Kein Wort hat Moritz gesagt: Zwar war sein Opa durchaus im Vorfeld neugierig gewesen und hätte gern gewusst, was der Frohsinn denn beim Zunftball plant. Schließlich war es der letzte Zunftball von Bernhard Kaiser als Bürgermeister. Doch der Inhalt der Proben und gar der Videodreh mit dem Enkel Moritz und Bürgermeister-Double Jürgen Wintermantel in der eigenen Garage blieben völlig geheim. Und so erfuhr Bernhard Kaiser erst am Zunftballabend, was in seinem ehemaligen Rathaus, dass nach seinem Ruhestand zum Hotel "Gelber Adler" wird, so alles geschieht.

"Um Bernhard Kaiser treffend darzustellen, muss man vor allem seinen schwäbisch-badischen Dialekt können. Und man darf nie vergessen, dass er Linkshänder ist und muss alles mit der linken Hand machen. Vorallem, muss man daran denken, wenn man den Scheitel zieht, sonst ist der auf der falschen Seite."Jürgen Wintermantel, seit sechs Jahren bestes Double von Bernhard Kaiser
"Um Bernhard Kaiser treffend darzustellen, muss man vor allem seinen schwäbisch-badischen Dialekt können. Und man darf nie vergessen, dass er Linkshänder ist und muss alles mit der linken Hand machen. Vorallem, muss man daran denken, wenn man den Scheitel zieht, sonst ist der auf der falschen Seite."Jürgen Wintermantel, seit sechs Jahren bestes Double von Bernhard Kaiser

Und so bildet der gelbe Bau am Rathausplatz die perfekte Kulisse für das mehr als dreistündige Programm. Nummer für Nummer gliedert sich in das Hotelgeschehen ein uns selbst die beiden Ratten Freddy und Hans-Rüdiger bekommen ihren Auftritt, wenn sie den Müll im Rathauskeller durchsuchen und die ein oder andere Kündigung oder Stellenausschreibung des Hotels durchsuchen. Es hat sich eben doch nicht alles geändert.

Video: Müller, Roger

Während Bea Grüninger (Martina Dannecker) die ganze Arbeit macht, hat der Oberhotelmeister Erik Pauly (Alexander Bertsch) reichlich Sehnsucht nach seinem Bernhard Kaiser. Wann immer ein Problem aufkommt, greift Pauly – untermalt von der Telefon-Joker-Musik von "Wer wird Millionär?" – zum Telefon. Auch wenn sein Hotel-Team doch jedes Mal laut brüllt: "Das kannst du jetzt doch nicht machen." Der Bürgermeister im Ruhestand genießt das Leben in vollen Zügen: Beim Skifahren mit Anton Knapp und Jürgen Guse, beim Wildwasser-Kajak-Fahren oder wenn er das Kettcar von Enkel Moritz "frisiert" – zu sehen ist das alles per Einspieler auf der großen Leinwand. Und von dieser fährt Moritz direkt über die Bühne im Mozartsaal, natürlich gefolgt von Opa Bernhard.

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Altbekannte gibt es: CDU-Mann Konrad Hall (Wilfried Strohmeier) will zwar nicht Hausmeister sein, aber übernimmt gern den Facility-Manager. Ex-Stadträtin Claudia Jarsumbek (Nicole Bäurer) findet den Weg zurück nach Donaueschingen und stellt gemeinsam mit Bea Grüninger in der Sauna dem ersten deutschen Spitzen-Schwitz-Verein namens "Sauna-Aufguss-Freunde 0.9" ihr Gesangstalent unter Beweis.

Fast besser als das Original: Stadtrat Konrad Hall (Wilfried Strohmeier) und erstmals auch Niko Reith (Julian Willmann).
Fast besser als das Original: Stadtrat Konrad Hall (Wilfried Strohmeier) und erstmals auch Niko Reith (Julian Willmann).

Und eine neue Figur führen die Zunftballmacher auch ein: Erstmals schafft es der FDP-Stadtrat Niko Reith auf die Bühne und wird trefflich von Julian Willmann gespielt. Als Retter des Parkschwimmbades bekommt er im Hotel Adler auch gleich den Job des Bademeisters. Der Auftritt hat gezeigt, dass der Frohsinn – auch wenn Double von Hall, Jarsumbek und Kaiser jahrelang gekonnt ihr Vorbilder auf die Bühne brachten und diese nun zunehmend eine geringere Rolle im öffentlichen Leben spielen oder spielen werden – jederzeit neue Charakter imitieren kann.

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Der Wellnessbereich im "Gelben Adler": Die Ex-Stadträtin Claudia Jarsumbek (Nicole Bäurer) und Rathaussprecherin Bea Grüninger (Martina Dannecker) schwitzen beim Aufguss Alexander Dannecker.
Der Wellnessbereich im "Gelben Adler": Die Ex-Stadträtin Claudia Jarsumbek (Nicole Bäurer) und Rathaussprecherin Bea Grüninger (Martina Dannecker) schwitzen beim Aufguss Alexander Dannecker.

Und dann gibt es als Stimmungsgarant auch immer noch Ignaz und Severin: Wenn Markus Kuttruff und Thomas Höfler die Bühne betreten, dann wird das Publikum grundsätzlich nicht enttäuscht. Und kommen dann noch der Stadtbus, das Verkehrskonzept mit der Einbahnstraße und das Hörgeräte-El-Dorado ins Spiel, grölt der Saal vor Begeisterung.

Video: Müller, Roger

Während es für Kaiser der letzte Zunftball als Bürgermeister war, hat sein Nachfolger Severin Graf bewiesen, dass er weiß, was sich gehört und erste Eschinger Narrenerfahrungen gesammelt. Geschlagen hat er sich ziemlich gut und Severin warnte ihn gleich vor: "Mit dem Namen Severin haben wir in Donaueschingen 62 Jahre lang keine Probleme gehabt." Der zukünftige Bürgermeister selbst hat ja schon einige Zunftbälle gesehen, aber die Qualität und die Professionalität des Donaueschinger Exemplars haben ihn dann doch beeindruckt.

Severin (Thomas Höfler) und Ignaz (Markus Kuttruff) testen, ob der zukünftige Bürgermeister Severin Graf zunftballtauglich ist.
Severin (Thomas Höfler) und Ignaz (Markus Kuttruff) testen, ob der zukünftige Bürgermeister Severin Graf zunftballtauglich ist.

Aber zurück ins Hotel Adler: Fehlen darf bei einem Zunftball natürlich auch nicht der Auftritt der stimmgewaltigen Stimmungsgaranten: Martin Laufer, Peter Stelzl, Regina Armbruster, Alexander Bertsch und Kai Armbruster. Auch sie gliedern sich perfekt ins Gesamtkonzept ein und suchen als Einbrecher im Hotel Adler nach alten Rathausunterlagen, die belegen, dass in Donaueschingen einiges an Liedgut geklaut wurde und anschließend international zu Weltruhm gekommen ist: Nicht nur die Beatles haben "Hans blieb do" in ihrer Weise vertont, auch die Nationalhymne geht zurück auf die Donaueschinger Narrenhymne.

Michael Schlatter verwechselt beim "Ball im gelben Adler" die Tanzpartnerin nach einigem Hochprozentigem schon einmal mit dem Kleiderständer.
Michael Schlatter verwechselt beim "Ball im gelben Adler" die Tanzpartnerin nach einigem Hochprozentigem schon einmal mit dem Kleiderständer.

Und Bernhard Kaiser? Der war schon ein bisschen gerührt, von diesem Narrenabschied. Und richtig stolz auf seinen Enkel Moritz.

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