Warum gab es keine Alternative zur Entscheidung der DEL vom vergangenen Freitag, den Saisonstart erneut zu verschieben?

Aufgrund der fehlenden finanziellen Grundlage sind letzten Freitag zu wenige Clubs in der Lage gewesen, einem Spielbeginn noch im November zuzustimmen. Alle DEL Standorte leiden zu sehr unter den von den Behörden vorgegebenen Zuschauerbeschränkungen sowie keiner verbindlichen Zusage bezüglich den maximal versprochenen 800.000 Euro Fördermitteln pro Club aus dem Corona Hilfspaket Profisport. Es ist immer noch nicht abschließend geklärt, ab und in welcher Höhe die Mittel zur Verfügung stehen. Damit ist den meisten Clubs das Risiko zu hoch, im Laufe der Saison in die Zahlungsunfähigkeit zu geraten.

Teile der Öffentlichkeit sind enttäuscht und werfen der Liga Untätigkeit und Planlosigkeit vor?

Die Enttäuschung der Fans verstehe ich zu 100 Prozent. Allerdings muss ich den Vorwürfen vehement widersprechen. Sowohl die Ligagesellschaft als auch die DEL Clubs mit ihren Mitarbeitern, Gesellschaftern und Partnern versuchen seit Monaten Lösungen zu erarbeiten. Fakt ist, wir leben nach wie vor in einer weltweiten Pandemie mit deren extremen Auswirkungen, unter anderem auf den Profisport, niemand rechnen konnte. Das muss man sich immer vor Augen halten. Es gibt unter den jetzigen Voraussetzungen leider nur für sehr wenige Sportarten die Möglichkeit aufgrund ausreichender TV- oder Sponsoreneinahmen ihren Spielbetrieb kurz- und mittelfristig zu sichern. Es wäre planlos und unverantwortlich, ohne ausreichende finanzielle Absicherung blindlings in eine Saison zu starten.

Was wurde bislang konkret unternommen?

Wir haben in alle Richtungen gedacht. Die Planungen werden jedoch immer wieder zurückgeworfen, da die sich ständig ändernden Verordnungen viele Ansätze ad acta legen. Wir stehen in engem und sehr gutem Austausch mit den lokalen Behörden und Politikern, aber auch diese sind an die Landesverordnungen gebunden. Die föderalistische Diskrepanz innerhalb der Länder ist für die Gesamtplanungen der Liga ein großes Problem. Jeder Standort arbeitet auf der Basis von teils massiv unterschiedlichen Grundlagen.

Kreative Lösungen werden diskutiert, beispielsweise die Verkleinerung des Kaders.

Etliche DEL Clubs hatten bereits mit Ausbruch der Pandemie im März ihren kompletten Kader für die Saison 2020|21 unter Vertrag und konnten nicht mehr reagieren. Andere Clubs, wie auch wir, haben mit den nachverpflichteten Spielern Vereinbarungen getroffen, dass eine Aktivierung der Verträge erst mit dem Saisonstart erfolgt. Außerdem gibt es im Gesamtkonstrukt viele bestehende Verträge, die nicht von heute auf morgen über Bord geworfen werden können.

Wie sieht es in Schwenningen konkret mit einem Spielbetrieb in der Saison 2020|21 aus?

Ich bin sehr guter Hoffnung, dass wir bei einem Saisonstart im Dezember mit dabei sind, da wir gerade in den letzten Wochen und Tagen einen extremen Rückhalt von unseren Fans und Sponsoren, der Kommunalpolitik sowie vor allem von unseren Gesellschaftern erhalten haben. Dies unter Voraussetzung, dass wir das Corona Hilfspaket Profisport und zumindest eine Zuschauerauslastung von mindestens 20 Prozent erhalten. Das ist ein wichtiges Signal für unseren Standort und den Saisonstart, allerdings werden wir nicht ausscheren und uns definitiv weiter solidarisch zu den anderen DEL Clubs zeigen.

Was können wir den Eishockey-Fans mit auf den Weg geben?

Auf der einen Seite werden wir weiterhin ganz sachlich und inhaltlich mit der Politik weiterarbeiten. Die Stadt und die lokalen Behörden von unseren Ideen überzeugen. Auf der anderen Seite werden wir aber auch alles daransetzen, die gesellschaftliche Bedeutung des Eishockeysports auf eine emotionale Art und Weise in den Vordergrund zu rücken. Dazu brauchen wir alle Partner, Fans, Sponsoren und die Politik. In Schwenningen ist der Eishockeysport zu Hause und das werden wir so auch weiterhin deutlich kommunizieren.

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