Mit lautem Gedöns startet der Schmotzige Dunschtig die Kernfasnacht. Nur ältere Menschen erinnern sich daran, als die Fasnacht vor 75 Jahren in Singen stumm blieb, weil während des Zweiten Weltkrieges am ersten Weihnachtsfeiertag 1944 die Alliierten Bomben auf die Stadt geworfen hatten. 37 Menschen starben, viele weitere wurden verletzt. Die Fasnacht fiel 1945 zum Gedenken an die Opfer aus. Auch in der jüngeren Vergangenheit prägte am Schmotzige eine fast schon gespenstische Stille die Örtlichkeiten, an denen normalerweise Jubel, Trubel und Heiterkeit vorherrschen. So hatten die Narrenvereinigungen 1991 auf sämtliche närrischen Veranstaltungen vor und während den Fasnachtstagen verzichtet. Grund war der Beginn des ersten Irakkrieges.

Sorge vor drittem Weltkrieg

Allgemein gab es die Befürchtung, dass ein dritter Weltkrieg ausbrechen könnte. Dem war dann glücklicherweise nicht so. Und die Vollblutnarren, welche die Absage der Fasnacht kritisierten, sahen sich im Nachhinein bestätigt. Umso intensiver und wilder feierten die Zünfte die Fasnacht im Jahr 1992, nachdem sie ihre närrischen Entzugserscheinungen überwunden hatten.

Narren legen los

Für uns in der Singener Lokalredaktion war das auch eine ungewöhnliche Situation. Einerseits konnten wir uns mit der trubelfreien Atmosphäre durchaus anfreunden, um aber doch festzustellen, dass die Zeitung ganz ohne Narretei zu füllen war. Kein leichtes Unterfangen, schließlich gab es keine fasnachtlose Ersatz-Veranstaltungen. Dieses Problem stellt sich am Schmotzige Dunschtig 2020 nicht. Die Narren legen zwischen Gailingen, Aach, Tengen, Singen und Rielasingen-Worblingen mächtig los. Befreiungen von Kindergärten und Schulen sowie Narrenstreiche sind angesagt.

Kuriosität in Hilzingen

Besonders kurios in Hilzingen: Bürgermeister Rupert Metzler wird von den Oberen der neu belebten Pfiffikus-Zunft abgesetzt, um dann nach der Fasnacht gerade mal noch einen guten Monat sein reguläres Amt fortführen zu können. Also darf er sich schon mal ein paar Tage daran gewöhnen, wie es sich anfühlt nicht mehr als Gemeindechef tätig zu sein. Metzler hatte nach seiner ersten Amtsperiode auf eine erneute Kandidatur für die kürzliche Bürgermeisterwahl verzichtet. Der Biesendorfer Holger Mayer übernimmt ab 1. April.

Sechs Seiten Fasnet

Einmal mehr werden wir morgen Online unter www.suedkurier.de umfassend und in der Freitag-Ausgabe der Zeitung auf sechs Seiten über das Geschehen am Schmotzige Dunschtig im ganzen Hegau-Land aktuell berichten. Das Schweigen der Narren gehört längst der Vergangenheit an.

http://albert.bittlingmaier@suedkurier.de

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