Luigi Satriano, Gratulation zu Platz eins in der Regionalliga Südwest – und das als Aufsteiger. Da dürfen Sie stolz sein?

Nun ja, ich freue mich in erster Linie, dass es mir auch eine Liga weiter oben gelungen ist, meine Leistung abgerufen zu haben. Dass es dann zu so einer guten Note und dieser Platzierung – ich teile mir die Spitze ja mit zwei anderen sehr guten Schiedsrichtern – gereicht hat, freut mich natürlich riesig.

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Seit 14 Jahren sind sie im überregionalen Fußball tätig, haben viele Jahre in der Oberliga gepfiffen. Das dürfte die Umstellung erleichtert haben?

Zwar zähle ich mit 33 Jahren in der Regionalliga schon zu den ältesten Semestern, dennoch war ich trotz 17-jähriger Erfahrung reichlich angespannt, als ich im September 2019, mit dem Spiel zwischen Bayern Alzenau und der Bundesliga-Reserve von Mainz 05 die Premiere vor der Brust hatte. Du willst ja in der neuen Spielklasse dein Können unter Beweis stellen und dein Bestes geben.

Und dann starten Sie gleich mit einem Platzverweis...

...der absolut diskussionslos war. Zwischen Gelb und Gelb-Rot für den Spieler lagen nur wenige Minuten, es waren Pflichtverwarnungen. Aber es lief in der Tat sehr ordentlich für mich.

Luigi Satriano (33) lebt in Zell und arbeitet dort als Marktdirektor bei der Sparkasse Wiesental. 2003 wurde er Schiedsrichter für den damals existierenden SC Zell, wechselte nach zwei Jahren zum FC Zell, dem er bis heute angehört. Seit 2006 ist Satriano als Schiedsrichter im überregionalen Fußball tätig und stieg im Sommer 2019 in die Regionalliga Südwest auf. Dem Schiedsrichter-Ausschuss gehört Luigi Satriano als Bezirkslehrwart an.
Luigi Satriano (33) lebt in Zell und arbeitet dort als Marktdirektor bei der Sparkasse Wiesental. 2003 wurde er Schiedsrichter für den damals existierenden SC Zell, wechselte nach zwei Jahren zum FC Zell, dem er bis heute angehört. Seit 2006 ist Satriano als Schiedsrichter im überregionalen Fußball tätig und stieg im Sommer 2019 in die Regionalliga Südwest auf. Dem Schiedsrichter-Ausschuss gehört Luigi Satriano als Bezirkslehrwart an. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Sie bekamen nach fünf Einsätzen eine sehr gute Note. Aber so eine Bewertung schüttelt doch auch ein Luigi Satriano nicht aus dem Handgelenk?

Von wegen – ich trainiere regelmäßig im Fitnessstudio, laufe mindestens jeden zweiten Tag. Ich jogge mit unterschiedlichen Anforderungen, denn Intervall-Läufe sind wichtig. Dazu kommen natürlich die Lehrgänge. Letztlich aber ist die Kondition die Basis für den Erfolg. Als Unparteiischer legst du im Spiel zwischen neun und 13 Kilometern zurück – da musst du einfach fit sein. Ohne Kondition keine Konzentration.

Das ist keine Garantie für Spitzennoten!

Natürlich nicht. Im Spiel musst du bis zur letzten Sekunde fokussiert sein. Und dann kommt das Quäntchen Glück dazu. In solchen Spielen entscheiden wirklich Kleinigkeiten über die Note.

Welchen Stellenwert hat Ihre Note angesichts des Saisonabbruchs für Sie?

Das passt schon. Wir sind 30 Unparteiische in der Regionalliga, jeder hatte im Schnitt fünf Spiele. In einer regulären Saison sind es acht Beobachtungen.

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Steigen Sie als Spitzenreiter der Regionalliga nun in die 3. Fußballiga auf?

Nein, die drei Aufstiegsplätze sind leider anders vergeben. Für einen Aufstieg zählen in dieser Spielklasse einfach verschiedene Faktoren. Mein verhältnismäßig hohes Alter ist wohl der Hauptgrund. In den Profi-Ligen sind für den DFB junge Schiedsrichter mit Perspektive interessanter. Ich freue mich grundsätzlich, dass in der Liga bleibe.

Sie stehen oben, am Zenit der Karriere. Woran haperte es in der Vergangenheit, dass Sie es nicht eher geschafft haben?

Ich glaube, dass es auch die Verletzungen waren, die mich auf dem Weg nach oben gebremst haben. Vor allem mein Kreuzbandriss hat mich viel Zeit gekostet. Ich habe von meinen Eltern mit auf meinen Weg bekommen, mit dem zufrieden zu sein, was ich im Leben erreicht habe und Tatsachen zu respektieren.

Sie waren ja auch 2018 schwer verletzt?

Ja, da hatte ich mir im Kadertraining den Mittelfuß gebrochen. Als ich wieder einsatzfähig war, habe ich im Frühjahr binnen vier Wochen sechs Spiele in der Oberliga gepfiffen und schaffte es noch auf den zweiten Platz, der dann zum Aufstieg in die Regionalliga reichte.

Auf Ihre Premiere in Alzenau folgten für Sie weitere Einsätze in Aalen und Koblenz – und danach ein spannendes Spiel am Bornheimer Hang in Frankfurt.

Ja, das war ein tolles und interessantes Spiel zwischen dem FSV Frankfurt, die zweite Macht in der Stadt hinter der Eintracht, und dem TSV Steinbach Haiger, der vorn mitmischte. Es war ein Freitagabend-Spiel unter Flutlicht, 1500 Zuschauer – klasse! Mein letztes Spiel fand dann Ende November in Pirmasens statt. Und ohne den Saisonabbruch hätte ich die sicher reizvolle Partie auf dem Bieberer Berg zwischen Kickers Offenbach und dem FC Homburg geleitet.

Fußball-Experten: Regionalliga-Schiedsrichter Luigi Satriano aus Zell genießt es, immer wieder Spiele im Bezirk Hochrhein zu leiten. Hier analysiert er nach dem Schlusspfiff mit Trainer Tiziano Di Domenico (links) ein Spiel des FC Wittlingen in Tiengen.
Fußball-Experten: Regionalliga-Schiedsrichter Luigi Satriano aus Zell genießt es, immer wieder Spiele im Bezirk Hochrhein zu leiten. Hier analysiert er nach dem Schlusspfiff mit Trainer Tiziano Di Domenico (links) ein Spiel des FC Wittlingen in Tiengen. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Nach dem spannenden Spiel in Frankfurt standen Sie zwei Tage später auf dem Sportplatz in Huttingen und pfiffen das Kreisliga-Spiel gegen den FC Wehr. Warum tun Sie sich einen Sprung nach unten über fünf Klassen eigentlich an?

Weil es mir nach wie vor viel Spaß macht, im Bezirk Hochrhein zu pfeifen. Hier kenne ich die Vereine, die Spieler und Trainer seit Jahren. Da verlaufen Gespräche vor und nach dem Spiel doch ganz anders. Aber es ist mir von der Einstellung her wirklich völlig egal, ob ich in Huttingen oder Offenbach pfeife.

Aber vor 11.000 Zuschauern auf dem Bieberer Berg einzulaufen, ist doch sicher etwas anderes, als vor 50 Leuten irgendwo auf einem Dorfsportplatz.

Natürlich, aber ich gehe jedes Spiel mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und dem Respekt an. Auch Spieler in der Kreisliga geben über 90 Minuten ihr Bestes.

In der Kreisliga stehen Sie jedoch allein auf dem Platz. Wie wichtig sind die Assistenten an der Linie tatsächlich für einen Schiedsrichter?

Ohne meine Assistenten, auf die ich mich ja in jeder Phase des Spiels verlassen muss, wären meine Leistungen und auch Aufstiege nicht möglich gewesen. Es läuft viel über Kommunikation, denn es gibt immer wieder Situationen, in denen man ohne den Assistenten nicht professionell entscheiden könnte.

Gibt es feste Assistenten an der Linie?

In der Oberliga war ich über eine lange Zeit mit Simon Wolf und Dominik Homberger erfolgreich unterwegs. In der Regionalliga gibt es keine festen Gespanne, sondern einen Assistenten-Pool. Bei meinen Spielen hatte ich unseren Obmann Hafes Gerspacher aus Heitersheim, mehrfach Marvin Maier aus Durbach sowie Felix Ehing aus Engen, Jürgen Schätzle aus Schönwald und Tobias Bartschat aus Müllheim dabei.

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In 17 Jahren als Schiedsrichter gibt es sicher unvergessene Spiele. Was war damals in Ravensburg los, als Sie diesen kuriosen Handelfmeter gepfiffen haben?

Das war 2017 beim Spiel des FV Ravensburg gegen den FV Bissingen. Bei einem Eckball flog der Ball vors Tor. Ein Bissinger Abwehrspieler war der Meinung, dass der Ball „platt“, also geplatzt, war und fing ihn mit den Händen. Ich war erstmal perplex, denn ich hatte weder akustisch noch optisch den Eindruck gewonnen, dass mit dem Ball etwas nicht in Ordnung ist. Also musste ich regelgerecht auf Strafstoß entscheiden.

Der aber nicht verwandelt wurde.

Ich sagte zu Ex-Profi Steffen Wohlfarth: „Du hast jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder du verwandelst das Ding. Oder du verschießt und ich mache eine Fairplay-Meldung.“ Wohlfarth schoss vorbei – war so der Held des Spiels, das seine Elf am Ende mit 2:0 gewonnen hat.

Und war der Ball nun wirklich kaputt?

Vor dem Strafstoß wurde zwar ein Ersatzball geholt. Simon Wolf, der an der Linie assistierte, meinte allerdings, das der vermeintlich „platte“ Ball eigentlich in Ordnung gewesen sei. Aber das war nicht das „größte“ meiner Spiele.

Sondern?

Einerseits erinnere ich mich gern ans SBFV-Pokalfinale 2018 zwischen dem SV Linx und dem FC 08 Villingen. Ein Endspiel leiten zu dürfen, ist schon speziell. Etwas ganz Besonderes war auch mein Einsatz als Assistent des heutigen Bundesliga-Schiedsrichters Daniel Schlager beim ersten Live-Spiel der Regionalliga in Sport1. Die TuS Koblenz gewann am 29. Oktober 2013, vor 1600 Zuschauern, im Stadion Oberwerth gegen den SSV Ulm. Ich wusste, dass jetzt die Familie, die Kumpels und die Kollegen zu Hause am Fernseher sitzen und schauen, was der „kleine Bub“ vom Dorf an der Linie fabriziert – unvergesslich.

In gut vier Wochen startet die wegen Corona auf 22 Mannschaften aufgeblähte Regionalliga mit 42 Spieltagen. Viele sind unter der Woche angesetzt. Werden Sie überhaupt oft pfeifen können?

Ich habe das Glück, dass es bei der Sparkasse zwei sportbegeisterte Vorstände gibt, die mich schon immer sehr unterstützt und gefördert haben. So konnte ich stets flexibel meine Arbeitszeit gestalten. Sehr gut unterstützt wurde ich zudem jederzeit vom FC Zell, der es mir vor einem Jahr beispielsweise mit einem Zuschuss ermöglichte, ein Headset anzuschaffen, mit dem die Kommunikation mit meinen Assistenten viel professioneller geworden ist.

Welche persönlichen Ziele haben Sie sich für die Saison 2020/21 gesetzt?

Ich möchte meine Leistung bestätigen und weiterhin in der Regionalliga bleiben. Es geht für alle Schiris wieder bei Null los, einen Bonus hat keiner. Neue Saison, neues Glück – ich freue mich drauf und hoffe, dass die Saison wie geplant durchgezogen werden kann. Schließlich ist der Spielplan eng getaktet. Wir haben nur vom 19. Dezember bis 30. Januar eine kurze Winterpause.

Fragen: Matthias Scheibengruber