Am „11.11.“ juckt‘s jeden waschechten Narren. Die fünfte Jahreszeit beginnt – wie immer diese im Jahr 2021 auch vonstattengehen mag. Indes vereitelt die Corona-Pandemie den Pflumeschluckern und ihrem Narrenrat ihren traditionellen „11.11.“. In dieser verrückten Corona-Zeit ist der gewohnte Fastnachtsauftakt, wie man ihn über viele Jahrzehnte hinweg kannte und schätzte, nämlich verboten. Doch die Narren haben sich etwas einfallen lassen.

Diese wilde Verfolgungsjagd in Wild-West-Manier blieb nicht allen verborgen. Was das Ganze mit dem „11.11.“ zu tun hat, zeigt sich heute.
Diese wilde Verfolgungsjagd in Wild-West-Manier blieb nicht allen verborgen. Was das Ganze mit dem „11.11.“ zu tun hat, zeigt sich heute. | Bild: Martha Weishaar

Sie hätten jammern und sich bequem zurücklehnen können, die Narrenräte der Pflumeschlucker. Aber Missmut und Müßiggang liegen den Bonndorfer Narren fern. Bereits im Sommer reiften im Narrenrat erste Gedanken, die närrische Einstimmung auf die kommende Fastnacht digital auf den Weg zu bringen. „Gar nichts machen war überhaupt keine Option“, sagt einer der kreativen Strippenzieher dazu. „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass der Verein trotz Corona etwas machen kann.“ Seit etwa einem Monat wird konkret daran gearbeitet. Und heute, ab 11.11 Uhr, kann das Ergebnis auf der Homepage der Pflumeschlucker betrachtet werden. Der virtuelle „11.11.“ kann in diesem Coronajahr also statt auf der Bühne der Stadthalle im Internet betrachtet werden. Ohne Vorverkauf, Abendkasse, Sitzplatzreservierung. Für Bewirtung im erlaubten Rahmen muss individuell gesorgt werden.

Ruth Rheiner ist konzentriert bei der Sache, wenn sie hinter der Kamera steht.
Ruth Rheiner ist konzentriert bei der Sache, wenn sie hinter der Kamera steht. | Bild: Martha Weishaar

Das Programm beinhaltet beinahe alles, was „Narr“ sich wünscht. Narrenmarsch, witzige Unterhaltung, Tänze und die Vereidigung der Narrenräte mit Bekanntgabe des Mottos für das Fastnachtsspiel – wie immer sich dies gestalten mag. Was selbst für die Akteure zunächst aus der Not heraus geboren worden war, machte bei der Vorbereitung allen mächtig Spaß. Drehbücher wurden verfasst, Requisiten organisiert, Mitspieler gesucht und gefunden, Drehorte festgelegt, Termine vereinbart. Aufmerksamen Beobachtern entgingen die Aktivitäten nicht. Mal im Schwimmbad, mal mitten in der Stadt oder im Gewerbegebiet, dann wieder auf dem Lindenbuck, auf der Wacht oder im Japanischen Garten – immer wieder waren Grüppchen, teilweise merkwürdig verkleidet, begleitet von einem Kamerateam unterwegs. Neugierige Zaungäste wurden freundlich abgewimmelt. Zuschauer waren in dieser Phase des Projektes unerwünscht.

Bei ihnen laufen die Fäden zusammen: Lea, Norbert und Ruth Rheiner (von links) fügen vor dem Bildschirm die „11.11“-Szenen zusammen und geben den letzten Schliff.
Bei ihnen laufen die Fäden zusammen: Lea, Norbert und Ruth Rheiner (von links) fügen vor dem Bildschirm die „11.11“-Szenen zusammen und geben den letzten Schliff. | Bild: sk

Aufgenommen wurden die Szenen von Norbert Rheiner, seiner Tochter Lea sowie Lisa Herrmann, der Partnerin von Jan Jost. Am Ende liefen alle Fäden bei Norbert Rheiner zusammen. Unter Mitwirkung seiner Töchter Ruth und Lea verbrachte der technikaffine Narrenrat Stunden um Stunden in seinem Büro vor einem überdimensionalen halbrunden Monitor, wählte dort die optimalen Aufnahmen aus sämtlichen eingesetzten Kameras aus, fügte Bilder ein, arrangierte den jeweils richtigen Ton dazu.

Pfiffige Effekte

Lea kreierte dazu ein paar pfiffige Effekte. Als Graphikdesignerin hat die angehende Wirtschaftsingenieurin Ahnung von derlei Möglichkeiten. Was vordergründig so locker leicht wirkt, bedingt im Hintergrund eine Menge Arbeit und Sachverstand. Und den hat Norbert Rheiner. Technisches Know-how bringt seine 19-jährige Tochter Ruth ein. Die Studentin der Bioanalytik filmte bereits mehrmals das Abendprogramm des „11.11.“. Die Beteiligten zeigen sich derweil bescheiden. „Das wird nichts Perfektes. Wir sind Laien und keine Profis“, versucht Norbert Rheiner den Ball flach zu halten. Wer ihn kennt, weiß, dass sich das Ergebnis wird sehen lassen können.

Der virtuelle „11.11“ im Internet (www.pflumeschlucker-bonndorf.de).