Im mittleren Teil des Hefts „Bonndorf in Wort und Bild“, verfasst von der Mädchenklasse 9b der Hauptschule Bonndorf anno 1968, brachten die Schülerinnen die Vereine, „die das Leben im Städtchen vielfältig gestalten“, zu Papier.

Die damaligen Vereine

Die an sich nüchterne Auflistung nennt 13 Vereine und bietet aus heutiger Sicht Aha-Effekte: „Sportverein, Vorsitzender Harald Weishaar, Mitglieder 360; Tischtennis, Kurt Schüle, 90; Musikverein, Gerhard Schüle, 30; Gesangverein, Werner Spachholz, 60 aktiv, 90 passiv; Skiclub, Hans Hirschbeck, 200; Feuerwehr, Wilhelm Bechthold, 56; Schachclub, Günther Leonhard, 14; Narrenzunft, Theo Hany, 13; ADAC, Artur Riesterer, 110; Schwarzwaldverein, Thomas Heidegger, 105; Kirchenchor, Josef Winterhalder, 60; Tennisclub, Karl Sigwart, 40; Kolpingsfamilie, Lothar Selb, Kolping 31, Jung-Kolping 13 und Alt-Kolping 30 Mitglieder.“ Betrachtet man die Vereinswelt heute, fällt auf, dass sich einiges bei den Mitgliederzahlen geändert hat, ebenso kamen etliche Vereine hinzu. Rund 50 Vereine zählt Bonndorf heute ohne Ortsteile.

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Auf der gegenüberliegenden Seite kommt „Die Fastnacht“ in Bonndorf zur Sprache. Die Einleitung hört sich pathetisch an: „Kaum fängt nach Weihnachten der Tag wieder zu wachsen an, dringt auch mit dem ersten Frühlings­ahnen den Menschen in der Baar und im Schwarzwaldgebiet jene geheimnisvolle Naturkraft ins Blut, die den Saft ins Baumgeäst treibt und die Knospen schwellen lässt. Sie verwandelt die sonst ein wenig verschlossenen und schwerblütigen Menschen.“

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Weiter ist von Fasnet und den „drei höchsten Fiertigen“ die Rede, „dem Schmutzigen Dunnstig“, dem „Fasnet-Mäntig“ und „Fasnet-Zieschtig“. Detailliert wird das Häs eines Pflumeschluckers mit Maske und 22 Glocken beschrieben, „die mit ihrem erregenden Klang die winterlichen Dämonen verscheuchen sollen“. Was heute am Schmutzigen Dunschdig als Narrensprung tituliert wird, nannte man 1965 „Narreneinholen“. „Auf einem riesigen Tannenbaum von 33,33 Metern sitzend, hält der Elferrat seinen Einzug.“ „Fasnetausrufen an größeren Plätzen, Hemdglonkerumzug, Bonndorfer Fasnetspiele, das Verbrennen einer Strohpuppe am Latschariplatz“ zeigen weitere Parallelen zum Prozedere der Gegenwart auf.

Brand vernichtet Akten

Mit einem Großbrand, „bei dem 1844 das Bonndorfer Rathaus zugrunde ging“, seien auch viele wichtige Akten über die Bonndorfer Fasnet vernichtet worden. Der Beitrag schließt mit der Feststellung, „dass man die Geschichte der Pflumeschlucker bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen kann.“

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Fasnacht war in Bonndorf vor 50 Jahren bereits ein bedeutendes Datum. Anstelle der heute üblichen sechs, kannte man drei wichtige Fasnachtstage. Am Freitag, Samstag und Sonntag waren öffentliche Fasnachtsfeiern tabu. Nicht von ungefähr lassen sich bis heute dem Schmutzigen Donnerstag, Fasnet-Mendig und Zieschdig mehr Tiefgang abgewinnen als an den übrigen Tagen.

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Dass viele Menschen den Sinn der Bonndorfer Fasnacht noch heute mit dem Austreiben der Winterdämonen erklären, ist vielerorts auch heute übliche Lesart. Trotzdem wissen wir eigentlich, dass die Fasnacht als Nacht vor der 40-tägigen Fastenzeit ihren Ursprung hat. Die Existenz von Winteraustreibebräuchen wird dadurch nicht infrage gestellt: Bestes Beispiel: der „Lausheimer Bärensprung“.

Vor der Gemeindereform

Dass in dem Heft nur Bonndorfer Vereine und Fasnacht auftauchen und keine Ortsteile, lässt sich so erklären, dass diese 1965 selbstständige Gemeinden waren und erst bei der Gemeindereform zu Wutach oder Bonndorf kamen. Heute erleben Bären, Geißen, Holderhafä, Störche, Frösche, Schnecken, Räuber und Pflumeschlucker Zulauf. Gleichzeitig tragen Guggenmusiken, neue Narrengruppen, Nachtumzüge und Frauenfastnachtsveranstaltungen zu einer bunten Vielfalt der Fasnacht bei.