Singen – Die einen wehrten sich, die anderen gaben die Schlüssel freiwillig heraus: Fakt ist – am Ende des Schmutzgen Dunschtig waren in allen Ortsteilen Singens die Narren im Besitz der Macht, Kindergärten und Schulen befreit.

Narren fordern Asyl

Um Asyl flehte die Narrenschar am Schmutzigen Dunschtig vor der Friedinger Ortsverwaltung und die Hexen der Kä-Stock-Zunft hatten heftig am Eingangstor zu rütteln, um Einlass zu erhalten. "Für Asyl sind wir nicht zuständig", moserte Peter Nägele als stellvertretender Ortsvorsteher. Dem Sturm der Narrenschar konnte er aber nicht Stand halten. Mit Täterä und Tralala zogen Hexen, Kienspanwieble, Wasserdrescher und Elferrat in den Gemeindesaal. Doch zuvor galt es für Kä-Stock-Präsidentin Carmen Mayer, Regent Peter, den Alefänzigen, im närrischen Motto-Quiz zu schlagen. Die Helden der Kindheit wurden zum Prüfstein und die Friedinger Fanfaren sorgten als Pumuckl mit ihrem Meister Eder für die närrischen Stimmung. Ein Dank der Narren galt dem Musikverein, der wieder alle Register ziehen konnte.

Chrüzerbrötli-Zunft setzen auf Trump

In Überlingen am Ried war es wohl auch schon mal schwieriger, die Macht zu übernehmen. Auf wackliger Leiter, sanft stabilisiert durch eine Weinschorle, machte Zunftmeister Andreas Jasko den Trump. Dem Ortschaftsrat warf er polternd Untätigkeit und Irrelevanz vor ("Wollt ihr weiter die fünfte Gießkanne für den Friedhof beantragen?"), plädierte für Zäune und Mauern gegen einreisende Bohlinger und forderte Fleischkäs als Einfuhrzoll. Ortsvorsteher Bernhard Schütz nahm's fatalistisch zur Kenntnis, erklomm umsichtig nur wenige Stufen der Redner-Leiter und rückte folgsam den Rathausschlüssel raus.

Nachdem er den Narren eine Geschichts-Lektion zu den 80er Jahren gelesen hatte, übernahmen die Chrüzerbrötli die Regie. Bernhard Schütz und sein Ortschaftsrat verabschiedeten sich unterdessen in die fasnächtliche Untätigkeit.

Ortschaftsräte in Gefangenschaft

Mit viel guter Laune verteidigte der Beurener Ortschaftsrat das ehemalige Rathaus. Ortsvorsteher Wolfgang Werkmeister und sein Gremium haben sich als Clowns auf den Angriff der Buronia-Zunft vorbereitet. "Die Lage ist so ernst, da hilft nur Lachen", erklärte Werkmeister. Groppenstecher und Muckenschöpfer der Buronia-Zunft haben den Amtsmann ernst genommen und aus dem Amt gelacht. Machtlos und gefangen genommen mussten die Ortschaftsräte auch noch die Schülerbefreiung erleben. Unter dem Jubel der Schülerschar wurde Schulleiter Hans Gresser im Konfetti-Hobel der Buronia-Zunft kräftig durchgeblasen, bevor er das Schulhaus für die Ferien dicht machte.

Ortsvorsteher friedlich entmachtet

Nach der Ansprache von Zunftmeister Jochen Metzger ließ sich Ortsvorsteher Markus Moßbrugger nicht lange bitten und übergab den Rathausschlüssel von Schlatt an die Narren. „Es ist ganz schön, die Verantwortung zeitweise abzugeben“, scherzte Moßbrugger, der in diesem Jahr als Jäger das passende Gegenstück zu seinen als Waldtiere verkleideten Gemeindemitgliedern mimte. Beim Zusammentreffen von Breame und Musikverein bereitete die Gemeinde ihren Gästen ein deftiges Narrenfrühstück. In der Zwischenzeit belustigte sich die Menge mit Spielen. Nach Ausgabe der Narrensuppe zogen die Mäschgerle zum Narrenbaum-Aufstellen zum Kirchenkeller weiter. Auch die Kindergartenkinder waren mit von der Partie.

Bunter Umzug bei Traumwetter

Ganz im Sinne der kleinen Mäschgerle verlief der Nachmittag unter Leitung von Zunkftmeister Andreas Stocker in Hausen. Begleitet von Marschmusik zogen Kinder und Eltern durch das Dorf zur Eichenhalle, vor der der Narrenbaum aufgestellt wurde. Zur Stärkung ging es im Anschluss zur Kinderfasnacht. Stocker legt Wert auf ein abwechslungsreiches Fasnachtsprogramm: "Am Sonntag findet der Hegau-Umzug statt, an dem auch die Zünfte aus Mühlhausen und Schlatt teilnehmen – darauf freuen wir uns sehr."

Bohlingen im Rockerwahn

Bei strahlender Sonne zogen viele Kostümierte beim Narrenbaumumzug durch das Trubehüeternest in Bohlingen. Angeführt vom rockigen Narrenrat, Schulklassen mit Mottogruppen, Elvis-Fans und sonstigen Rockern hatten die Holzhauer den geschmückten Narrenbaum bei sich und stellten diesen auf. Die Musikkapelle heizte die Stimmung ein, und die Narren schunkelten um den Narrenbaum. Das erstmalige Feiern auf dem Rathausplatz abseits der Straßen wurde von den Narren gut angenommen, traditionell wurde Kesselfleisch ausgegeben. Ortsvorsteher Stefan Dunaiski hatte zuvor das Zepter freiwillig abgegeben.