Sportvereine und Konzertveranstalter eint an sich wenig, doch in diesen Corona-Tagen gibt es bei beiden Gruppen eine klare Gemeinsamkeit: Sowohl im Sport als auch in der Kultur weiß man nicht so recht, wie man mit Jens Spahns und Manne Luchas Ansage umgehen soll, Veranstaltungen mit über 1000 Menschen eher abzusagen.

So gehen die Vereine aus der Region mit der Situation um

So erklärt Arash Yahyaijan, Vorstand Sport beim Fußball-Oberligist FC 08 Villingen: „Bislang hat es in der Fußball-Oberliga noch keine Spielabsage wegen des Coronavirus gegeben. Deshalb werden wir von unserer Seite das kommende Heimspiel gegen den SV Linx nicht absagen. Wir glauben ohnehin nicht, dass bei dieser Begegnung mehr als 1000 Zuschauer kommen, sondern eher weniger.“ Der Ligakonkurrent 1. FC Rielasingen-Arlen aus dem Hegau informierte gestern auf seiner Website. „Nach derzeitigem Stand werden weiterhin die angesetzten Spiele und Trainingseinheiten durchgeführt“, heißt es in dem Beitrag. „Solange der Fußballverband nicht interveniert, werden wir auch nichts unternehmen“, erklärte auch Yahyaijan.

Der Verband setzte bislang lediglich eine Partie ab. Vor anderthalb Wochen wurde ein Kreisligaspiel verlegt, weil zwei Akteure des FC Sexau in einem Freiburger Unternehmen arbeiten, im dem es Infektionen mit dem Virus gegeben haben soll. Ansonsten sind die Spieler vom Südbadischen Fußball-Verband angehalten, auf das sonst obligatorische Händeschütteln vor dem Anpfiff zu verzichten.

Sollte es zu Geisterspielen kommen, kündigte der Bundesligist SC Freiburg an, den Fans die Ticketpreise zu erstatten. Der Kartenvorverkauf wurde bis auf Weiteres ausgesetzt.

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Offen ist, wie gerade die Hallensportarten mit der Situation umgehen. Die Schwenninger Wild Wings haben die Playoffs in der Deutschen Eishockey-Liga verpasst und die Saison damit beendet. Für andere Clubs beginnt stattdessen gerade erst die spannendste Phase der Saison.

Schwenninger Basketballer hoffen auf einheitliche Vorgaben

Im Zusammenhang mit der Verbreitung des Coronavirus beobachten die Verantwortlichen der wiha Panthers Schwenningen die politische Lage mit Sorgfalt und orientieren sich an den Richtlinien der 2. Basketball-Liga, was die Durchführung ihrer Heimspiele in der Deutenberghalle betrifft. „Ich bin ein Freund klarer Linien. Es wäre nicht gut, wenn in manchen Bundesländern bis zu einer gewissen Zuschauerzahl gespielt wird und in manchen ohne Fans oder überhaupt nicht“, erklärt Panthers-Pressesprecher Holger Rohde. „Wir halten uns an die Vorgaben der Politik und der Liga. Ich glaube, dass sich diesbezüglich in den kommenden Tagen noch einiges bewegen wird. Jedoch hoffe ich, dass wir am Samstag eine volle Hütte haben werden.“

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In dieser Saison blieb die Zuschauerzahl bei Spielen in der Deutenberghalle bislang immer unter 1000, beim Heimspiel am kommenden Samstag gegen die Nürnberg Falcons sowie in möglichen Playoff-Spielen im April und Mai könnte diese Marke aber überschritten werden.

HSG Konstanz würde Absagen hart treffen

Eigentlich ist hier viel los: Ein Heimspiel der HSG Konstanz in der Schänzlehalle.
Eigentlich ist hier viel los: Ein Heimspiel der HSG Konstanz in der Schänzlehalle. | Bild: Peter Pisa

Ähnlich die Lage am Bodensee. „In der aktuellen Lage ist es schwierig, einen angemessenen Weg aus Vorsicht und Überreaktion zu finden“, erklärt Andreas Joas, Pressesprecher der HSG Konstanz. „Wir sind darauf angewiesen, wie die Experten und die Politik entscheiden. Danach richten wir uns. Das Risiko müssen andere einschätzen, das können wir als kleiner Verein nicht“, fährt er fort. Den Handball-Zweitligisten würde eine Absage hart treffen, stehen an den kommenden Wochenenden mit der Partie gegen den HSV Hamburg und dem Superball zwei Saison-Highlights im Terminkalender. Dazu meint Joas: „Es liegt nicht in unserem Bereich, Spiele abzusagen. Das muss die Liga entscheiden.“

Kulturszene ringt um richtigen Umgang

Die Coronakrise bereitet auch der Kulturszene Kopfzerbrechen: Menschenansammlungen sind Alltag in Theatern, Konzerthäusern und auf Festivals. Entscheiden müssen die Veranstalter oder – in einem entscheidenden letzten Schritt – die Kommunen.

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Im Konstanzer Rathaus nahmen am deshalb Führungskräften von städtischen Kulturinstitutionen an einem Krisentreffen teil. Ergebnis: Veranstaltungsabsagen in größerem Umfang sind dem Vernehmen nach zunächst nicht zu erwarten. Eine offizielle Stellungnahme wird noch erwartet.

Besonders heikel stellt sich die Lage für Festivalveranstalter dar: Die Verbreitungsgefahr ist hier oft ähnlich groß wie bei Messen. Entsprechend gab es bereits die ersten Absagen, etwa der für den 13. bis 21. März geplante Stuttgarter Bachwoche.

Beim Southside in Neuhausen ob Eck tummeln sich jedes Jahr tausende Menschen.
Beim Southside in Neuhausen ob Eck tummeln sich jedes Jahr tausende Menschen. | Bild: Christoph Schmidt

Bis zum Start der großen Festivals in unserer Region, beispielsweise dem „Southside„ in Neuhausen ob Eck, vergehen noch ein paar Wochen und Monate. Deshalb lautet die Devise: Abwarten und aufmerksam bleiben. „Wir beobachten die Entwicklung genau und stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden in den jeweiligen Bundesländern“, sagt die Pressesprecherin des „Southside„-Veranstalters FKP-Scorpio, Katja Wittenstein. „Solange wir seitens der Gesundheitsbehörden keine anderweitigen Informationen bekommen, finden alle Konzerte wie geplant statt.“

Hoffnung bei Hohentwiel-Festival und Open Air in Markdorf

Dieter Bös, Geschäftsführer der Kokon Entertainment GmbH, setzt auf den Faktor Zeit: „Unser erstes Open Air wird Ende Mai in Markdorf stattfinden, hier hoffen wir, dass die Zeit uns hilft und das Virus bis dahin weniger bedrohlich in Erscheinung tritt. Das Hohentwiel Festival wird noch einmal zwei Monate später stattfinden, zu diesem Zeitpunkt im Sommer sollten dann alle Konzerte möglich sein.“

Nur ein amtliches Verbot würde Bryan Ferrys Auftritt verhindern

Aus Sicht der Veranstalter liegt der Ball im Spielfeld der Behörden. Michaela Schneider, Chefin von Allgäu Concerts (Schloss Salem Open Airs) unterstreicht: „Zu einer Absage wird es nur kommen, wenn wir vonseiten der Ämter ein konkretes Verbot erhalten“. Sollte es kein Verbot geben, stehe den Auftritten von Stars wie Bryan Ferry und Roger Hodgson nichts im Wege. Entspannt sieht man die Lage beim Lörracher Stimmen-Festival. Bei Outdoor-Veranstaltungen sehe man aktuell nur ein sehr geringes Übertragungsrisiko, heißt es bei der veranstaltenden Burghof Kultur- und Veranstaltungs GmbH.

Der Kaufpreis wird erstattet

Entgangene Kulturerlebnisse könnten zwar für Enttäuschung sorgen, Geld verlieren Kartenbesitzer aber nur in seltenen Fällen. Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt auf SÜDKURIER-Anfrage: Eine Rückerstattung des Kaufpreises sei bei Ausfällen stets garantiert, selbst wenn im Kleingedruckten von „höherer Gewalt“ die Rede ist.

Schwierig wird es allein, wenn der Veranstalter sich nicht ausreichend versichert hat und Insolvenz beantragen muss. Dann sei meist nur noch eine Entschädigung von ein bis acht Prozent des Eintrittspreises zu erwarten: „Das lohnt kaum die Portogebühr fürs Schreiben an den Insolvenzverwalter.“ Die allermeisten großen Branchenvertreter aber sind entsprechend versichert.