1. Es wäre ein Bruch mit bewährten Prinzipien unseres Gesundheitssystems

Zumindest die gesetzlichen Kassen machen bislang keinen Unterschied, ob eine Krankheit selbst verschuldet wurde oder nicht. Das Solidarprinzip sorgt dafür, dass die Beitragszahler gemeinsam für die Gesundheitskosten einstehen. Wer mehr verdient, trägt mehr zum solidarisch finanzierten System bei. Dieser Grundsatz gilt, auch wenn Zahnersatz mittlerweile durchaus eine Frage des Geldbeutels ist. Aber da geht es schließlich nicht ums Überleben. Weltärztepräsident Ulrich Montgomery wehrt sich zu Recht dagegen, „dass ein paar hartleibige Impfgegner die Grundfesten unseres Krankenversicherungssystems aushebeln“.

2. Anderes riskantes Verhalten müsste dann ebenfalls sanktioniert werden

Oder wie ließe sich angesichts von Zusatzkosten für Ungeimpfte noch rechtfertigen, dass Raucher, Bergsteiger oder Skifahrer keine höheren Kassenbeiträge bezahlen? Die Rechtfertigung dafür fiele schwer, zumal es bei der Forderung von Bayerns Gesundheitsminister Holetschek und Tübingens OB Palmer ja nicht darum geht, Ungeimpfte für ein größeres Ansteckungsrisiko, das von ihnen ausgeht, zu sanktionieren. Nein, es geht um möglicherweise anfallende Kosten – durchaus vergleichbar also mit einem Ski- oder Bergunfall. Die Frage ist: Wo soll man da die Grenze ziehen? Auch Fußball birgt ein großes Verletzungsrisiko. Sollen deshalb auch die Beiträge steigen? Was ist dann mit denen, die nur noch auf dem Sofa sitzen? Sport kann ein Risiko sein, keinen Sport zu treiben aber ebenfalls. Übrigens: Auch Adipositas führt regelmäßig zu hohen Kosten im Gesundheitswesen.

3. Wir wollen keine Zustände wie im autoritären China

Beim dortigen Sozialpunktesystem, das sich noch in der Einführung befindet, bekommt man für konformes Verhalten Punkte zugeteilt oder abgezogen. Wer Blut spendet, bekommt Punkte, wer Hundekot nicht beseitigt, bekommt sie abgezogen. In der Konsequenz gibt es Belohnung und Bestrafung. Was gut und richtig ist, legt der Staat fest.

4. Ob man auf diese Weise Impfskeptiker überzeugt bekommt, ist fraglich

Der Druck auf Ungeimpfte ist schon jetzt groß: In vielen Bereichen gilt 2G, wie in Gaststätten oder Kulturveranstaltungen, der Zutritt wird ihnen also verwehrt. Die Fronten sind bereits verhärtet. Was das auslöst, lässt sich derzeit bei vielen „Spaziergängen“ und Corona-Demonstrationen beobachten. Würden jetzt finanziell die Daumenschrauben angesetzt, ist zu befürchten, dass der Widerstand noch wächst. Gewonnen wäre damit nichts.

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5. Es wurde noch nicht alles versucht, um Menschen zum Impfen zu bewegen

Anstatt immer neue Drohszenarien in den Raum zu stellen, wäre eine Impfkampagne, wie sie das Bundesland Bremen auf die Beine gestellt hat, zumindest eine erwägenswerte Option. Die Impfung niedrigschwellig zu den Menschen bringen – damit hat man es zur besten Impfquote Deutschlands gebracht. Klar: Eingefleischte Impfgegner bekommt man dadurch auch nicht überzeugt, aber das wäre dann möglicherweise auch gar nicht nötig.