Wo gehen Narren und auch Nicht-Narren am Fasnachts-Sonntag hin? Für Doris Hauschild ist das keine Frage: "Zum Närrischen Jahrmarkt natürlich, das ist jedes Jahr ein Muss." Hier treffe man Leute und habe Spaß miteinander. Fasnacht ohne Jahrmarkt geht für sie gar nicht. "Am Fasnachts-Sonntag futtern wir uns hier durch, da bleibt die Küche kalt", sagte Doris Hauschild und genoss die Hördöpfel mit Knobisoße. Mit dieser Meinung steht sie nicht allein, auch am Sonntag bevölkerte ein bunt gemischtes Publikum den Singener Rathausplatz.

Traditionell Vollgas vor der Fastenzeit

Für Beate Ruf ist der Närrische Jahrmarkt der Poppele längst zur Tradition geworden. Das 125. Mal habe sie zwar noch nicht geschafft, "aber wir arbeiten darauf hin", bezog sie sich auf den 125. Geburtstag dieser einzigartigen Veranstaltung. Die Geburtstage werden zwar erst seit den 1950er-Jahren regelmäßig gefeiert – ins Leben gerufen wurde der närrische Jahrmarkt schon 1894 von der Poppele-Zunft. "Jahrmärkte fanden damals nur im Herbst statt und damit die Leute vor der Fastenzeit nochmal richtig Vollgas geben konnten, haben die Poppele den Närrischen Jahrmarkt erfunden", erklärt Marktmeister Rainer Maier. Und der sei bis heute die einzige Veranstaltung dieser Art in der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte.

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Schwarzwälder Kirsch war nach 30 Minuten aus

Die Besucher bummelten bestens gelaunt über den Platz, hielten Einkehr an den Ständen und genossen die außergewöhnlichen Angebote. Am Stand der Rebwieber schätzte Marianne Halmer der Zahl der Kuchen auf mindestens 100, wobei die Schwarzwälder Kirschtorte nach einer halben Stunde bereits ausverkauft war. Auch die Hutkreationen der Rebwieber waren gefragt, von 84 exklusiven Modellen standen nach einer Stunde nur noch 25 zur Wahl.

Die Hutkreationen der Rebwieber gefallen Renate Müller (links). Bilder: Rossner</span>
Die Hutkreationen der Rebwieber gefallen Renate Müller (links). Bild: Rossner

Beim Billigen Jakob sah es anders aus, trotz zahlreicher Abnehmer schien der Nachschub kein Ende zu nehmen.

Eine Gruppe sorgt für öffentliche Örtchen

Aber auch ernste Angelegenheiten wurden den Besuchern nahe gebracht: Mit den Worten "Kniet nieder und bekennt eure Sünden, hier erhaltet ihr Ablass", nahm der Förderverein Scheffelhalle nach der Beichte auch gern Schein-Spenden entgegen. In ganz anderer Richtung war das Personal des ersten "Singener Klobus" unterwegs: "In der Stadt fehlt es an öffentlichen Örtchen. Es kann nicht gut sein, wenn man es immer so verdrücken muss", erklärte Sabine Quedzuweit. Mit dem Klobus wollten sie zumindest für die Jahrmarktbesucher eine Abhilfe schaffen.

Hilfe gegen das "Verdrücken" bei Helmut Thau, Gabi Freybler und Sabine Quedzuweit.
Hilfe gegen das "Verdrücken" bei Helmut Thau, Gabi Freybler und Sabine Quedzuweit. Bild: Rossner

Historie

Der Närrische Jahrmarkt wurde vor 125 Jahren von der Poppele-Zunft ins Leben gerufen und gehört wie der Schmotzige Dunschtig zur Singener Fasnacht dazu. Zahlreiche Besucher bummelten auch am Sonntag fröhlich gestimmt durch die Marktgassen auf dem Rathausplatz. An gut 25 Ständen waren kulinarische Spezialitäten geboten, umrahmt von Musikgruppen auf der Bühne war ein abwechslungsreiches Programm für jedes Alter geboten.