Ebenfalls sehr ungewöhnlich: Alle Zunftmeister gehen erstmals seit vielen Jahren in der traditionell närrischen Hochphase zum Arbeiten. Das wäre unter normalen Umständen ein Unding, ein Sakrileg. Der SÜDKURIER hat sich bei Zunftmeistern aus Markdorf und aus den Stadtteilen umgehört, wie sie ihre geliebte Fasnet verbringen und erleben.

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Daniel Kurz, Zunftmeister des Narren- und Brauchtumsvereins Hepbach, gehen mit seiner Familie die Ideen nicht aus. Am Beginn habe man gehofft, man könne zumindest im kleinen Personenkreis Fasnet feiern. „Im Verein hatten wir ausgemacht, dass wir jedes Wochenende bei jemand andere eine Fasnetsparty machen, doch dann haben uns der Lockdown sowie die Corona-Verordnungen einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Davon wollte sich die Familie Kurz aber nicht entmutigen und schon gar nicht die Fasnet vermiesen lassen. „Meine Frau und unsere fünf Kinder sind genauso fasnetsverrückt wie ich“, erzählt Daniel Kurz. So wurden Haus und Garten fasnachtlich geschmückt und der Christbaum am 6. Januar zum Narrenbaum umdekoriert. Am ersten Fasnetswochen­ende wurde mit Frau und Kinder eine Hausparty veranstaltet und es wurde ein lustiges Video für Facebook gedreht.

Die Hepbacher Bomboale sowie der Riedheimer Vermessungstrupp haben jeweils einen Narrenbaum in Leimbach und Hepbach gestellt. Beim Hepbacher Narrenstüble habe man ein Banner sowie Fasnetsbändel aufgehängt. „Es ist das erste Mal seit 28 Jahren, dass ich in der Hauptfasnet keinen Urlaub habe“, erklärt Daniel Kurz. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass er mit seiner Familie wieder eine Hausparty veranstaltet. Die Mitglieder werden ebenfalls alle mit Geschenken überrascht, alle erhalten den Sprungbändel 2021 mit einem besonderen Spruch darauf.

Die Hepbacher Zunftobrigkeit hat sich für Mitglieder etwas Besonderes ausgedacht, damit sie nicht auf Sprungbändel und Abzeichen verzichten müssen.
Die Hepbacher Zunftobrigkeit hat sich für Mitglieder etwas Besonderes ausgedacht, damit sie nicht auf Sprungbändel und Abzeichen verzichten müssen. | Bild: Lang, Andreas

Michael Finkenzeller, Zunftmeister der Ittendorfer Guggenbichler, hat sich zwischenzeitlich zum Profi gemausert, wenn es darum geht, ihre Fasnet per Livestream, Videos, WhatsApp und Videokonferenzen zu feiern. So wird die Vorstandssitzung per Videokonferenz absolviert oder witzige Spiele per Livestream übertragen. Zu Beginn der Fasnet rief die Zunftführung die Mitglieder dazu auf, das Einschnellen der Fasnet zu filmen, zudem wurde ein Guggi-Gewinnspiel ausgelobt. Bei diesem darf jedes Mitglied ein Bild oder Video zum Thema Fasnet beitragen. Die besten drei Einsendungen werden per Livestream am Fasnetsdienstag gekürt und mit Preisen belohnt. In den vergangenen Jahren habe man den Narrenbaum verlost, dieses Mal werde der während eines virtuellen Bingo-Spiels verlost. Am Schmotzigen gibt‘s bei Familie Finkenzeller Kaffeekränzle und Fasnetskrapfen. „Es wird ein komisches Gefühl sein, ich werde in Gedanken ganz sicher durchgehen, wo wir an diesem Tag normalerweise närrisch unterwegs gewesen wären“, sagt Michael Finkenzeller mit etwas Wehmut.

Marvin Grabherr, Vize Turmhexen, und Vereinskameraden haben einen Hexenschnaps kreiert und wollen online an Narren-Challenges teilnehmen.
Marvin Grabherr, Vize Turmhexen, und Vereinskameraden haben einen Hexenschnaps kreiert und wollen online an Narren-Challenges teilnehmen. | Bild: Lang, Andreas

Die Turmhexen Markdorf wollen ihre Fasnet ebenso eifrig feiern. Es sind ein Turmhexen-Schnaps kreiert sowie Ansteck-Hexenmäskle gefertigt und an Mitglieder und Interessierte versendet worden. Beispielsweise per Zoom-Schalte werden Entscheidungen im Hexenrat ausgetauscht und man plane Teilnahmen an „Narren-Challenges“, die virtuell ausgetragen werden. „Für den Schmotzigen und Rosenmontag stecken wir noch in den Planungen, aber wir sind für alles offen, wenn es coronakonform ist“, erzählt Vizezunftmeister Marvin Grabherr.

Thomas Wagner, Zunftmeister der Leimbacher Narrenzunft Hugeloh, hat sich daheim (im Bild) sowie in seinem Versicherungsbüro fasnachtlich eingerichtet und hält für seine Mitglieder Überraschungspakte parat.
Thomas Wagner, Zunftmeister der Leimbacher Narrenzunft Hugeloh, hat sich daheim (im Bild) sowie in seinem Versicherungsbüro fasnachtlich eingerichtet und hält für seine Mitglieder Überraschungspakte parat. | Bild: Lang, Andreas

„Es fehlt was ohne Fasnet, aber meine Familie und ich sowie unsere Zunft feiern die Fasnet trotzdem aber halt anders“, berichtet Thomas Wagner, Zunftmeister der Leimbacher Narrenzunft Hugeloh. Selbstverständlich seien seine Wohnung und das Büro närrisch geschmückt, versichert er. „Wir haben einen WhatsApp-Hugeloh-Kanal, da halten wir uns gegenseitig bei Laune.“ Da werden selbstgedrehte Videos eingestellt und witzige Fasnetsideen gepostet. Am Fasnetssamstag bekommen alle Hugeloh-Mitglieder Überraschungspakete zugesendet. „Es soll die Wehmut der Mitglieder etwas mildern. Ich hoffe, sie strahlen alle, wenn Sie ihr Paket aufmachen“, so Wagner.

Birgit Beck, Zunftmeisterin der Historischen Narrenzunft Markdorf, vermisst die Fasnets-Veranstaltungen, erfreut sich aber am schön geschmückten Städtle. Im Narrenmuseum des Zunfthauses Obertor (im Bild) sind ebenfalls schöne Erinnerungen an die heimische Fasnet zu finden.
Birgit Beck, Zunftmeisterin der Historischen Narrenzunft Markdorf, vermisst die Fasnets-Veranstaltungen, erfreut sich aber am schön geschmückten Städtle. Im Narrenmuseum des Zunfthauses Obertor (im Bild) sind ebenfalls schöne Erinnerungen an die heimische Fasnet zu finden. | Bild: Lang, Andreas

Für Birgit Beck als Zunftmeisterin der Historischen Narrenzunft Markdorf ist es selbstverständlich, dass ihre Wohnung närrisch geschmückt ist. „Ich komme noch gar nicht so richtig klar, dass ich zur Hauptfasnetszeit zum Arbeiten geh‘, so etwas hat es bei mir sonst nie gegeben.“ Sie lasse es sich aber nicht nehmen, närrisch verkleidet am Arbeitsplatz zu sein. Eine weitere Verbundenheit zur Fasnet und zur Zunft werde auch mit einem roten Halstuch gezeigt, das sie und ihre Mitglieder tragen. Der Kontakt zu den Mitgliedern und heitere Fasnetsaktionen werden über die Zunft-Homepage und Facebook-Seite ausgetauscht. „Was ich am Schmotzigen Dunschtig oder am Rosenmontag mache, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich werde ich durchs Städtle laufen und schauen, wie schön dieses närrisch dekoriert ist“, erzählt die Zunftmeisterin wehmütig.

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