Frau Mülherr, welche Gefühle bewegen Sie bei der Verabschiedung? Waren Sie traurig oder genießen Sie die kommende Fasnet in "Freiheit"?

Ich war traurig, ganz klar. Bei dem kleinen Umzug nach dem Narrentreffen in der Schweiz von der Jahnstraße bis zum Saumarkt musste ich ganz schön schlucken.

Erlebten Sie die Meßkircher Bürger während Ihrer Narrenmutterzeit anders als in Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Stadträtin?

Ja, das ist schon ein Unterschied. Als Narrenmutter wurde ich durchweg positiv aufgenommen. Die Bürger sprechen aber einen Stadtrat an, wenn sie etwas stört, oder wenn Sie mit einer Entscheidung nicht einverstanden sind.

Beim Fasnets-Mändig Umzug 2017: Martina Mülherr mit Narrenvater Bernd Schank.
Beim Fasnets-Mändig Umzug 2017: Martina Mülherr mit Narrenvater Bernd Schank. | Bild: Gregor Moser

Was war besonders schön?

Was mir immer im Gedächtnis bleibt, ist die aufregende Zeit davor. Diese Geheimniskrämerei, das Planen der Abholung, die Organisation der Verpflegung, und die heimlichen Besuche bei der Schneiderin, das ist schon etwas besonders. Mein Mann hat da sehr viel übernommen. Besonders gefreut hat mich, dass meine Kinder dabei waren und dafür den einen Tag aus Berlin und Konstanz angereist kamen, obwohl sie eigentlich keinen Urlaub hatten und mit Fastnacht nicht so viel am Hut haben. Meine Freundinnen Rosi Schaz und Uschi Seider haben spontan angeboten, den Tag frei zu machen und zusammen mit ihren Männern bei uns zuhause alles zu organisieren. So konnten mein Mann und ich am Schmotzigen unterwegs sein wie sonst auch. Evelyn Rosin hat dafür gesorgt, dass meine FZ-Frauentruppe nach meinem Verschwinden erst kurz vorher eingeweiht wurde, denn die wollte ich ja auch alle dabei haben.

Unheimlich gefallen hat mir auch die Entstehung meines Kleides. Ich hatte eine Vorstellung, aber keine Ahnung von der Schneiderei. Was Barbara Rau dann daraus gemacht hat, war einfach gekonnt.

War die Zeit auch anstrengend?

Ja, schon. Wir sind ja sonst an Fastnacht auch unterwegs, aber da gibt es mehr Pausen. Bei der kurzen Zeit als Narrenmutter wollte ich ja alles mitmachen.

Gab es besondere Erlebnisse?

Die Fastnacht, in der ich gefunden wurde, war natürlich ganz Besonderes. Aber dieses Jahr konnte ich es mehr genießen. Ich war auf zwei tollen Narrentreffen in Bad Waldsee und Siebnen in der Schweiz, und der Bürgerball in Ringgenbach war auch richtig gut. Eine besondere Überraschung war mein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, eine Puppe mit meinem Narrenmutterkleid. Eine wunderschöne Erinnerung.

Wie war das Zusammenspiel mit Narrenvater Bernd Schank?

Bernd ist ein super Narrenvater! Er ist so unkompliziert und verlässlich, dass ich mich an seiner Seite einfach wohlgefühlt habe.

Und noch ein Bild mit dem Narrenvater Bernd Schank, dieses Mal bei der Verabschiedung von Martina Mülherr.
Und noch ein Bild mit dem Narrenvater Bernd Schank, dieses Mal bei der Verabschiedung von Martina Mülherr. | Bild: Günther Brender

Sind sie schon bei den Altnarrenmüttern aktiv, um den Auftritt am Zunftball vorzubereiten?

Ja klar, im Dezember ging die Vorbereitung los und der Auftritt steht.

Wie war die Aufnahme bei den Altnarrenmüttern?

Ich bin sehr nett aufgenommen worden und ich hätte vorher nie gedacht, in was für einer tollen Truppe ich da gelandet bin.

Fragen: Sandra Häusler

Zur Person

Martina Mülherr aus Meßkirch, 57 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, war vom Hemdglonkerumzug 2017 bis Sonntag, 4. Februar 2018 Meßkircher Narrenmutter. Sie ist stellvertretende Vorsitzende im Turnverein 1862 Meßkirch und Stadträtin für die SPD. An Fastnacht ist sie als Katze unterwegs und arbeitet seit vielen Jahren an der Entstehung des Narrenblattes mit.