Mit viel Lärm sind die Narren in der Region gestern in die fünfte Jahreszeit gestartet: Mit dem Einschnellen am Dreikönigstag wird lautstarken der Beginn der schwäbisch-alemannischen Fasnacht gefeiert. "Mit Glockenschlag 12 Uhr mittags wird die Fasnet begrüßt", erklärt der Peter Schmidt, Narr und Geschichtskenner, beim Einschnellen auf dem Meersburger Marktplatz. Der Winter solle durch den Lärm des Peitschenknallens ausgetrieben werden. Vom 24. Dezember bis 6. Januar seien die Raunächte, erklärt Schmidt den historischen Hintergrund. Laut Überlieferung, sei das eine magische Zeit voller Rituale gewesen, in der auch Dämonen ihr Unwesen getrieben hätten, wie zum Beispiel die zotteligen, gehörnten Perchten im alpenländischen Raum. Um das Ende dieser Zeit zu markieren, setzte man mit dem Schnellen der Karbatschen ein hörbares Zeichen.

Auch Überlingens Narrenvater Thomas Pross erklärt, dass das Karbatschenschnellen in Überlingen eine lange Tradition habe. Der Hänsele sei seit über 250 Jahren bekannt, die Fastnacht in Überlingen weise aber noch weitaus ältere Ursprünge auf. Bei dem aus "östlichen Regionen stammende" Schnellen handele es sich um einen Fastnachtsbrauch wie viele andere, etwa das Küchle holen in Sipplingen oder das Schellen mit Glocken oder Eselsohren. Wie sehr diese Traditionen auch heute noch gelebt werden, zeigte sich am gestrigen Dreikönigstag einmal mehr an vielen Orten:

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  • Überlingen: Vor dem Münster und einer großen Zuschauerkulisse versammelten sich zahlreiche Mitglieder der Hänselezunft, um mit ihren Karbatschen die Herrschaft der Narren anzukündigen. Wie immer versuchten dabei nicht nur erfahrene Hänsele, sondern auch junge Närrinnen und Narren, den schwierigen Anforderungen des Brauchtums gerecht zu werden – denn nur bei richtiger Handhabung erzeugt die geflochtene Hanfpeitsche bei jedem Schlag einen lauten Knall. Bewundernde Blicke waren den Schnellern, die mit mehr oder weniger gekonnten Bewegungsabläufen und viel Kraftaufwand die Peitsche über ihren Kopf schwangen, auf jeden Fall gewiss.
Zahlreiche Besucher beobachteten in der Überlinger Münsterstraße das Einschnellen der Fastnet.
Zahlreiche Besucher beobachteten in der Überlinger Münsterstraße das Einschnellen der Fastnet. | Bild: Kleinstück, Holger
  • Salem-Tüfingen: Pünktlich mit dem 12-Uhr-Glockenläuten krähte in Tüfingen der Hahn und erinnerte die Karbatschen-Schneller an das Einschnellen der fünften Jahreszeit. Sogleich standen mehrere Schneller auf der Überlinger Straße im Salemer Teilort und schnellten um die Wette. Zur mittäglichen Stunde hatte die Fasnet Vorfahrt, Autofahrer mussten warten. Mit jedem Knall der Schneller schwank mit, dass für den Narrenpräsidenten Artur Keller einen Nachfolger gesucht wird. Keller war seit 1975 aktiv in der Fasnet tätig und mit der Gründung der freien Narrenzunft der Tüfinger Störche 1992 auch ihr Narrenpräsident.
  • Meersburg: Dass das Einschnellen nicht nur Männersache ist, zeigte sich auf dem Marktplatz in Meersburg. Unter den vielen Narren zeigte auch die 15-jährige Tabea Müller ihr Können mit der Karbatsche. "Mein Opa hat das schon immer gemacht", erzählt die junge Frau, "darum wollte ich das auch lernen." Angefangen habe sie mit etwa acht Jahren, als die Familie in die Hänsele eingetreten sei. Damals übte sie mit einer kleinen, leichten Kinderkarbatsche, mittlerweile benutzt sie eine besonders schwere Erwachsenenversion. Die Karbatschen unterscheiden sich in Länge und Gewicht, die schwereren lägen ihr gut in der Hand. "Ich mag es einfach, es macht mir Spaß."
Dass nicht nur männliche Narren schnellen können, beweist die 15-Jährige Tabea Müller auf dem Markplatz in Meersburg.
Dass nicht nur männliche Narren schnellen können, beweist die 15-Jährige Tabea Müller auf dem Markplatz in Meersburg. | Bild: Lorna Komm
  • Stetten: Wie es Brauch ist, haben die Jungnarren der Stettener Hasle Maale am Dreikönigssonntag mit Peitschenschwingen die Fasnet eingeläutet. Trotz des unwirtlichen Wetters mit leichtem Nieselregen ließen sie ihre Karbatschen auf dem Bauhofgelände ordentlich knallen. Als jüngste Karbatscher waren der 14-jährige Angelo Petri und sein zwei Jahre jüngerer Freund Leon Degirmemci mit dabei. Sie schnellen beide schon seit ihrem siebten Lebensjahr. Bei ihre älteren Kollegen Kevin Eilers und Florian Wenk schauten sie trotzdem genau zu, wie die ihre Peitschen führten. "Das Schnellen will gelernt sein", sagte Wenk. "Am besten lernt man durch üben."
Auch in Stetten haben die Jungnarren der Hasle Maale am Dreikönigssonntag mit Peitschenschwingen die Fasnet eingeläutet.
Auch in Stetten haben die Jungnarren der Hasle Maale am Dreikönigssonntag mit Peitschenschwingen die Fasnet eingeläutet. | Bild: Martina Wolters

Nach dem Auftakt an Dreikönigstag darf die Karbatsche ab sofort bis Aschermittwoch, in diesem Jahr erst am 6. März, die Narretei täglich lautstark verkünden.