Herr Oßwald, der Konzertveranstalter Koko & DTK Entertainment hat seinen Standort in Konstanz aufgelöst. Wie kam es dazu?

Das hat zwei Gründe. Zum einen hat es mit notwendigen Kosteneinsparungen zu tun, zum anderen haben wir schon längere Zeit über eine Nachfolgeregelung für die Geschäftsführer Dieter Bös und Armin Nissel nachgedacht, die sich mit 62 und 63 Jahren verständlicherweise dazu Gedanken gemacht haben. Die Nachfolgeregelung haben wir jetzt auf den Weg gebracht.

Welche Rolle hat Dieter Bös denn in Zukunft beim Unternemen Koko?

Er wird weiter das Programm für das Zeltmusikfestival in Freiburg machen, ebenso für das Zeltfestival in Konstanz und die Festivals in Singen und Meersburg. Auch werde ich gerne seine weitreichenden Kontakte zu nutzen wissen und er wird mich mit diesen Kontakten unterstützen. Weder Armin Nissel noch Dieter Bös gehen ja im Streit, ganz im Gegenteil.

Was wird aus dem Namen? Koko steht für „Konzertbüro Konstanz“.

Aus „Konzertbüro Konstanz“ wurde Koko, als das Büro in Freiburg vor mehr als 30 Jahren gegründet wurde. Seither steht Koko als eigene Marke ohne Bezug zum ersten Standort.

Von wo aus wird die Agentur nun künftig und geführt – und von wem?

Das Büro in Konstanz wird aufgegeben, es gibt dann noch Büros in Tübingen und Freiburg. Ich bin künftig Alleingeschäftsführer. Firmensitz wird Freiburg werden. Tübingen bleibt Niederlassung.

Wie ist das Konzertgeschäft denn aktuell einzuschätzen?

Es wird nicht leichter und die Bedeutung der konzerngebundenen Großveranstalter nimmt zu. Sie machen das Geschäft mit den großen internationalen Stars, sind operativ aber nur in Metropolen wie zum Beispiel Berlin und Hamburg tätig. Unser Gebiet hier, in dem Freiburg die größte Stadt ist, ist für sie nicht so spannend. Also werden wir auch weiterhin Konzerte für die großen konzerngebundenen Agenturen veranstalten – ich habe gute Kontakte zu allen und kann mit allen arbeiten.

Steigen die Gagen oder bleiben Sie noch im Rahmen? Und was bedeutet das für die Eintrittspreise?

Gagen sind auch immer Verhandlungssache. Es gibt keine Preisliste, die man einsehen kann. Insofern kommt es immer auf die Einschätzung des Künstlers und des durchsetzbaren Eintrittspreises an. Letzten Endes wird der Markt ständig von den Managern, Agenten und Veranstaltern getestet. Lässt der Markt höhere Ticketpreise zu, werden sie kommen.

Wie sieht die Zukunftsperspektive von Koko aus?

Da meine Berechnungen stimmen und die Spareffekte greifen, sieht die Perspektive gut aus.

Wie steht es um die Zukunft von Festivals wie Rock am See?

Ob es Rock am See weiter geben wird, kann ich derzeit weder mit Ja noch mit Nein beantworten. Die letzten beiden Jahre liefen nicht gut, 2015 war noch schlechter als 2016. Ich muss mir das nochmal ganz genau anschauen. Es kommt dabei zuallererst auf das Programm an, danach auf den Zeitpunkt des Vorverkaufsstarts. Wenn mich das Programm total überzeugt und wir das Weihnachtsgeschäft nutzen können, dann werde ich es noch einmal wagen. Die Chancen für eine Neuauflage stehen daher 50 zu 50. Wir haben zwei Jahre Verluste eingefahren. Zukünftig trage ich das Risiko alleine. Deshalb muss ich letztlich auch allein entscheiden, was mit Rock am See wird. Wenn Dieter Bös mit guten Bands kommt, werden wir uns zusammensetzen und darüber beraten.

Fragen: Uli Homann

Zur Person

Marc Oßwald, 52, begann seine Karriere als Manager während seines Studiums der Betriebswirtschaft. Ab 1998 war er als Geschäftsführer der DTK Musik und Marketing GmbH in Tübingen tätig. 2001 löste er Koko-Geschäftsführer Clemens Zispe ab, woraufhin Koko mit DTK zur Koko & DTK Entertainment GmbH fusionierte. Durch den Zusammenschluss kam Tübingen als weitere Standort hinzu – Koko war bis zuletzt in Konstanz, Tübingen und Freiburg vertreten.