Dass die Fasnet ernst ist, bewies ein Streit zwischen der Narrenzunft Seegockel und dem Seehasen-Fanfarenzug dieser Tage. Weil der Fanfarenzug unter anderem ohne Absprache eine Konkurrenzveranstaltung im Lammgarten am Häfler Samstag ausgerichtet hatte, wurden die "Roten", wie sie sich selbst liebevoll nennen, kurzerhand vom Narrensprung 2018 ausgeschlossen. Ein boshafter Briefwechsel zwischen den beiden Traditionsvereinen, der dem SÜDKURIER vorliegt, zeigte die tiefen Gräben auf, die sich offenbar seit Jahren zwischen der Seegockel-Zunft und den Roten gebildet hatten.

"Schwätzet miteinander", das hatten sie sich vorgenommen – und so kam es dann auch

Doch nun ist wieder alles gut. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es am Mittwoch, dass die Differenzen geglättet seien. "Für 2018 wird der Seehasen-Fanfarenzug wie gewohnt am Umzug teilnehmen – und auch die Veranstaltung im Lammgarten findet wieder statt", heißt es darin. Unterschrieben wurde die Erklärung von Uwe Köppe, Vorsitzender des Seehasen-Fanfarenzugs, und Oliver Venus, Zunftmeister der Narrenzunft Seegockel. Es sei kein Geheimnis, dass in der Vergangenheit zwischen beiden Vereinen immer wieder einmal Sand im Getriebe gewesen sei, schreiben die beiden. Den ersten Schritt zum närrischen Vergleich machten Oliver Venus und Präsident Karl Haller, die am Dienstagabend spontan die Probe des Seehasen-Fanfarenzugs ind er alten Festhalle besuchten, um die schwelenden Streitigkeiten zu lösen. "Schwätzet miteinander", das hatten sie sich vorgenommen – und so kam es dann auch.

Wie Uwe Köppe berichtet, verlief das überraschende Treffen durchaus positiv. "Eigentlich war in fünfzehn Minuten alles erledigt", erzählt Köppe. Beide Seiten seien übereinstimmend zu dem Schluss gekommen, dass es besser sei, in die Zukunft zu schauen. "Keiner hat die Zeit und die Energie, sich bei so einem Streit aufzureiben", sagt der Vorsitzende der "Roten". "Gemeinsam konnte im gestrigen Gespräch der Grundstein für eine gutes zukünftiges Miteinander gelegt und dabei besprochen werden, wie beide Seiten ihre Veranstaltungen gegenseitig bereichern können", heißt es in der Erklärung. Beide Vereine seien sich einig, "dass die Narrenzunft Seegockel Träger der örtlichen Fasnet ist und sie alleine für die Ausrichtung und Planung aller hiermit verbundenen Veranstaltungen verantwortlich ist." Uwe Köppe ist froh darüber, dass die Angelegenheit damit vom Tisch ist. "Ich freue mich, dass wir nun doch beim Narrensprung dabei sein werden", so Köppe. Oliver Venus war am Mittwoch telefonisch nicht zu erreichen.

Für die Zukunft sollen nun die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit beider Vereine noch einmal besprochen werden. Am Schluss der Erklärung stellen Oliver Venus und Uwe Köppe fest: „Es war gut und wichtig, dass beide Seiten miteinander gesprochen haben! Wir freuen uns auf die Zukunft, doch jetzt vor allem auf die Fasnet 2018 in und um Friedrichshafen!" Im Internet war die Freude über die unvorhergesehene Einigung groß. "Respekt an beide Vereine", schreibt ein Facebook-Nutzer, "Bravo – geht doch", ein anderer.