweikart und Jörg van de Loo vom DRK Überlingen waren drei Tage im Landkreis Ahrweiler und haben die Menschen in Not unterstützt. | Bild: DRK Überlingen

„Es war selbstverständlich, den Menschen in Not zu helfen“, sagte er nach dem 50-stündigen Einsatz. Deswegen habe er auch keinen Moment gezögert, als die Einsatzmeldung bei ihm eintraf. „Die Tätigkeit beim DRK ist ein besonderes Hobby, bei dem jeder Tag von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt werden kann“, sagt Schweikart.

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Er hatte mit weiteren Helfern die Aufgabe, das Krankenhaus und das Hospiz in Bad Neuenahr-Ahrweiler zu evakuieren. Außerdem organisierten sie dringende Medikamententransporte und unterstützten die Rettungsdienste vor Ort.

Auch die Tanzschule No. 10 aus Überlingen packte an einem Hilfskonvoi. Tanzschulleiter Andreas Sieber weiß dabei, was er macht, denn er hat bereits Erfahrung in der Organisation von Hilfstransporten. Von privaten Initiativen raten die Helfer aber dringend ab.

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Linzgau

Die Hilfsbereitschaft war auch im Landkreis Sigmaringen sehr groß. Nachdem bereits kurz nach der Katastrophe 13 Lastwagen mit Sachspenden ins Krisengebiet gen Norden gefahren waren, fuhren weitere Einsatzkräfte los. Sie lösten erschöpfte Einsatzkräfte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ab.

Diejenigen, die aus dem Krisengebiet wieder zurückkehrten, brachten erschütternde Eindrücke mit. Mitglieder der Feuerwehren Sigmaringen, Pfullendorf und Mengen berichteten aus dem Hochwassergebiet in Rheinland-Pfalz: „Die ganze Infrastruktur wurde einfach weggespült.“

Die Feuerwehren aus dem Landkreis Sigmaringen auf dem Weg ins Krisengebiet.
Die Feuerwehren aus dem Landkreis Sigmaringen auf dem Weg ins Krisengebiet. | Bild: Landratsamt Sigmaringen
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Schwarzwald

Insgesamt acht Mitglieder von Rotem Kreuz (DRK) und dem Malteser Hilfsdienst (MHD) aus dem Schwarzwald haben in den vergangenen Tagen den Menschen im besonders stark betroffenen Landkreis Ahrweiler geholfen.

Stellvertretend für die Gruppe berichten Michael Weißer (DRK Ortsverein Furtwangen und Kreisbereitscjaftsleiter im Kreisverband Donaueschingen) und Maximillian Riegger (Malteser Hilfsdienst), wie sie in der Katastrophenregion geholfen haben.

Zeigt das was von der Straße und den Fußwegen unmittelbar vor dem evakuierten Krankenhaus noch übrig war. Mit der Matratze wurde ein Patient aus seinem Zimmer nach unten getragen. Im Hintergrund ist ein PKW zu erkennen welche hochkant an einem Baum lehnt.
Im Kreis Ahrweiler war die Zerstörung besonders groß. | Bild: Maximilian Riegger