Mit klaren Ergebnissen beendet der Südbadische Fußballverband (SBFV) die wegen der weltweiten Corona-Pandemie seit März unterbrochene Saison 2019/20 zum 30. Juni. Beim außerordentlichen Verbandstag stimmte eine überzeugende Mehrzahl von 159 der 229 Delegierten für den Vorschlag des Verbandes, die Saison abzuschließen, die „Corona-Meister“ per Quotient zu ermitteln und keine Absteiger einzuplanen.

Klares Votum: Mit 159:39 Stimmen schlossen sich die Delegierten beim Verbandstag dem Vorschlag des Südbadischen Fußballverbands an, die Saison abzubrechen, keine Absteiger zuzulassen und die Meisterschaft per Quotient zu vergeben.
Klares Votum: Mit 159:39 Stimmen schlossen sich die Delegierten beim Verbandstag dem Vorschlag des Südbadischen Fußballverbands an, die Saison abzubrechen, keine Absteiger zuzulassen und die Meisterschaft per Quotient zu vergeben. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Einem Antrag von 28 Vereinen – allesamt Tabellenzweite am letzten gespielten Spieltag – auf einen zusätzlichen Aufstieg aller „Relegations-Vereine“ stimmten lediglich 37 Delegierte zu.

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Auch der Antrag des Landesligisten SV 08 Laufenburg, der vorgeschlagen hatte, dass Tabellenzweite mit dem besten Quotienten ihrer Spielklasse zusätzlich aufsteigen, wurde mit 154:48 Stimmen abgelehnt.

Pokal per Los: Sollte der Sieger im SBFV-Rothauspokal der Männer, Frauen und A-Junioren nicht doch noch ausgespielt werden können, wird der Teilnehmer am DFB-Pokal 2020/21 per Los bestimmt. Dem stimmten 174 Delegierte am Verbandstag zu.
Pokal per Los: Sollte der Sieger im SBFV-Rothauspokal der Männer, Frauen und A-Junioren nicht doch noch ausgespielt werden können, wird der Teilnehmer am DFB-Pokal 2020/21 per Los bestimmt. Dem stimmten 174 Delegierte am Verbandstag zu. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Teilnehmer am DFB-Pokal eventuell per Losentscheid

Noch nicht definitiv geklärt ist, wie es beim Rothauspokal des Verbands weitergeht. Die ausstehenden Halbfinalspiele – VfR Stockach gegen 1. FC Rielasingen-Arlen und SC Lahr gegen SV Oberachern – sind ausgesetzt und sollen nach Möglichkeit ebenso wie das Finale vor dem Meldetermin zum DFB-Pokal ausgetragen werden: „Wir haben diesen Termin noch nicht und tun alles dafür, dass gespielt werden kann“, so SBFV-Präsident Thomas Schmidt (Sölden): „Klappt es nicht, werden wir den Teilnehmer am DFB-Pokal per Los ermitteln. Gleiches gilt für die Frauen und A-Junioren.“

Ungewohnter Verbandstag: Aus einem Studio in Emmendingen leiteten Präsident Thomas Schmidt (Sölden, Zweiter von links), Schatzmeister Matthias Löffler (St. Peter, links) und Vize-Präsident Reinhold Brandt (Radolfzell) mit Geschäftsführer Siegbert Lipps (rechts) den via Youtube übertragenen außerordentlichen Verbandstag des Südbadischen Fußballverbandes.
Ungewohnter Verbandstag: Aus einem Studio in Emmendingen leiteten Präsident Thomas Schmidt (Sölden, Zweiter von links), Schatzmeister Matthias Löffler (St. Peter, links) und Vize-Präsident Reinhold Brandt (Radolfzell) mit Geschäftsführer Siegbert Lipps (rechts) den via Youtube übertragenen außerordentlichen Verbandstag des Südbadischen Fußballverbandes. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Die Rothaus-Pokale 2020 in den südbadischen Bezirken werden abgebrochen. Da in fünf Bezirken die Halbfinalisten feststehen und bereits für den SBFV-Pokal 2020/21 qualifiziert sind, bleibt die Lage entspannt. Für den Bezirk Bodensee wurde beschlossen, die Viertelfinalisten in die Qualifikationsrunde zum SBFV-Pokal einzubinden. Alle anderen Pokalwettbewerbe wurden ebenfalls vorzeitig beendet.

Johann Scheible (SV 08 Laufenburg): „Wir haben alles getan, um unsere Ansichten darzulegen, doch das Ergebnis ist eindeutig. Da gibt es für uns keinen Grund nachzuhaken. Der Ablauf der Abstimmung war transparent und fair.“
Johann Scheible (SV 08 Laufenburg): „Wir haben alles getan, um unsere Ansichten darzulegen, doch das Ergebnis ist eindeutig. Da gibt es für uns keinen Grund nachzuhaken. Der Ablauf der Abstimmung war transparent und fair.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

Mit leichter Enttäuschung nahm Johann Scheible, Vorsitzender des SV 08 Laufenburg, das Ergebnis der Abstimmungen beim virtuell durchgeführten Verbandstag entgegen: „Wir haben alles getan, um unsere Ansichten darzulegen, doch das Ergebnis ist eindeutig. Da gibt es für uns keinen Grund nachzuhaken. Der Ablauf der Abstimmung war transparent und fair.“

Abgelehnt: Dem Antrag des SV 08 Laufenburg, dass der Quotenbeste der Relegations-Teilnehmer zusätzlich aufsteigen darf, stimmten nur 48 von 229 Delegierten zu.
Abgelehnt: Dem Antrag des SV 08 Laufenburg, dass der Quotenbeste der Relegations-Teilnehmer zusätzlich aufsteigen darf, stimmten nur 48 von 229 Delegierten zu. | Bild: Scheibengruber, Matthias
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Für Scheible ergeben sich eher positive Aspekte aus den vergangenen Wochen: „Es hat sich gezeigt, dass die Kommunikation unter den Vereinen sehr gut geklappt hat. Es wurde offen diskutiert und Argumente ausgetauscht.“ Sehr angetan war Scheible von der Stellungnahme, mit der Sebastian Scholl, Vorsitzender des FC Neuweier, für den Antrag der 28 Vereine geworben hatte.

Sebastian Scholl (FC Neuweier): „Es geht um die Sache, nicht um die Vereine. Begraben Sie eventuelle Ressentiments. Stünden andere Clubs auf Platz zwei, hätten auch diese den Antrag vorgelegt.“
Sebastian Scholl (FC Neuweier): „Es geht um die Sache, nicht um die Vereine. Begraben Sie eventuelle Ressentiments. Stünden andere Clubs auf Platz zwei, hätten auch diese den Antrag vorgelegt.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

„Es geht hier um die Sache, nicht um die Vereine. Stünden andere Clubs auf Platz zwei, hätten auch diese den Antrag vorgelegt“, so Scholl in seiner Wortmeldung: „Wir wissen, dass es keine optimale Lösung gibt, halten aber den Aufstieg der Tabellenzweiten für die etwas fairere Variante.“ Schließlich, so Scholl, dürften Vereine, die vielleicht nur einen Punkt eingefahren hätten, in ihrer Liga bleiben.

Abgelehnt: Lediglich 37 Delegierte stimmten beim SBFV-Verbandstag dem Antrag der 28 Vereine zu, alle Relegations-Teilnehmer zusätzlich aufsteigen zu lassen.
Abgelehnt: Lediglich 37 Delegierte stimmten beim SBFV-Verbandstag dem Antrag der 28 Vereine zu, alle Relegations-Teilnehmer zusätzlich aufsteigen zu lassen. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Kritische Stimmen gegen Vereinsvorschlag

Allerdings gab es auch kritische Stimmen aus der Reihe der Vereine: „Denkt über die nächste Saison hinaus. Übernächstes Jahr könnten bis zu 23 Vereine in der Bezirksliga Bodensee spielen“, mahnte Michael Jentsch vom SV Markelfingen zur Vernunft. Peter Buchholz vom FC Wolfach befürchtet bei einer erhöhten Zahl der Aufsteiger und vermehrten Spielgemeinschaften, dass die untersten Klassen ausbluten: „Wenn dann nur noch zehn Mannschaften in einer Kreisliga B spielen, werden eventuell Ligen zusammengeführt. Das bringt weitere Fahrtwege.“

Cengiz Bozkurt (Türkischer SV Singen): „Auch wenn es weh tut, müssen wir die Entscheidung aber akzeptieren. Juristisch dagegen vorgehen werden wir nicht.“
Cengiz Bozkurt (Türkischer SV Singen): „Auch wenn es weh tut, müssen wir die Entscheidung aber akzeptieren. Juristisch dagegen vorgehen werden wir nicht.“ | Bild: privat

Cengiz Bozkurt, Pressesprecher des Türkischen SV Singen, Zweitplatzierter der Bezirksliga Bodensee, war von der Abstimmung nicht begeistert: „Auch wenn es weh tut, müssen wir die Entscheidung aber akzeptieren. Juristisch dagegen vorgehen werden wir nicht. Mannschaften im Tabellenkeller, die nichts geleistet haben, bekommen durch den Nichtabstieg einen Bonus, während wir als Herbstmeister nicht davon profitieren.“

Pragmatische Lösung bei der Abstimmung

Bei der Abstimmung ging Vize-Präsident Reinhold Brandt (Radolfzell) den pragmatischen Weg und stellte zunächst Saisonabbruch, Quotientenregelung und Absteiger zur Abstimmung. Forderungen, denen sich 182 Delegierte bei 21 Nein-Stimmen anschlossen.

SBFV-Vizepräsident Reinhold Brandt (Radolfzell): „Der Verbandsvorstand hat alle Möglichkeiten ausgelotet, ehe er sich zum Verzicht auf zusätzlichen Aufstieg entschlossen hat.“
SBFV-Vizepräsident Reinhold Brandt (Radolfzell): „Der Verbandsvorstand hat alle Möglichkeiten ausgelotet, ehe er sich zum Verzicht auf zusätzlichen Aufstieg entschlossen hat.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

Dem Antrag auf Aufstieg aller Zweiten stimmten dann aber nur noch 37 Delegierte zu; eine Relegation per Quotient fanden 48 Delegierte gut. Dem finalen Antrag des Verbands, dass nur der „Corona-Meister“ aufsteigt, stimmten in der Folge dann 159 Delegierte zu.

Verbandspräsident Thomas Schmidt erstaunt über Prognosen

Ergebnisse, die SBFV-Chef Thomas Schmidt begrüßte und ihn in seiner Wahrnehmung bestätigten: „Ich war davon überzeugt, dass unser Antrag zwei Drittel sicher Zustimmung erhält. Über die oft gehörte Einschätzung, dass ein zusätzlicher Aufstieg beschlossen werden könnte, war ich sehr erstaunt. Vor allem nach den Konferenzen mit den Delegierten war ich geradezu perplex von dieser Analyse.“

SBFV-Präsident Thomas Schmidt (Sölden): „Ich war davon überzeugt, dass unser Antrag zwei Drittel sicher Zustimmung erhält. Über die oft gehörte Einschätzung, dass ein zusätzlicher Aufstieg beschlossen werden könnte, war ich sehr erstaunt. Vor allem nach den Konferenzen mit den Delegierten war ich geradezu perplex von dieser Analyse.“
SBFV-Präsident Thomas Schmidt (Sölden): „Ich war davon überzeugt, dass unser Antrag zwei Drittel sicher Zustimmung erhält. Über die oft gehörte Einschätzung, dass ein zusätzlicher Aufstieg beschlossen werden könnte, war ich sehr erstaunt. Vor allem nach den Konferenzen mit den Delegierten war ich geradezu perplex von dieser Analyse.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

Schließlich war des dem Verband gelungen – im Schulterschluss mit den Partnern aus Württemberg und Baden – die Delegierten davon zu überzeugen, dass der gestraffte Spielplan angesichts des nicht eingepreisten Abstiegs ohnehin zu Kompromissen führen werde: „Und denken Sie an den Winter“, mahnte Reinhold Brandt vor der Abstimmung: „Wir können Ihnen versichern, dass der Vorstand sich ausgiebig mit allen Varianten auseinander gesetzt hat, eher sich zum Verzicht auf zusätzlichen Aufstieg entschlossen hat.“

Frank Berrer (TuS Blumberg): „Andere Delegierte haben sich nicht annähernd in unsere Lage versetzt und sich auch nicht gefragt, was wäre, wenn sie auf Platz zwei stehen würden. Tabellenletzte werden unterm Strich besser bewertet als Tabellenzweite. Wir nehmen die Entscheidung sportlich und sagen uns mit Blick auf die neue Saison: Jetzt erst recht.“
Frank Berrer (TuS Blumberg): „Andere Delegierte haben sich nicht annähernd in unsere Lage versetzt und sich auch nicht gefragt, was wäre, wenn sie auf Platz zwei stehen würden. Tabellenletzte werden unterm Strich besser bewertet als Tabellenzweite. Wir nehmen die Entscheidung sportlich und sagen uns mit Blick auf die neue Saison: Jetzt erst recht.“

Ganz so sieht es Frank Berrer, Trainer des B-Kreisligisten TuS Blumberg, nicht: „Wir sind enttäuscht, dass die Abstimmung so klar war. Es lief schon im Vorfeld nicht fair ab. Der Verband vertritt alle Vereine, hätte die Zweitplatzierten mit ins Boot nehmen sollen und zumindest anhören.“

Fußballverbände wollen Termine bei Ministerin Eisenmann

Wann konkret wieder „normal“ trainiert werden darf, oder gar der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, ließ Thomas Schmidt offen: „Wir drei Verbände werden uns um einen Termin beim Sportministerium bemühen.“ Gemeinsam werde man versuchen, Barbara Eisenmann die Vorschläge der Fußballer schmackhaft zu machen: „Wir wollen etwas Schwung in die Diskussion bringen“, versprach Schmidt, dessen vorläufiger Rahmenterminkalender einen Start in den Punktspielbetrieb am 1. September vorsieht.

Sporthotel Sonnhalde in Saig wird verpachtet

Unabhängig vom Spielbetrieb und fast nebenbei, wurde über die Zukunft des SBFV-Hotels „Sonnhalde„ in Lenzkirch-Saig entschieden. Im Rahmen der Konferenz, die in der Spitze von rund 2000 Nutzern auf dem Youtube-Kanal des Verbands verfolgt wurde, stimmten 184 Delegierte dem Antrag zu, dass für das Anwesen auf 40 Jahre ein Erbpachtvertrag mit einem österreichischen Hotel-Betreiber abgeschlossen wird. Rund 23.000 Euro streicht der SBFV jährlich ein. Einerseits ist der Verband von allfälligen Investitionen befreit, darf das Hotel aber weiter im gewohnten Umfang für Lehrgänge und Kurse, nun zu Sonderkonditionen nutzen. In den ersten vier Jahren garantiert der SBFV dem neuen Partner jährlich 2000 Übernachtungen, danach 1800.