Herr Fall, wie geht es Ihnen?

Mir und meiner Familie geht es sehr, sehr gut. Wir versuchen, trotz der Einschränkungen, viel zu spazieren und im Garten zu arbeiten. Gott sei Dank spielt das Wetter gerade mit.

Wie vertreiben Sie sich ansonsten die Zeit?

Mir fallen täglich spannende Dinge ein, die ich schon ewig nicht mehr gemacht habe und erledigen wollte, wie die Ablage oder ein Zimmer zu streichen. Ich bin auch dankbar, dass ich ein gewisses Pensum arbeiten kann, am Telefon oder in der Planung. Das ist eine interessante Mischung.

Sie sind Technischer Leiter im Nachwuchs des Thurgauer Fußballverbands und als Koordinator an der Sportschule Bürglen in der Schweiz tätig. Ist das Pendeln gerade ein Problem, oder müssen Sie von zuhause aus arbeiten?

Ich bin tatsächlich viel zuhause und muss nur für wichtige Gespräche oder Sitzungen in die Schule. Auch wenn es ein ganz neues Gefühl ist, in Konstanz an der Grenze kontrolliert zu werden, geht das aber alles problemlos, da ich als Grenzgänger gemeldet bin und meinen Arbeitsplatz in der Schweiz habe.

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In Ihrer Freizeit engagieren Sie sich als Trainer beim AS Calcio Kreuzlingen, einem Aufsteiger in die fünfthöchste Schweizer Liga. Wie ist da die Lage?

Wir hatten gerade eine achtwöchige Vorbereitung inklusive Trainingslager absolviert und uns darauf gefreut, dass es endlich wieder losgeht, als wir einen Tag vor dem Rückrundenauftakt Bescheid bekommen haben, dass nicht mehr trainiert werden darf. Das war im ersten Moment schon hart. Jetzt machen wir das Beste daraus. Letzten Freitag hatten wir zum ersten Mal ein Online-Athletiktraining.

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Aber es ist schon seltsam. Ich kann mich nicht an eine so lange Fußball freie Zeit erinnern. Ich habe mich schon dabei erwischt, wie ich Billard oder einen Livestream von der Schach-Weltmeisterschaft angeschaut habe. Als Sportler sitzt man gerade schon extrem auf dem Trockenen. (lacht)

Mussten Sie schon zu den alten Highlight-DVDs aus Ihrer Karriere greifen? Immerhin waren Sie für Traditionsvereine wie Waldhof Mannheim, Rot-Weiß Erfurt oder Preußen Münster aktiv und haben mit dem SC Pfullendorf den Aufstieg in die 2. Bundesliga nur knapp verpasst.

So groß ist die Not Gott sei Dank noch nicht. (lacht) Der Karton liegt ganz weit unten in der Garage. Vielleicht müssen wir in zwei Wochen nochmal darüber sprechen. Bis dahin fällt mir aber definitiv Sinnvolleres ein. Im Ernst: Ich nutze gerade sehr viel Zeit, um sie mit den Kids zu verbringen.

Im Jahr 2008 als Profi: Der Konstanzer David Fall (links) im Dress des SC Paderborn gegen Aleksandar Kotuljac von der SpVgg Greuther Fürth.
Im Jahr 2008 als Profi: Der Konstanzer David Fall (links) im Dress des SC Paderborn gegen Aleksandar Kotuljac von der SpVgg Greuther Fürth. | Bild: dpa

Können Sie die neu gewonnene Zeit genießen?

Absolut. Ich bin eh jemand, der selten das Schlechte sucht. Ich versuche, immer das Beste aus jeder Situation zu machen. Es ist ein großes Geschenk, dass ich gerade viel Zeit mit der Familie verbringen darf. Wir Eltern genießen das und die Kinder auch. Am einen Tag chillen sie im Pyjama, am nächsten sind sie draußen. Und zwischendrin kümmern wir uns um die Schulsachen.

Stichwort Familie. Die Eltern Ihrer Frau kommen aus Italien. Wie erleben Sie die Situation dort, und haben Sie viel Kontakt?

Auf jeden Fall. Meine Frau telefoniert regelmäßig mit ihren Tanten, Onkel und Cousinen, die in der Mailänder Region leben. Also mitten im Epizentrum. Glücklicherweise sind alle wohlauf. Das Schöne ist, dass sie trotz der massiven Einschränkungen dort versuchen, die Situation mit Humor zu nehmen. Neulich bekamen wir ein Video von einer älteren Dame, die ihren Hund in einem Korb vom Balkon abseilt, damit er Gassi gehen kann, und ihn wieder hochzieht. Die Menschen in Italien haben noch viel Energie und Mut, um mit der Krise umzugehen.

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Noch ist es ungewiss, wie es hier weitergeht. Was wünschen Sie sich für die nächsten Wochen?

In erster Linie, dass sich die gesundheitliche Lage auf der ganzen Welt entspannt und es weniger Neuinfektionen gibt. Dass die Maßnahmen, die wir so noch nie erlebt haben, Wirkung zeigen und wir Licht sehen am Horizont. Wenn sich die Menschen trotzdem ihre Freude und das Lachen bewahren, dann kommen wir auch da durch. Und natürlich hoffe ich bei allem auch, dass wir in absehbarer Zeit wieder an den Ball können. Sonst weiß ich nicht, ob meine Psyche mich nicht doch so weit treibt, dass ich den Karton mit den DVDs aus der Garage holen muss. (lacht)

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