Ein echter Narr lässt sich seine fünfte Jahreszeit auch nicht durch die Corona-Pandemie vermiesen. Viele Narren haben ihre Wohnungen und Häuser närrisch geschmückt oder Narrenbäume vor ihr Haus gestellt und sich Aktionen einfallen lassen, um ihre Fasnet auch im kleinen coronakonformen Kreis feiern zu können.

Andere wiederum haben ihre privaten Schatzkisten geöffnet und sind dabei auf kostbare kleine Schätze und Erinnerungen gestoßen, die sie mit den SÜDKURIER-Lesern teilen möchten.

Das könnte Sie auch interessieren

Einer davon ist Harald Schmid, der 58-Jährige hat seine Kindheit in Hepbach verbracht. Gemeinsam mit seinen Eltern Otto und Rosmarie Schmid bewohnte er den ehemaligen Hepbacher Farrenstall, in dem sein Vater angestellt war. Heute ist der ehemalige Farrenstall das Narrenstüble des Narren- und Brauchtumsvereins Hepbach.

Harald Schmid besitzt eine kleine Schatzkiste, in der sich viele alte Bilder der Hepbacher Dorffasnet befinden. Das Erbstück hält Schmid in Ehren.
Harald Schmid besitzt eine kleine Schatzkiste, in der sich viele alte Bilder der Hepbacher Dorffasnet befinden. Das Erbstück hält Schmid in Ehren. | Bild: Lang, Andreas

Harald Schmid hatte als Kind große Freude, an der Hepbacher Dorffasnet teilzunehmen. Gerne schaut er sich heute noch die Bilder aus den 50er- und 60er-Jahren an, die die Dorffasnet widerspiegeln. „Diese Bilder sind ein Stück Zeitgeschichte der Hepbacher Dorffasnet, an die ich mich sehr gerne zurückerinnere“, sagt Harald Schmid stolz.

Diese Narreneltern, die sich rege an der Dorffasnet beteiligen, sind Harald Schmid leider nicht bekannt.
Diese Narreneltern, die sich rege an der Dorffasnet beteiligen, sind Harald Schmid leider nicht bekannt. | Bild: Harald Schmid

Plakat stammt aus dem Jahr 1930

Fasnetsverrückt ist auch der Markdorfer Kevin Maraun; die Fasnet ist für ihn ein Heiligtum. „Ich sammle viel von der Markdorfer Fasnet“, erklärt der 25-Jährige. So auch ein Plakat, das um 1930 entstanden sein soll. „Ich habe dieses Replik online nachmachen lassen“, erläutert Kevin Mauran. Das Plakat hat einen Ehrenplatz an seiner Wohnzimmerwand erhalten.

Dieses Plakat aus den 30er-Jahren ist ein Duplikat, das sich Kevin Maraun anfertigen ließ und den Markdorfer Hänseler zeigt.
Dieses Plakat aus den 30er-Jahren ist ein Duplikat, das sich Kevin Maraun anfertigen ließ und den Markdorfer Hänseler zeigt. | Bild: Kevin Maraun

Ein weiteres Fundstück von Maraun ist eine Postkarte ebenfalls aus den 30er-Jahren, die er erstanden hat. Darauf abgelichtet ist ein Hänseler, der mit einer Markdorfer Trachtendame spazieren geht. Seit 14 Jahren ist Kevin Maraun selbst Hänseler mit Leib und Seele und freut sich, wenn er Sammlerstücke findet, die etwas mit seinem Häs zu tun haben.

Eine Postkarte aus den 30er-Jahren zeigt einen Hänseler mit einer Markdorfer Trachtenfrau, die damals ein schönes Bild bei den Fasnetsumzügen abgaben.
Eine Postkarte aus den 30er-Jahren zeigt einen Hänseler mit einer Markdorfer Trachtenfrau, die damals ein schönes Bild bei den Fasnetsumzügen abgaben. | Bild: Kevin Maraun

Ganz besondere Schmuckstücke der heimischen Fasnet hütet Barbara Felder wie ihren Augapfel. Sie ist die Enkelin des ehemaligen Markdorfer Zunftmeisters Hans Ströhle, der auch 16 Jahre Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte war. Die Narrenkappe und eine Narrenpritsche von 1923 sind kostbare Erinnerungen an ihren Opa.

Birgit Felder präsentiert die Narrenkappe und die Pritsche aus dem Jahr 1923 von ihrem Opa, dem ehemaligen Markdorfer Zunftmeister Hans Ströhle.
Birgit Felder präsentiert die Narrenkappe und die Pritsche aus dem Jahr 1923 von ihrem Opa, dem ehemaligen Markdorfer Zunftmeister Hans Ströhle. | Bild: Lang, Andreas

Das Besondere an dieser Narrenpritsche ist, dass sich dort wohl absichtlich oder unabsichtlich ein Rechtschreibfehler eingeschlichen hat, der mit weißer Farbe und dem Buchstaben „r“ nachgebessert wurde. Es ist leider nicht überliefert, ob diese Narrenpritsche ein Geschenk an den ehemalige Zunftmeister war oder als eine Art Narrenzepter des Zunftmeisters fungierte.

Schmuckstücke, die an Opa erinnern

„Für mich sind es ganz besondere Schmuckstücke, die mich an meinen Opa erinnern“, so Barbara Felder, die in Ravensburg wohnt und Mitglied beim Immenstaader Narrenverein Hennenschlitter ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Seit Generationen ist der Name der Familie Brutsch aus Möggenweiler eng mit der heimischen Fasnet verbunden. So kann sich Rudolf Brutsch noch sehr genau an das Schiff „Santa Maria„ erinnern. „Das hat 1961 sehr viel Arbeit gemacht, aber es hat uns allen Spaß gemacht und war ein richtiger Hingucker“, freut sich der 89-jährige Rudolf Brutsch.

Einen Prachtwagen präsentierten die Möggenweiler mit ihrem Schiff „Santa Maria“, dass beim Markdorfer Fasnets-Sunntig-Umzug im Jahr 1961 für großes Aufsehen und Bewunderung sorgte.
Einen Prachtwagen präsentierten die Möggenweiler mit ihrem Schiff „Santa Maria“, dass beim Markdorfer Fasnets-Sunntig-Umzug im Jahr 1961 für großes Aufsehen und Bewunderung sorgte. | Bild: Rudolf Brutsch

Wagenbau-Kunst aus Möggenweiler

Möggenweiler ist einer der ältesten gewachsenen Stadtteile Markdorfs und dessen Einwohner zeigen sich seit jeher als besonders einfallsreich, wenn es darum geht, ihre Fasnet zu zelebrieren. Jährlich warten die Besucher des Fasnets-Sunntigs-Umzug gebannt, welchen Schabernack sich die Möggenweiler mit ihrem Wagenbau ausgedacht hatten.

Der Wagenbau hat eine sehr lange Tradition bei den Möggenweilern, die sehr viel Arbeit und Detailverliebtheit in ihr Gefährt stecken und somit jährlich große Bewunderung dafür erhalten.

Für Beate Brutsch ist es immer ein besonderer Moment, wenn ihr Vater Rudolf Brutsch das Fotoalbum hervorholt, ihr die alten Bilder von der Markdorfer Fasnet zeigt und ihr die heiteren Geschichten dazu erzählt.
Für Beate Brutsch ist es immer ein besonderer Moment, wenn ihr Vater Rudolf Brutsch das Fotoalbum hervorholt, ihr die alten Bilder von der Markdorfer Fasnet zeigt und ihr die heiteren Geschichten dazu erzählt. | Bild: Lang, Andreas

Ebenso erinnert sich Rudolf Brutsch noch gerne an das Tänzchen, das er als frisch verliebter Hänseler mit seiner Frau Maria in den 50er-Jahren in der Stadthalle Markdorf wagte. Ein Schmunzeln kann sich Brutsch nicht verkneifen, wenn er sich die Hemdglonker-Bilder aus den 70er-Jahren gemeinsam mit seiner Tochter Beate anschaut, die für ihn in schöner Erinnerung geblieben sind.

Frisch verliebt wagte der Hänseler Rudolf Brutsch in den 50er-Jahren mit seiner heutigen Frau Maria bei einer Fasnetsveranstaltung in der Stadthalle ein Tänzchen.
Frisch verliebt wagte der Hänseler Rudolf Brutsch in den 50er-Jahren mit seiner heutigen Frau Maria bei einer Fasnetsveranstaltung in der Stadthalle ein Tänzchen. | Bild: Rudolf Brutsch
Eine heitere Truppe präsentierte sich in den 70er-Jahren beim Markdorfer Hemdglonker-Umzug.
Eine heitere Truppe präsentierte sich in den 70er-Jahren beim Markdorfer Hemdglonker-Umzug. | Bild: Rudolf Brutsch
1977 war Jürgen Selg als Jugendlicher ein begeisterter Hänseler. Im Hintergrund das Markdorfer Gasthaus Krone und die SÜDKURIER-Geschäftsstelle in der Hauptstraße.
1977 war Jürgen Selg als Jugendlicher ein begeisterter Hänseler. Im Hintergrund das Markdorfer Gasthaus Krone und die SÜDKURIER-Geschäftsstelle in der Hauptstraße. | Bild: Jürgen Selg