Skurril sei es gewesen, sagt Markus Dufner, der Organisator des Überlinger Vorrundenturniers der DTB-Serie. Wie immer bei einem Turnierstart begrüßte er Spieler und Publikum auf der Anlage des TC Überlingen. Doch dort, wo sonst hunderte Tennisfans sitzen, herrschte gähnende Leere.

Bis zuletzt hatten Dufner & Co. sich darum bemüht, zumindest einige wenige Zuschauer willkommen zu heißen während der vier Tage, an denen sich acht deutsche Profis am Bodenseeufer messen, um in Zeiten der Corona-Pandemie Matchpraxis zu sammeln.

Organisator Markus Dufner.
Organisator Markus Dufner. | Bild: Jäckle, Reiner

Lange hatte es gut ausgesehen: Bis zum Abend vor dem ersten Spiel. „Wir waren alle der Ansicht, dass – wie in anderen Bundesländern – die lokalen Behörden entscheiden“, sagt Dufner. Das Überlinger Ordnungsamt habe nach einem Vor-Ort-Termin bereits sein Okay für 99 Fans gegeben.

„In Baden-Württemberg muss die Genehmigung jedoch vom Ministerium erfolgen“, fährt Dufner fort, „laut der Verordnung für Veranstaltungen wären 99 erlaubt gewesen. Es gibt allerdings eine neue Fassung für den Profisport, und da heißt es: keine Zuschauer.“ So sitzen auf den Rängen nur hauptamtlich tätige Pressevertreter, Trainer oder Helfer. „Ich habe vollen Respekt für allen handelnden Personen“, sagt Dufner, der dennoch aus verschiedenen Gründen enttäuscht war.

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„Am Anfang habe ich mich unfassbar gefreut, dass ich nach drei Monaten im Krisenmodus endlich wieder ins Tagesgeschäft gehen durfte. Hinzu kam das emotionale Hoch, als es hieß, dass Dominik Koepfer kommt“, erklärt er. „Dann ging meine Stimmung enorm nach unten, als Koepfer wegen Problemen mit der Achillessehne absagen musste.“

„Dann das Auf und Ab mit den Zuschauern: Zuerst hieß es, dass keine kommen dürfen, dann wieder ein emotionales Hoch, als die Zusage für 99 Fans kam.“ Am Ende war der Organisator trotz aller Bemühungen machtlos.

Louis Weßels, der das erste Spiel des Turniers mit 6:7 und 3:6 gegen Torebko verlor.
Louis Weßels, der das erste Spiel des Turniers mit 6:7 und 3:6 gegen Torebko verlor. | Bild: Jürgen Rössler

So war der erste Morgen bei bestem Wetter tatsächlich: skurril. Nur eine Handvoll Menschen verliert sich auf der Tribüne. Der Stadionsprecher informiert vor allem die Spieler, die an Stelle der Ballkinder selbst die gelben Kugeln aufsammeln. Der im Tennis übliche Hinweis auf Ruhe, „quiet please“, ist nicht nötig.

Video: Feiertag, Ingo

Niemand macht Lärm. Nicht einmal ein wunderschöner Stoppball von Peter Torebko, der das Auftaktspiel gegen Louis Weßels mit 7:6/6:3 gewinnt, erntet Applaus. Nur einige Zaungäste sehen von der Bahnlinie aus zu.

Die einzigen Geräusche: Vogelzwitschern, das Surren des Kompressors, der eine überdimensionale Bierflasche eines Sponsors aufbläst, und das Ploppen der Bälle auf Nebenplätzen, wo trainiert wird.

Zaungäste sehen von der Bahnlinie aus zu.
Zaungäste sehen von der Bahnlinie aus zu. | Bild: Jürgen Rössler

„So eine Atmosphäre kennt man vom Training“, sagt Torebko, wie Weßels einer der Lieblinge des tennisbegeisterten Überlinger Publikums, das heute leider draußen bleiben muss. Für die Fans tut es auch Organisator Markus Dufner besonders leid. „Wir hatten alleine für das erste Match 300 Anfragen“, sagt er.

Ohne Zuschauer sei es zwar „nicht ganz so familiär“, wie Peter Torebko, die Nummer 334 der Weltrangliste, sagt, trotzdem sei es „immer schön, hier in Überlingen zu sein“. Nach etlichen vergeblichen Anläufen bei den Überlingen Open, will der 32-Jährige endlich am Bodensee triumphieren, wie er sagt: „Selbst unter diesen Umständen.“

Der erste Spieltag

Peter Torebko – Louis Weßels 7:6, 6:3
Christoph Negritu – Sebastian Fanselow 6:4, 7:5
Yannick Maden – Philip Florig 6:3, 6:1
Johannes Härteis – Mika Lipp 6:0, 6:0