Juniorenfußball: – Der Fußball macht Pause. Die Corona-Pandemie fordert ihren Tribut. Das trifft aber nicht nur die vielen aktiven Frauen und Männer, sondern auch den Nachwuchs. Jugendleiterinnen und -leiter, Betreuerinnen und Betreuer in den Vereinen stehen vor der gewaltigen Aufgabe, ihren Nachwuchs in der spiel- und trainingsfreien Zwangspause bei Laune zu halten, ihm eine Perspektive zu bieten.

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Das beweisen viele Vereine aus unserer Region mit interessanten Angeboten für die Kinder und Jugendlichen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Vielleicht ermuntern unsere vorgestellten Ideen den ein oder anderen, auch in seinem Club aktiv zu werden. Die Devise lautet: Fußball ist nicht nur auf dem Platz.

Der JFV Region Laufenburg beweist in der aktuellen Ausnahmesituation besonders großen Einfallsreichtum. Der Jugendförderverein, der vor gut einem Jahr von den Vereinen SV 08 Laufenburg, FC Rotzel, FC Binzgen, SV Luttingen und SV Hänner gegründet worden ist, und in dem mittlerweile etwa 300 Kinder und Jugendliche in insgesamt 16 Mannschaften für den Spielbetrieb in Bezirk und Verband gemeldet sind, setzt in unserer kontaktarmen Zeit auf die Vorzüge digitaler Kommunikation.

Video: Luca, A-Junior JFVR Laufenburg

Vorsitzender Michael Rieple ist auf die Resonanz der „Home-Fit-Challenge“ stolz. Der Jugendförderverein hatte vor einigen Wochen seine Mitglieder aufgerufen, mit dieser Aktion einen Beitrag zum eigenen Fitness-Programm zu leisten.

Video: Niklas, F-Junior, JFVR Laufenburg

Jeder konnte bei dieser „Challenge“ ein Video zu Hause drehen und dabei seinen Ideen freien Lauf lassen. Es gab Wettkämpfe gegen Eltern, artistische Einlagen mit Hygieneartikeln, Beiträge mit unterlegter Musik und vieles mehr. Insgesamt 31 Videos wurden gedreht, für die auf der Homepage des Vereins abgestimmt wurde. Es siegten Leon und Andreas Ebner mit ihrem Lauf über 5,1 Kilometer und über 800 Stimmen vor der sich schwungvoll bewegenden Familie Cocuzza mit über 700 Stimmen.

Video: Simon, F-Junior, JFVR Laufenburg

Den Spruch „Mir fällt die Decke auf den Kopf“ will man beim JFV Laufenburg nicht akzeptieren. Trainiert wird über den Messengerdienst Whatsapp. Jede Mannschaft ist in einer Whatsapp-Gruppe. Die jeweiligen Trainer geben darin Hausaufgaben wie Koordinationsübungen, Jonglieren mit dem Ball oder Joggen. Warum also nicht mal „nur“ an die Hauswand kicken?

Michael Rieple, Jugendleiter JFV Region Laufenburg: „Das Miteinander in unserem Verein ist durch Corona eher gewachsen.“
Michael Rieple, Jugendleiter JFV Region Laufenburg: „Das Miteinander in unserem Verein ist durch Corona eher gewachsen.“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

„Wir wollen zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, sich fit zu halten und dabei den Kontakt zu Jugendlichen und deren Eltern aufrecht erhalten“, sagt Michael Rieple, der feststellt, dass sein Verein während dieser Krisenzeit nicht pausiere. „Das Miteinander ist eher gewachsen“, freut sich der JFV-Vorsitzende.

Perfekt: Auch der Jestetter Keeper Yannic Frey hat sich perfekt ausgestattet und hält die neuen Hygienevorschriften genau ein – mit seinem neuem SVJ-Mundschutz. Der Bezirksligist hat in mühevoller Kleinarbeit eigene Behelfsmundschutzmasken genäht und nun seine Mitglieder damit versorgt. Ein Hauptaugenmerk richteten die Jestetter dabei auf ihre Junioren. Jeder Jestetter Kicker durfte sich eine stylische Maske gratis abholen. Das Motto dabei: „Vorschriften einhalten – und trotzdem deine SVJ-Leidenschaft zeigen.“
Perfekt: Auch der Jestetter Keeper Yannic Frey hat sich perfekt ausgestattet und hält die neuen Hygienevorschriften genau ein – mit seinem neuem SVJ-Mundschutz. Der Bezirksligist hat in mühevoller Kleinarbeit eigene Behelfsmundschutzmasken genäht und nun seine Mitglieder damit versorgt. Ein Hauptaugenmerk richteten die Jestetter dabei auf ihre Junioren. Jeder Jestetter Kicker durfte sich eine stylische Maske gratis abholen. Das Motto dabei: „Vorschriften einhalten – und trotzdem deine SVJ-Leidenschaft zeigen.“ | Bild: Tobias Erlemann

Auch der SV Jestetten ist in diesen Zeiten sehr kreativ. Tobias Erlemann, Jugendleiter und Trainer der E-Junioren, versichert, dass die A- und B-Junioren über Whatsapp ihre Aufgaben wie etwa das Pensum an Lauftraining von den Trainern erhalten.

Bei seinen E-, aber auch teilweise bei den D-Junioren wird die Videoplattform Zoom fleißig genutzt. Vier bis fünf Trainingseinheiten gibt‘s da wöchentlich. Langeweile kennen die Kids nicht.

Video: Linus Merkel

Jeden Sonntagabend bietet Fitnesstrainerin Rebecca Fritz aus Jestetten nach dem Motto „Cybertraining statt Körperkontakt“ ihre Übungen zum Nachmachen an. „Fußball-Zumba“ steht donnerstags mit der Jestetter Zumba-Trainerin Jennifer Heise auf dem Programm. Da werden die Bauchmuskeln trainiert, und auch die Bewegung kommt nicht zu kurz.

Jonathan Hader vom Landesligisten FSV RW Stegen, ein ehemaliger Jestetter Kicker, lädt am Mittwochmorgen über Zoom zu Technik-Übungen mit dem Ball ein.

Video: Linus Merkel

Wöchentlich soll es ab sofort wieder ein Sondertraining mit Kickbox-Weltmeister Ramon Kübler geben, der in Jestetten mit seinem Gym zu Hause ist. Der SV Jestetten spielt also das virtuelle Trumpf-Ass aus. Erlemann: „Wir haben viele Ideen. Man sieht sich – fast so oft wie auf dem Platz.“

Raphael Patrzek, der mit Roger Streule die B-Junioren der SG Rheintal trainiert und mit ihnen nach dem südbadischen Titelgewinn im Futsal auch in der Meisterschaft vor dem Titelgewinn in der Bezirksliga steht, kommuniziert mit seinen Spielern ebenfalls über Whatsapp. „Wir haben einen Trainingsplan für die Jungs mit Lauftraining und Kraftübungen gemacht. Diesen Plan können sie täglich abarbeiten“, sagt Patrzek, der weiß, dass auch die C-Junioren des Vereins auf diese Weise an ihrer Fitness arbeiten.

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Ein Riesenlob spendet Jugendleiter Beni Falk vom SV Görwihl an seine Trainer und Betreuer. „Sie sind gut vernetzt mit den Jugendlichen und deren Eltern. Sie leisten das alles in Eigenregie“, freut sich Falk, der sich fast entspannt zurück lehnen kann und seinem Team vertraut. Der Verein hat alle Altersklassen besetzt, einige davon aber in Spielgemeinschaften mit der SG Eintracht Wihl und dem FC Herrischried. Über Whatsapp-Videos der Trainer werden je nach Alter Lauf- und Gymnastikübungen angeboten. „Das ist gut für die Motivation und um weiter Kontakt miteinander zu haben“, sagt Falk.

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Nicht nur auf die virtuelle Karte will Felix Müller, der die A-Junioren der SG RW Weilheim in der Verbandsliga trainiert, setzen. „Der Informationsfluss muss aber da sein“, versichert er. So habe jeder Spieler einen Trainingsplan für zu Hause erhalten. Joggen steht ebenso auf dem Programm wie Intervallübungen für den Muskelaufbau oder die Beweglichkeit. „Zwei bis drei Läufe unter der Woche sollten es schon sein. Wichtig ist, aktiv zu bleiben“, so Müller, der nicht der Kontrolleur sein will, aber auf die Vernunft seiner 16- bis 18-jährigen Spieler setzt: „Jeder teilt die Übungen für sich ein. Alle sind erwachsen genug, dass sie das eigenverantwortlich hinkriegen.“ Angedacht ist noch ein Mannschaftsabend über eine Videoschalte.

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Alternative Trainingsmethoden werden auch beim VfB Waldshut ausprobiert. Jugendleiter Michael Hamburger kommen spontan die C-Junioren seines Vereins in den Sinn, die ihr Hometraining über Skype organisieren. „Die Trainer machen die Übungen vor. Das läuft alles über Videokonferenzen“, sagt Hamburger, der den Ideenreichtum seiner Trainer und Betreuer schätzt: „Sie sind da sehr aktiv“.

Ein Ass will der Verein demnächst noch aus dem Ärmel schütteln. So ist der VfB Waldshut derzeit intensiv mit der Planung von Autokino-Events in Waldshut beschäftigt. Das soll kein einmaliges Erlebnis werden. Mehrere Filme sollen wöchentlich ausgestrahlt werden. Details werde es in Kürze geben. Hamburger: „Da werden auch Filme speziell für Jugendliche dabei sein.“

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Mario Flath ist Jugendleiter des SC Minseln, der mit dem Nachwuchs des SV Karsau und SV Eichsel die SG Dinkelberg bildet. Er gibt offen zu: „Wir machen grundsätzlich Pause.“ Der Spielbetrieb ruht. „Ausgesetzt ist ausgesetzt“, bedauert er. Da er selbst im Schichtbetrieb arbeite, könne er nicht noch Zeit für die Organisation von Hometraining für den Fußballnachwuchs aufwenden. Die jeweiligen Trainerinnen oder Trainer will er aber nicht bremsen: „Das kann jeder für seine Mannschaft natürlich machen.“

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