„Das war nur ein Kratzer von meinem Fingernagel“, übersetzte die Dolmetscherin der 30-Jährigen, die auf einen Rechtsanwalt verzichtete und sich selbst verteidigte. Auch ihr Lebensgefährte, der als Hauptzeuge geladen war, konnte sich nicht an eine Glasscherbe erinnern. Ebenso wenig entsann er sich, dass er diese bei der polizeilichen Vernehmung nach dem Geschehen noch explizit erwähnt hatte.

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Am Morgen des 19. Mai hatte das Paar, wie schon so oft, gestritten – so wurde vor Gericht berichtet. Es sei dabei immer um Eifersucht gegangen, „wegen Facebook und so“, sagte die Frau aus. Aber an diesem Morgen waren Trennungsabsichten das Thema. Am Abend kamen dann Freunde des Mannes zum Pokern vorbei, darunter zwei Frauen. Als die 30-Jährige gegen 2.30 Uhr in der Nacht zurückkehrte, fand sie im Schlafzimmer eine der Frauen auf ihrem Bett sitzend vor.

Woher kam die Scherbe? Das konnte keiner beantworten

„Ich hatte zwei Jacky-Cola getrunken, weil ich so böse war“, sagte die Angeklagte, die ob der Szene völlig ausrastete. Sie soll sich selbst das T-Shirt zerfetzt haben und schreiend auf ihren Partner losgegangen sein. „Sie war betrunken und wollte sich selbst mit der Scherbe am Bauch verletzten. Ich habe ihr die Scherbe weggenommen“, sagte ein Kumpel des Mannes aus. Die Frage von Richter Max Märkle, woher denn nun diese Scherbe gekommen sein soll, konnte niemand beantworten.

Als der Mann seine Freundin vor die Türe setzen wollte, kam es zu einem Handgemenge, das so heftig war, dass dabei zwei Glasscheiben der Eingangstüre zu Bruch gingen. Alarmiert von lauten Stimmen, Tumult und splitterndem Glas, hatte ein Nachbar die Polizei gerufen. Da das Paar mittlerweile wieder zusammenlebt und ein Baby erwartet, beließ es der Richter bei der Auflage, den Schaden an der Türe wieder gutzumachen und stellte mit dem Einverständnis des Staatsanwaltes das Verfahren ein. Der werdende Vater nahm die Angeklagte nach dem Urteil in den Arm.