Das muss der Neid den Narren lassen. Eineinhalb Stunden genügten am Schmotzigen Donnerstag und schon war der Besucher der rituellen Entmachtung des Rathauses grobgünstig über die politische Gemengelage in Singen informiert. So gut wie alles war drin, was die Menschen in der Stadt im Verlauf des vergangenen Jahres bewegte – angefangen von den gewichtigen Themen wie etwa der bissigen Abgrenzung von OB Bernd Häusler zum AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon oder den lokalen Folgen des Klimawandels bis hin zu den Niederungen zertretener Kaugummis und Kippen in der frisch sanierten Hegaustraße oder dem Hickhack um das Kirchengeläut der Liebfrauenkirche. Ja, würden die Narren ihr Geschäft wirklich ernst betreiben, dann müssten sie den Pflichtbesuch ihrer zentralen Veranstaltungen für Neubürger fordern.

Fasnacht mit Bonus

Just ein Thema, das insbesondere Neubürger interessieren dürfte, ließen die Narren aber fatalerweise außer Acht. Es ist die intensiv geführte Debatte um ein Bonus-System bei der Vergabe von Bauplätzen: Soll's Extra-Punkte geben, wenn jemand sich ehrenamtlich engagiert? Oder wenn er Familie hat? Sollen seine beruflichen Qualifikationen berücksichtigt und somit die soften Standortfaktoren der Stadt gestärkt werden? Was wurde im Verlauf eines Jahres nicht alles diskutiert im Gemeinderat – aber auf die Idee einer Verknüpfung von lokalpolitischen Bildungserweiterung und dem Besuch von Fasnachtsveranstaltungen kam keiner. Wobei ehrlicherweise angemerkt werden muss, dass bei so einer Kombination der Schuss auch mal nach hinten losgehen kann und der Neubürger von sich aus auf jedweden Boni verzichtet...

Fasnacht per Rad

Bonus-Punkte indes gesammelt haben die Stadträte, die sich beim Poppele-Tribunal im Rathaus gelegentlich haarscharf auf der Grenze von Witz und Ernst bewegten. Zum Beispiel die Freien Wähler. Ihr Vorschlag einer kommunalen Kiessteuer für Hausbesitzer, denen die regelmäßige Bearbeitung des Grüns zu viel ist, klang absurd. Aber warum eigentlich? Eigentum verpflichtet hierzulande und da kämpfen Biene & Co inzwischen ums Überleben. Wenn's um die politische Botschaft geht, ist sich übrigens auch OB Bernd Häusler fürs Absurde nicht zu schade. Er setzt große Hoffnungen auf das Rad als Fortbewegungsmittel im Nahverkehr und absolvierte zu diesem Zweck einen Parcours auf dem Kinderrad.