Bei Alno kann schon bald die stillgelegte Produktion wieder anlaufen. Noch im ersten Quartal dieses Jahres sollen wieder Küchen ausgeliefert werden. Die dafür notwendige Anzahl an Mitarbeitern habe die Neue Alno GmbH, das Nachfolgeunternehmen der insolventen Alno AG, erreicht. Das gab der Konzern gestern nach einer Betriebsversammlung bekannt.

Im Dezember hatte der britische Investor Riverrock überraschend den Kauf des 32 Hektar großen Betriebsgeländes am Stammsitz mitsamt der Fortführung der Produktion verkündet. Bislang haben nach Angaben des Geschäftsführers der neuen Firma, Andreas Sandmann, 320 Beschäftigte der Alno AG einen Arbeitsvertrag bei der Neuen Alno GmbH unterschrieben, womit man die ursprünglich angepeilte Personalstärke von 410 Mitarbeitern noch nicht erreicht hat. "Das Management der neuen Gesellschaft hat die Funktionsfähigkeit ihrer jeweiligen Bereiche und Abteilungen bestätigt", erklärte Sandmann.

Arbeitsrechtliche Fragen müssen noch geklärt werden

Die Küchenmöbelproduktion sei grundsätzlich wieder möglich, allerdings müsse man wegen der nicht erreichten Soll-Personalstärke nochmals Gespräche mit Riverrock führen. "Wir sind kurz vor der Ziellinie", erklärte Insolvenzverwalter Martin Hörmann. Allerdings müssten noch arbeitsrechtliche Fragen geklärt werden. Der Kaufvertrag vom Dezember sei noch "nicht in trockenen Tüchern".

Der Vertrag war an mehrere aufschiebende Bedingungen geknüpft, zu der auch die Gründung einer Transfergesellschaft für jene Arbeitnehmer gehört, die nicht in der Neuen Alno GmbH beschäftigt sein werden. Aktuell wechseln nach Angaben von Sandmann etwa 60 Beschäftigte der Alno AG in diese Beschäftigungsgesellschaft.

Bezüglich der von Riverrock geforderten Zahlung von Kurzarbeitergeld für die GmbH-Mitarbeiter durch die Agentur für Arbeit, bestätigte Geschäftsführer Sandmann, dass eine grundsätzliche Prüfung stattfinde, wobei er noch keinen Vollzug vermeldete. Der langjährige Vertriebschef der Alno AG ist vom Erfolg der neuen GmbH überzeugt, auch mit Blick auf die aktuelle Situation in der Küchenmöbelbranche, wo es angesichts eines Nachfrageüberhangs lange Lieferzeiten gebe, die sich mit dem Wegfall von Wellmann-Küchen noch verstärkten. Bekanntlich musste die Alno-Tochterfirma Wellmann im vergangenen Jahr gleichfalls Insolvenz anmelden und trotz aller Bemühungen gelang es nicht, für das Unternehmen und seine 400 Beschäftigten einen Käufer zu finden. Im ersten Quartal sollen nach den Plänen der Neuen Alno GmbH die ersten Küchen ausgeliefert werden, berichtete Sandmann.

Einen Vorteil sieht der Geschäftsführer in der Tatsache, dass Alno erstmals nach 20 Jahren schuldenfrei sei und keine Rücksicht auf den Aktienmarkt nehmen müsse. Tatsächlich startet die neue GmbH ohne finanziellen Altlasten und hat zudem die Zusage von Investor Riverrock, dass man einen zweistelligen Millionenbetrag in die Modernisierung des Alno-Stammsitzes investieren werde. Schon jetzt wurde nach Angaben von Sandmann das Volumen für die Instandhaltung verdoppelt, wobei die Nachfolgefirma der insolventen Alno AG viele Gebäude und Flächen nicht mehr nutzen und sich verkleinern wird. "Unsere rechnerische Produktionskapazität liegt bei 4500 Schränken pro Tag", sagt Sandmann. Die Neue Alno GmbH werde aber mit sehr viel geringeren Stückzahlen beginnen.

Alno

Das Unternehmen kann auf eine über 90-jährige Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde Alno im Jahr 1917 von Albert Nothdurft (1905–1997). Der Firmenname setzt sich aus den ersten beiden Buchstaben des Vor- und Nachnamens des Schreiners zusammen. Ein großer Einschnitt in der Firmengeschichte war der Börsengang im Jahr 1995. Damals wurde die Alno-Aktie für 59 D-Mark ausgegeben. Danach folgten turbulente Jahre mit Entlassungen, Restrukturierunsprogrammen und der Verlegung des Firmensitzes von Pfullendorf nach Düsseldorf und wieder zurück. Im Juli 2017 meldet die Alno AG schließlich Insolvenz an. (td)

So geht es bei Alno weiter

  1. Ist mit dem Produktionsstart die Arbeit des Alno-Insovenzverwalters beendet? Nein. Denn nun muss sich Insovenzverwalter Martin Hörmann mit dem Blick in den Rückspiegel befassen. „Nach Abschluss des Verkaufsprozesses werden wir die weitere Vermögensverwertung vornehmen. Hier geht es darum, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Frage ist, ob bestimmte Geschäftsvorgänge oder Rechtsgeschäfte gegen die Interessen der Gläubiger verstoßen haben", so der Jurist. Bis diese Fragen endgültig geklärt seien, können mehrere Jahre vergehen, so Hörmann weiter. Zuletzt haben sich Ex-Alno-Chef Max Müller und der ehemalige Alno-Investor Tahoe in der Öffentlichkeit gegenseitig mit Vorwürfen belastet.
  2. Wie sieht das Konzept der Neuen Alno GmbH aus? Der neue Investor Riverrock will Alno als Großschreinerei fernab des Kapitalmarkts aufstellen. Durch die Änderung der Rechtsform von der Aktiengesellschaft zur GmbH hofft das Unternehmen Verwaltungsaufwand einzusparen. Viele Pflichten gegenüber den Kapitalmärkten und die damit verbundenen Rechtskosten entfallen in der neuen Rechtsform. "Alno wird keine Bank mehr sein", hieß es in Unternehmenskreisen.
  3. Wie sind die Arbeitsbedingungen bei der Neuen Alno GmbH? Im Vergleich zum alten Vertrag bei der Alno AG müssen die Mitarbeiter der Neuen Alno GmbH mehr arbeiten und bekommen gleichzeitig weniger Geld. Statt 35 Stunden arbeiten die Beschäftigten nun 40 Stunden und erhalten etwa 15 Prozent weniger Lohn. Die IG Metall taxiert die Einkommenseinbußen in der Summe auf 30 Prozent. Nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Sandmann bezahlte Alno in der Vergangenheit allerdings viele Zuschläge, so dass sich die Einbußen in Relation zu den üblichen Tariflöhnen relativierten und nicht so drastisch ausfallen würden.
  4. Was sagt der Investor Riverrock? Riverrock hält sich bisher öffentlich zurück und verweigert weitgehend eine Zusammenarbeit mit der Presse. Das lokale Alno-Management solle nun im Fokus stehen, begründet Riverrock sein Schweigen. Ein Wikipedia-Eintrag oder eine deutsche Homepage existieren nicht. Im Internet findet man zumindest die Information, dass Riverrock eine britische Investmentgesellschaft ist, die im Jahr 2009 gegründet wurde. Sie hat sich auf die Finanzierung von kleinen und mittelständischen europäischen Firmen spezialisiert.
  5. Wie reagiert die Alno-Aktie? Die Alno-Aktie schloss gestern bei knapp 7 Cent und verdoppelte damit ihren Wert vom letzten Handelstag im alten Jahr. Vor der Bekanntgabe des Riverrock-Angebots war das Alno-Papier weniger als einen Cent wert, so dass die Aktie innerhalb kurzer Zeit ihren Wert um mehrere hundert Prozent gesteigert hat. Trotzdem warnen Experten vor einem Einstieg. "Für die Aktionäre der Gesellschaft besteht trotz der Übernahme die Gefahr, leer auszugehen, denn als erstes werden wohl die Gläubiger des Unternehmens bedient", schreibt der Finanzfachmann Robert Sasse auf dem Internet-Finanzportal Sharewise.

Thomas Domjahn